Donnerstag , 24. September 2020
Der ausgestopfte Kurti ist das Prunkstück der Ausstellung, die am Abend von (v.l.) von Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder, Landrat Manfred Nahrstedt und Wolfsbüro-Leiterin Verena Harms im Museum Lüneburg eröffnet wurde. Foto: lz/be

Museum thematisiert Rückkehr des Wolfs

Lüneburg. Das Museum Lüneburg hat einen neuen Star: „Kurti“. Es ist das Tierpräparat des Wolfes mit der wissenschaftlichen Bezeichnung MT6, die für den sechsten in der Bundesrepublik besenderten männlichen Wolf steht. Kurti war der erste Wolf, der legal erschossen wurde – am 27. April 2017 südlich von Lüneburg. Er gehört zur Wanderausstellung „Der Wolf – Ein Wildtier kehrt zurück“ des Landesmuseums Hannover, die gestern Abend im Museum Lüneburg eröffnet wurde. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz statt.

Für die einen ist er Freund, für die anderen Feind. Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder ging in ihrer Begrüßung auf „die stark polarisierende und emotional geführte Diskussion“ um den Wolf ein wie auch auf dessen Beziehung zum Menschen: „Vor 20 000 Jahren waren Mensch und Wolf mehr Verbündete als Feinde, erst mit Sesshaftwerdung des Menschen wurden sie Rivalen.“ Im Mittelalter begann die erste Ausrottung der Tiere. Nach mehr als 100 Jahren ist er nun nach Deutschland zurückgekehrt. Düselder machte klar: „Die didaktisch hervorragend aufgearbeitete Ausstellung will ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der Wolf zur Natur und zu unserer Kultur gehört.“

Landrat Manfred Nahrstedt erinnerte daran, dass der Wolf „auf leisen Pfoten den Weg zurück über die Elbe geschafft hat“, 2007 wurden die ersten Wölfe im Amt Neuhaus gesichtet. „Wir müssen den Umgang mit dem Wolf wieder lernen“, sagte er und wies auf den Schutz des Wolfes hin: „Das EU-Recht ist höher als das Jagdgesetz.“ Er wisse aber auch um die Probleme etwa von Schafzüchtern und forderte eine schnellere finanzielle Abwicklung nach Tierrissen. Und er machte klar: „Das Wolfsbüro gehört in unsere Region und nicht in die Landeshauptstadt.“ Gespräche mit der Landesregierung über eine Lüneburger Außenstelle würden laufen.

Das Wolfsbüro wird geleitet von Verena Harms, die am Abend einen Einblick in das Leben der Wölfe gab, von denen es aktuell 14 Rudel und zwei Paare in Niedersachsen gebe: „Sie sind hoch anpassungsfähig, brauchen keine menschenleere Wildnis und nutzen auch dichter besiedelte Kulturlandschaften.“ Sie würden Menschen räumlich und als nachtaktive Tiere auch zeitlich „in der Regel“ aus dem Weg gehen: „Menschliche Strukturen wie Häuser und Autos machen ihnen aber keine Angst.“ Klar sagte sie: „Wölfe dürfen keine positiven Erfahrungen mit der Nähe von Menschen verbinden.“ Wichtigste Verhaltensregel ist das absolute Fütterungsverbot.

Die Kabinettausstellung zeigt auf Text- und Bildtafeln sowie in Videoclips, wie die Tiere leben, sich fortpflanzen und jagen. Durch Ratespiele und Hand-On-Stationen wird zudem der Unterschied zwischen Hund und Wolf sowie das richtige Verhalten bei Wolfskontakt spielerisch erklärt. Einzelne Exponate, wie ein Telemetrie-Halsband, eine Wildtierkamera sowie Wolfs- und Hundeschädel ergänzen die Ausstellungstexte. Im Museum Lüneburg ist die Schau noch bis zum 18. Februar 2018 zu sehen.

Von Rainer Schubert