Samstag , 24. Oktober 2020
Ab dem Monat April wird die Hansestadt den Kontoeinzug für Betreuung und Tagespflege stoppen, wer einen Dauerauftrag hat, kann diesen selbstständig aussetzen. Foto: A/phs

Lüneburg: Mariengemeinde schließt Kita-Gruppe

Lüneburg. Eltern, die ihre Kinder am Nachmittag in der Kita der Mariengemeinde untergebracht haben, stehen vor einem Problem: Aus Personalnot schließt die katholische Kirche zum Monatswechsel eine der beiden Nachmittagsgruppen. „Das ist schlecht für Familien, in denen Vater und Mutter arbeiten“, sagt eine Mutter. „Ich müsste mein Kind mit ins Büro nehmen.“ Zwar solle es Plätze für „Notfälle“ geben, doch „ich weiß nicht, ob ich einen bekomme“. Dechant Carsten Menges bestätigt die Schwierigkeiten, verweist aber darauf, dass die Kita-Leitung sich bemühe, eine Lösung zu finden: „Ich bin zuversichtlich, dass es gelingt.“

Was die Mariengemeinde beutelt, lässt sich auf den Stellenmarktanzeigen der Landeszeitung, aber auch bundesweit beobachten: Erzieherinnen sind Mangelware. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet gerade, dass bis zum Jahr 2025 zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck bis zu 300 000 Erzieherinnen fehlen könnten. Noch mal 300 000 weitere Kräfte wären nötig, wenn die Kommunen die Qualität der Betreuung verbessern wollten. Quelle der Zahlen sind das Deutsche Jugend­institut und die TU Dortmund.

 

„Der Markt ist wie leergefegt.“
Carsten Menges, Dechant

 

 

 

In St. Marien erklärt Menges, warum man in die Bredouille geraten ist: „Einige Kolleginnen sind weggezogen und mussten daher die Kita verlassen. Die frei gewordenen Stellen sind leider aktuell trotz intensiver Bemühungen nicht zu besetzen. Unsere Vertretungskräfte arbeiten im roten Bereich. Zwei Bewerberinnen, die zunächst zugesagt und mit denen wir fest gerechnet hatten, haben uns nun eine Absage erteilt. Und der Markt ist wie leergefegt.“ Daher könne man den gesetzlich vorgegebenen Betreuungsschlüssel nicht ein­halten.

Es gebe zwei Gruppen, in denen je 23 Kinder bis 16 Uhr betreut werden, berichtet der Geistliche. Das könne man nur noch in einer Gruppe gewährleisten. Daher habe man die Eltern gebeten, nach anderen Möglichkeiten zu schauen, ihre Töchter und Söhne zumindest für eine überschaubare Zeit anders unterzubringen. Dass Verträge geändert werden sollten, habe damit zu tun, dass Betroffene dann weniger zahlen müssten. Eltern, die sich bei der LZ gemeldet haben, befürchten allerdings, dass sie ihren Nachmittagsanspruch mit einer Unterschrift verlieren könnten.

Menges widerspricht: „Uns war wichtig, damit auch ein Zeichen zu setzen, dass wir so nicht einfach weitermachen können. Zum einen verstoßen wir gegen geltende gesetzliche Vorschriften, zum anderen können wir den Personalmangel nicht unbegrenzt auf dem Rücken unserer Mitarbeiterinnen abladen.“ Eine Hoffnung liegt nun darin, dass die langfristig erkrankten Kolleginnen zurückkehren und eben neue Kräfte in der Gemeinde-Kita anfangen wollen: „Dann reagieren wir.“ Einige Eltern hätten auch Verständnis gezeigt und könnten ihren Nachwuchs anderswo unterbringen.

Am Montag hieß es von Eltern, dass die Kita-Leitung erklärt habe, man könne sich Plätze teilen und den Nachmittagsplatz in Zukunft vollständig erhalten.

Von Carlo Eggeling