Mittwoch , 21. Oktober 2020
Deutlich nachgebessert werden sollten aus Sicht des Umweltausschusses des Landkreises die Herdenschutzmaßnahmen. Mit der Rückkehr des Wolfs beschäftigt sich auch eine Ausstellung im Museum Lüneburg. MT6 alias Wolf "Kurti" dient als Anschauungsobjekt. Foto: lz/a/be

Wolfs-Resolution auf dem Weg

Lüneburg. Eine Resolution zum Umgang mit dem Wolf hat der Umweltausschuss des Lüneburger Kreistags mehrheitlich auf den Weg gebracht. Darin sollen die alten wie neuen Fraktionen des Landtags in Hannover aufgefordert werden, sich stärker für Herdenschutzmaßnahmen einzusetzen sowie für eine Regulierung des Wolfsbestandes, wo er „zur Gefahr für den Menschen“ wird.

Die nun dem Kreistag empfohlene Resolution stammt aus der Feder der CDU-Fraktion, die in der letzten Fassung unter anderem auf die Forderung verzichtet, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Der Entscheidung ging eine lebhafte Diskussion mit Wolfsberater Uwe Martens voraus, der dem Ausschuss auf Antrag der Linken Rede und Antwort gestanden hatte.

Der Wolf ist angekommen

Nach einer ersten Aussprache über Nutztierrisse von Wölfen im Landkreis Lüneburg – 84 Fälle seit 2008, so Thomas Mitschke vom Nabu – und den Stand der Schutzmaßnahmen hatte Martens einen Ratschlag für das Veterinäramt: „Sie sollten alle Nutztierhalter anschreiben, dass der Wolf in der Region angekommen ist.“ Dafür hatte Norbert Thiemann (CDU) nur Kopfschütteln übrig: „Das können wir uns sparen.

Bei unseren Schäfern ist das Bewusststein da.“ Schließlich gehe es für manche Tierhalter längst um eine existenzielle Frage. Mit Blick auf die Resolution verwies er auf den Kreis Uelzen, der bereits im Februar einen Forderungskatalog erstellt hatte. Thiemann: „Ich sehe uns jetzt auch in der Pflicht.“

Zur Abstimmung im Umweltausschuss standen zunächst drei Anträge. Die Forderung der AfD, den „Wolf wie jedes andere Raubwild unter Berücksichtigung des Naturschutzgesetzes in das Landesjagdgesetz“ aufzunehmen und gleichzeitig Schongebiete für den Wolf einzurichten, wurde bei nur einer Ja-Stimme (Harald Subke, AfD) abgelehnt. Den SPD-Antrag, der eine „Regulierung der Wolfspopulation“ forderte, zog Barbara Beenen auf Bitten von Christoph Podstawa (Linke) zurück, um den Weg frei zu machen für den Kompromiss, der aus dem abgespeckten CDU-Vorschlag bestand.

Die Frage nach dem Jagdrecht

Gestrichen wurde nicht nur die CDU-Forderung „den Wolf zwecks Regulierung der Population und zur Eingrenzung von Nutztierschäden in das Jagdrecht aufzunehmen“, sondern auch der Passus, wonach im Sinne des Tierschutzes ermöglicht werden sollte, „dass schwer verletzte Wölfe oder durch Wolfsübergriffe schwer verletzte Tiere nicht erst nach Stunden von ihren Qualen befreit werden können“. Letzteres sei jetzt schon möglich, hieß es in der Debatte. Die verbliebenen drei Forderungen an den Landtag konnten dann auch die Grünen im Umweltausschuss teilen.

So solle der Landtag „Herdenschutzmaßnahmen zum Schutz gegen Wolfsrisse praxistauglich“ weiterentwickeln sowie Förder­obergrenzen aufheben. Hintergrund ist, dass manch Nutztierhalter sich trotz Förderung Elektrozäune finanziell kaum leisten kann. Zudem soll der Landtag dafür sorgen, dass „das Land weiterhin für vom Wolf verursachte Schäden aufkommt“, also nicht nur für gerissene Nutztiere. Noch wichtiger: Die Beweislast bei Nutztierrissen soll zugunsten der Halter umgekehrt werden.

Schließlich soll ein „Bestandsmanagement für Wölfe“ eingerichtet werden, wo Schutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen. Demnach müssten auch Wölfe getötet werden können, „wo sich Wölfe vermehrt menschlichen Siedlungen nähern und/oder sich artuntypisch verhalten“. Im nächsten Schritt wird der Kreistag über die Resolution zu befinden haben.

Von Dennis Thomas