Dienstag , 20. Oktober 2020
Eine Neuregelung der Eintrittspreise für das Adendorfer Freibad fordert Ratsherr Markus Graff von den Linken. Künftig soll es drei verschiedene Tarife geben. Foto: lz/be

Was ist ein Besuch im Freibad wert?

Adendorf. „Pay what you want“. Übersetzt: „Zahle, was du willst“. Vor allem Restaurants, aber auch Theater waren es, die in den USA vor mehr als zehn Jahren die se spezielle Art des Bezahlens für eine Leistung einführten, die mittlerweile auch in Deutschland einige Anhänger gefunden hat. Das Prinzip dabei: Jeder zahlt nach Gefallen und auch nach seinen finanziellen Möglichkeiten. Markus Graff, Ratsmitglied der Linken in Adendorf, will ein ähnliches System, er nennt es „solidarische Eintrittspreise“, nun im kommenden Jahr auch für das Freibad am Scharnebecker Weg.

Graff hat in dieser Woche einen Antrag an den zuständigen Fachausschuss für Kultur, Sport, Freizeit und Tourismus gestellt, in dem er anregt, das neue Eintrittspreismodell „versuchsweise in der nächsten Saison“ einzuführen.

Der Ratsherr der Linken weiter: „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Diese bedauernswerte Entwicklung muss auch in öffentlichen Einrichtungen berücksichtigt werden.“ Und weiter. „Die Besucher dürfen selbst entscheiden, welchen Tarif sie zahlen wollen, was ihnen also der Besuch des Schwimmbades wert ist. Sie erhalten die Möglichkeit, einen solidarischen Beitrag für die Besucher zu leisten, die sich sonst vielleicht den Besuch nicht leisten könnten.“
Der Normaltarif, den ein Erwachsener nach der augenblicklichen Gebührensatzung zahlt, beträgt 3,20 Euro. Nach Markus Graffs Vorstellungen soll es künftig drei Tarife geben: einen Standardtarif von 3,20 Euro, einen ermäßigten, der bei 2,80 Euro liegen könnte, und einen „politischen“ Tarif, etwa von 3,80 Euro. Graf: „Die Forderung nach einem solidarischen Eintrittspreis bezieht sich natürlich auch auf die Zehner- und Saisonkarten.“

Ihm sei klar, dass es bereits jetzt einen ermäßigten Tarif für Sozialhilfebedürftige gebe, der etwa bei der Einzelkarte für einen Erwachsenen bei 2,20 Euro liege. „Aber es gibt auch viele Menschen, die knapp über den Sozialhilfesätzen liegen und den vollen Preis zahlen müssen.“
„Ich bin sicher, dass Menschen, die genug Geld haben, auch bereit sind, mehr zu zahlen. Natürlich auf freiwilliger Basis“, sagt Markus Graff. Durch Zahlung des „politischen Preises“ könnten sie zeigen, dass ihnen das Freibad vor Ort wichtig ist. Der Ratsherr könne sich sogar vorstellen, dass sich der Zuschussbedarf für das Adendorfer Freibad, zurzeit sind das rund 200 000 Euro jährlich, nicht weiter erhöht.

Bürgermeister Thomas Maack (SPD) kannte den Antrag von Ratsherr Markus Graff gestern Nachmittag noch nicht: „Ich werde mich auch nicht dazu äußern, solange der Antrag mir nicht im Einzelnen bekannt ist.“

Auch Gunther von Mirbach, Vorsitzender der Gruppe CDU/FDP im Gemeinderat, wollte sich zum Graff-Antrag nicht äußern. Jürgen Schreiber, Chef der Gruppe SPD/Grüne, verwies darauf, dass die Gebührenordnung für das Freibad Adendorf erst zur Saison 2017, nach ausführlichen und fundierten Berechnungen von Controller Marco Brede angepasst worden sei. „Ich sehe keine Notwendigkeit, das schon wieder zu ändern.“

Markus Graff bleibt bei seinem Antrag: „Ich finde, man sollte es einfach mal ausprobieren. Wenn es nicht funktioniert, kann man die Regelung ja im folgenden Jahr wieder rückgängig machen.“

Von Ingo Petersen