Miriam Staudte in ihrer Wohnung in Echem. Der Ort, an dem sie abschaltet vom Politik-Alltag. Foto: lz/t&w

Kandidaten zur Landtagswahl/Wahlkreis Elbe: Miriam Staudte (Grüne)

Echem. Miriam Staudte sitzt am Küchentisch, der Blick geht ins Grüne. Vor einigen Jahren ist die Politikerin in das alte Bauernhaus nach Echem gezogen, Küche und Wohnbereich sind großzügig und offen, hinter einer bodentiefen Fensterfront liegt ein verwunschener Garten. Es gibt nicht viel, was in der Wohnung an Politik erinnert: ein kleines gelbes Castor-X an der Küchenwand, ein gelber Anti-Atom-Regenschirm im Flur, ein einziger einsamer Flyer der Landtagskandidatin, viel mehr nicht.

Zu Hause, da ist der Blick ins Grüne für Miriam Staudte vor allem privat, die Zeit reserviert für ihre beiden Söhne (14 und 16 Jahre alt), Freunde, das persönliche Glück. „Wenn ich hier bin, schalte ich ab“, sagt sie. Eine der Lektionen, die die Grünen-Politikerin in den vergangenen fast zehn Jahren im Landtag gelernt hat.

„Das ist mein Traumberuf“

Miriam Staudte ist mit 41 Jahren ein Profi im Polit-Geschäft, eine der Abgeordneten, die über ihre Arbeit im Landtag sagt: „Das ist mein Traumberuf“. In Geesthacht ist sie mit grünen Themen aufgewachsen, ihr Vater engagierte sich im Naturschutzbund, nur ein paar Kilometer entfernt liegt das Kernkraftwerk Krümmel. Schon mit 17 wurde sie Mitglied bei den Grünen, gründete die Grün-Alternative Jugend Geesthacht, als Studentin in Lüneburg engagierte sie sich im Kreisvorstand der Grünen, mit 25 kandidierte sie für den Kreistag und mit 32 für den Landtag – stets mit Erfolg. Nun tritt sie als Kandidatin im Wahlkreis Elbe ein drittes Mal zur Wahl an und wird – wenn die Grünen am 15. Oktober keinen Total-Absturz erleiden – mit Listenplatz sieben erneut in den Landtag einziehen.

Was sie antreibt? Die Antwort klingt kitschig, Miriam Staudte benutzt sie dennoch: „Ich will die Welt ein bisschen besser machen.“ Etwas bewegen, Dinge zum Besseren wenden, einstehen für die eigenen Überzeugungen – „das ist etwas Wunderbares“, sagt sie. Hinzu kommt die Vielseitigkeit: „Als Abgeordnete arbeitet man sich in viele unterschiedliche Themen ein, spricht mit Experten und den Menschen vor Ort, kommt so viel rum im Land, das macht mir einfach unheimlich viel Spaß.“ Dass sie dafür oft sechs Tage in der Woche arbeitet, nicht selten mehr als zwölf Stunden am Tag unterwegs ist, nimmt die studierte Sozialarbeiterin in Kauf. „Das gehört dazu“, sagt sie, „doch man muss auch lernen, abzuschalten, denn Politik kann man auch rund um die Uhr machen.“

Harte politischen Debatten gehören dazu

Manchmal kann Politik außerdem hart sein, der Angriff des politischen Gegners persönlich, das Publikum bei einer öffentlichen Diskussion beleidigend werden. Miriam Staudte hat auch damit umzugehen gelernt, sich mit den Jahren ein „dickeres Fell wachsen“ lassen. „Früher war es für mich ganz furchtbar, wenn ich zum Beispiel in den Medien nicht ganz richtig zitiert wurde, ausgerechnet der Teil des Satzes weggelassen wurde, der mir besonders wichtig war“, sagt sie. Heute sieht die 41-Jährige auch das gelassener. „Und klar gehören harte politische Debatten dazu“, sagt sie, „aber nicht selten trifft man sich danach im Flur und fragt, was die Kinder denn so machen.“

Gelingt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen wie erwartet der erneute Einzug in den Landtag, will sie die Arbeit fortsetzen, die sie in der jüngsten Legislaturperiode im Umwelt-, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzausschuss begonnen hat. Noch ist offen, ob sie das in der Regierungs- oder der Oppositionsfraktion tun wird. Erfahrung hat Miriam Staudte bereits auf beiden Seiten gesammelt. off

Drei Ziele für den Landtag: Breitband, Hochwasserschutz, Atommüll

Der Breitbandausbau ist das wichtigste Infrastrukturprojekt für den ländlichen Raum, nicht etwa Autobahnprojekte wie die A39. Beim Ausbau des Internets mit Glasfaser bis an jedes Haus wollen wir die Kommunen stärker unterstützen.

Hochwasserschutz: Nach der Flut 2013 wurde der Rahmenplan Elbe erarbeitet. Für die Akzeptanz von Projekten wie Deichrückverlegungen braucht es einen gut organisierten, gesellschaftlichen Austausch. Den möchte ich vorantreiben.

Schärfste Sicherheitsvorkehrungen bei Atommüll: Gorleben ist allein durch die Müllumverpackungsanlage privilegierter Standort bei der Endlagersuche. Die Benachteiligungen müssen abgebaut werden. Mit der Castor-Halle und dem Fasslager in Gorleben hat diese Region zwei akute atomare Altlasten. Die Zwischenlager-Konzeption muss in Anbetracht der langen Zeiträume für die Endlagersuche überarbeitet werden.