Freitag , 18. September 2020
Daniel Roemer, Lukas Müller und Inka Rienecker gehören zu den ehrenamtlichen Lüneburger Feuerwehrleuten, die im Ernstfall ausrücken. Sie könnten künftig durch mehr hauptamtliche Kräfte unterstützt werden. Denn die Belastungen für die Helfer steigen. Foto: lz/t&w

Feuerwehr Lüneburg: Mehr Sicherheit kostet Geld

Lüneburg. Die Feuerwehr könnte zu spät kommen: Wenn es in bestimmten Bereichen der Stadt wie etwa am Ebensberg und Kaltenmoor brennt, ist es kritisch, dass die Helfer es binnen 13 Minuten nach Brandausbruch schaffen, für einen sogenannten Erstangriff vor Ort zu sein. Dann verbleiben ihnen weitere vier Minuten, um die Lage zu sichten und möglichen Opfern in Lebensgefahr beizustehen.

Nun will die Stadt reagieren: Mitte vergangenen Jahres hat Oberbürgermeister Ulrich Mädge eine Arbeitsgruppe einrichten lassen, die sich mit einem Feuerwehrkonzept 2025 beschäftigt. Im Feuerwehrausschuss stellte Dezernent Markus Moßmann jetzt erste Ergebnisse vor.

Feuerwehrkonzept 2025 soll Entwicklung festschreiben

In der Gruppe sitzen neben dem Stadtbrandmeister weitere Feuerwehrleute, darunter auch Tobias Glor, Berufsfeuerwehrmann in Hamburg, und Vertreter der Verwaltung. Sie orientieren sich bei ihren Ansätzen unter anderem an einem Papier des Deutschen Städtetages mit dem Titel „Qualitätskriterien für die Bedarfsplanungen von Feuerwehren in Städten“. Lüneburg unterhält eine freiwillige Feuerwehr. Die rund 240 Mitglieder rücken im Jahr durchschnittlich zu 600 bis 700 Einsätzen aus.

Nun nimmt die Arbeitsgruppe mehrere Punkte ins Visier, aber eine Handlungsempfehlung gibt sie noch nicht ab, dafür sei es zu früh. Klar ist laut Moßmann allerdings eins: „Es kostet Geld.“ Im Kern geht es darum, eine hauptamtliche Wachbereitschaft einzurichten sowie eine dritte Feuerwache im Osten der Stadt zu bauen.

„Mit Gebäuden allein ist es nicht getan.“
Markus Moßmann, Dezernent

Vor fast sieben Jahren wurde in der Feuerwehr schon einmal diskutiert, ob die Stadt nicht handeln müsse. Die Stichworte haben sich nicht geändert: wachsene Einwohnerzahlen, immer mehr Gewerbebetriebe, mehr Verkehr durch die geplante Autobahn A 39 sowie das Problem, dass mancher Chef seine Mitarbeiter nur ungern aus dem Büro oder der Werkshalle ziehen lässt. Auch damals ging es um eine Berufsfeuerwehr oder eine hauptamtliche Wachbereitschaft. Stadtspitze und auch Teile der Feuerwehr lehnten das entschieden ab. Vergangene Zeiten. Auf den Hintergrund hatte die CDU namentlich Chris Gerlach – heute ist er Vorsitzender des Feuerwehrausschusses – im vergangenen Jahr im Kommunalwahlkampf aufmerksam gemacht.

Die Stadt hat in der Vergangenheit reagiert. Ein Dutzend Gerätewarte, wobei aktuell Stellen vakant sind, kümmert sich nicht nur um Material, Fahrzeuge und Hydranten, sondern rückt tagsüber als erste Gruppe aus. Zudem arbeiten Feuerwehr und die städtische Servicegesellschaft AGL zusammen. Die unterhält eine Werkstatt neben der Wache im Lünepark: Die Mitarbeiter haben Feuerwehrerfahrung und fahren auch mit in den Einsatz.

Hier könnte ein Kern einer hauptberuflichen Wachbereitschaft liegen, die über den Tag einsatzfähig ist. Moßmann sagte, die Kollegen könnten mit Kursen weitergebildet werden. Zudem soll die Zahl aufgestockt werden, im Haushalt 2018 sind zwei weitere Stellen eingeplant.
Neben der Wache waren vor zehn Jahren 17 Wohnungen gebaut worden. Dort leben Feuerwehrleute mit ihren Familien zu einer günstigen Miete. Dafür sind sie oft nachts gefordert, um bei Feuern und Unfällen zu helfen.

Nötig könnte eine dritte Wache sein neben Lünepark und Rettmer, wo die Brandbekämpfer aus Oedeme, Häcklingen und Rettmer zusammengefasst sind. Ein neuer Standort dürfte im Osten liegen. Gut Willerding oder neben dem Johanneum wären denkbare Standorte, sagte Moßmann. Von dort wären die Helfer schnell auf der Ostumgehung, in den Gewerbegebieten, auch Kaltenmoor und der Ebensberg könnten zügiger erreicht werden. Denn wenn es durch die Stadt geht, müssen sich die roten Autos oft mühsam durch dicken Verkehr quälen. Eine Frage sei, ob auch dort Wohnungen entstehen sollen.

„Mit Gebäuden allein ist es nicht getan“, sagte Moßmann. Auch der Fuhrpark muss entsprechend angepasst werden, um eben auf verschiedene Lagen reagieren zu können.
Wichtig war Verwaltung und Feuerwehrführung, dass alles nur mit Unterstützung der Freiwilligen funktioniere. Eine Wachbereitschaft könne deren Engagement nicht ersetzen. Selbst in Städten wie Hamburg gebe es neben der Berufsfeuerwehr eben auch das Ehrenamt.

Der Feuerwehrausschuss tagt erneut am Freitag, 10. November, 16 Uhr, im Feuerwehrhaus an der Lise-Meitner-Straße. Dann geht es unter anderem um die Einrichtung einer feuerwerksfreien Zone, um Innenstadt und das Naturschutzgebiet Kalkberg besser vor möglichen Feuern und Lärm zu schützen.

Von Carlo Eggeling