Sonntag , 20. September 2020
Nach dem Betreiberwechsel im Hotel Bergström gibt es offenbar Unmut in Teilen der Belegschaft.

Ärger im Fernseh-Hotel

Lüneburg. Im Hotel Drei Könige in der TV-Serie „Rote Rosen“ wird auch mal Intrige geboten. Und auch im realen Hotel Bergström, das als Kulisse für die Fernseh-H erberge dient, geht der Wechsel von Alt-Eigentümer Henning-J. Claassen zu den neuen Betreibern der Dormero-Gruppe offenbar nicht ohne Reibungen ab. Es gibt erste Kündigungen, zu einer geplanten Betriebsratswahl kam die Polizei.

Jurist sieht Verstoß gegen Betriebsverfassungsgesetz

Der Arbeitsrechtler Mario Böttcher, der eine Handvoll der gekündigten Mitarbeiter vertritt, sieht einen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Die ihm vorliegenden Kündigungsschreiben strotzen seiner Auffassung nach vor „formalen Fehlern“. Hoteldirektor Patric von Buttlar weist die Vorwürfe zurück und sagt, es habe „lediglich acht Entlassungen“ gegeben.

Im September hatte Claassen erklärt, nach knapp drei Jahrzehnten die Führung des Hauses abgeben zu wollen. Die Immobilien im Wasserviertel behalte er. Mit der Dormero-Gruppe der bayerischen Unternehmerfamilie Wöhrl habe er einen 20-jährigen Pachtvertrag geschlossen. Bis auf Hoteldirektor Sven Flecke, den er in ein anderes Unternehmen mitnehme, würden alle 200 Mitarbeiter übernommen.

„Optimierungsprozessen durch die Geschäftsführung“

Nun scheint es anders zu kommen. Von Buttlar bestätigt, dass man überlege, die Zimmerreinigung auszulagern und an Fremdfirmen zu geben, dies sei ein übliches Verfahren. Der Direktor spricht von „Optimierungsprozessen durch die Geschäftsführung“ und: „Selbst wenn wir outsourcen würden, würden die Leute an den neuen Dienstleister übergehen. Es muss sich niemand Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen, wenn er vernünftig arbeitet.“

Dem schenken mehrere Mitarbeiter, mit denen die LZ sprach, keinen Glauben. Denn selbst wenn die neuen Anbieter sie übernähmen, „dann bestimmt zu schlechteren Bedingungen“. Ihren Namen wollen die Angestellten aus Angst nicht in der Zeitung lesen.

Informationszettel sollen abgerissen worden sein

Ein anderer Aufreger ist eine geplante Betriebsratswahl. Die Gewerkschaft NGG hatte dazu eingeladen. Mitarbeiter behaupten, Informationszettel seien abgerissen worden. Dem widerspricht Direktor von Buttlar und erklärt, er selbst habe vielmehr Informationsschreiben verteilt. Am Ende, da sind sich beide Seiten einig, erschienen von den rund 200 Beschäftigten weniger als 40 zur Versammlung. Im Bergström scheiterte schon die Berufung eines Wahlvorstandes für die Betriebsratswahl.

Teilnehmen dürfen, sagt die Gewerkschaft, eigentlich auch gekündigte Mitarbeiter. Das Hotelmanagement wollte einen dieser Kollegen aber nicht dabei haben. Als der nicht ging, rief man auf der Wache an. Das bestätigt die Polizei: „Der Mann ist gegangen, als die Kollegen kamen.“ Arbeitsrechtler Böttcher sieht das Betriebsverfassungsgesetz verletzt: „Bis ein Wahlleiter bestimmt ist, liegt das Hausrecht bei der Gewerkschaft.“ Es sei zu prüfen, ob der Vorwurf der Wahlbehinderung greifen könnte.

Karstadt als mahnendes Beispiel?

Während von Buttlar sagt, er stehe der Sache „wertneutral“ gegenüber und habe das Pro und Contra eines Betriebsrates beschrieben, schildern Teilnehmer es anders. In Kurzform: Ein Betriebsrat koste Geld, es stehe infrage, ob dann noch Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt werden könnten. Am Beispiel Karstadt habe man gesehen, wohin ein Betriebsrat ein Unternehmen führen könne. Diese Äußerungen bestätigt NGG-Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer. Von Buttlar behauptet, an die Karstadt-Aussage könne er sich nicht erinnern.

Das Personal hofft auf Alteigentümer Henning-J. Claassen. Doch der bleibt dabei, er habe sich von dem Hotelbetrieb getrennt und werde ihn nicht wieder übernehmen: „Ich bin da raus.“ Der Investor betont, die Zahlen des Hotels seien „okay“. Im September hatte er einen Jahresumsatz von rund 15 Millionen Euro und eine Auslastungsquote von 80 Prozent genannt.

Von Carlo Eggeling