Sonntag , 25. Oktober 2020
Nicht nur laut: Laubbläser sind auch eine Gefahr für Insekten – behaupten jedenfalls die Grünen. Foto: A/lz/t&w

Technik versus Insekten: Kommt ein Verbot für Laubbläser?

Lüneburg. Sie kommen, wenn die Blätter fallen und das Laub sich auf Gehwegen, in Parks und Gärten tummelt. Und sie nerven bisweilen gewaltig. Mehr als 100 Dezib el können motorbetriebene Laubbläser erzeugen, ein Schallpegel, der etwa den Lärmdimensionen eines Presslufthammers entspricht. Ihr Einsatz ist dennoch erlaubt, wenn auch in Grenzen. Nun wollen die Lüneburger Grünen zurück zum herkömmlichen Harken. Nicht wegen des Lärms, sondern zum Schutz der Insekten.

Verbot oder Appell an die Vernunft

„Wir müssen prüfen, ob ein Verbot möglich ist oder ob wir an die Vernunft appellieren müssen“, sagt Ulrich Blanck. Der Fraktionschef der Grünen im Lüneburger Stadtrat will endlich Schluss machen mit den lärmenden Pustern und Saugern, die inzwischen nicht nur im Herbst, sondern auch im Sommer ihr Unwesen treiben. Denn auch der in den Sommermonaten anfallende Grasschnitt wird von der städtischen Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) längst nicht mehr per Hand zusammengekehrt. Das erledigen PS-starke Maschinen, die den Grünabfall auch gleich für die anschließende Kompostierung kleinschreddern.

Genau darin sieht Blanck das Problem. „Bei diesem Vorgang wird den ohnehin stark bedrohten Insekten endgültig der Garaus gemacht“, behauptet der Grüne. Ganze Kulturen der Klein- und Kleinstlebewesen würden bei den besonders gründlich arbeitenden Motorbläsern nicht nur von ihrem Lebensraum einfach weggeblasen, „sie werden mitsamt Laubabfällen anschließend auch noch gehäckselt“.

AGL-Chef hat seine Zweifel

Dass seine Mitarbeiter mit ihren Laubbläsern und -saugern angeblich Insekten vernichten, kann AGL-Chef Lars Strehse indes nicht nachvollziehen: „Von dem Thema habe ich noch nichts gehört.“ Zwar sei es richtig, dass die AGL regelmäßig Laub mit Kehrmaschinen aufnehme und für die Kompostierung verwende – „das ist gute Biomasse!“ –, dass hierbei aber Insekten vernichtet würden, mag er nicht glauben. „Das Laub wird von uns auch gar nicht gemahlen, wozu auch?“, sagt Strehse. Das geschehe mit kräftigerem Grünschnitt. Er fragt sich, wie, wenn nicht mit entsprechendem Gerät, das Laub stattdessen entfernt werden sollte. Ulrich Blanck sieht hier die traditionelle Harke wieder gefordert, „das ist deutlich schonender“. Entsprechende Verbote gäbe es bereits in einigen Kommunen.

Rückendeckung für sein Vorpreschen bekommt der grüne Fraktionschef vom Lüneburger Nabu-Vorsitzenden Thomas ­Mitschke: „Gartenbesitzer und Stadtgärtner sollten da, wo es möglich ist, das Laub liegen lassen, vor allem aber auf Laubsauger oder -bläser verzichten.“ Klinisch saubere, laubfreie Gärten und Grünanlagen entzögen vielen Tieren die Lebensgrundlage. Käfer und andere Kleintiere hätten gegen den Turbo-Blas- und Saugstrom keine Chance, der selbst Frösche oder Molche verletzten und verschlingen könne. „Daher besser Besen und Rechen benutzen“, empfiehlt Mitschke. Neben dem Gehörgang werde die Umwelt vor Abgasen geschont.

Ganz will der Nabu-Experte dem Grünen beim Thema Harken nicht folgen: „Da, wo Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen, wird das so nicht möglich sein.“
Ob die Grünen mit einem entsprechenden Antrag in den Rat gehen wollen, ließ Blanck noch offen. „Wir werden uns mit dem Thema beschäftigen, für dieses Jahr ist es ohnehin zu spät.“

Von Ulf Stüwe