Sonntag , 27. September 2020
Anwohner Roland Peipe erklärt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (r.) und Dezernent Markus Moßmann (l.) welche Probleme für Radfahrer er durch die Verkehrsinseln und den Fahrstreifen sieht. Täglich rollen im Durchschnitt 6350 Fahrzeuge hier entlang. Foto: be

Ochtmisser Kirchsteig bleibt offen

Lüneburg. „Am besten rollt gar kein Verkehr mehr über den unteren Teil des Ochtmisser Kirchsteigs“ – die Forderung der Anwohner geht weit. Für Oberbürgermeister Ulrich Mädge zu weit. Er stellte am Freitag klar: Weder eine Sackgasse, noch eine Einbahnstraße oder eben das gänzliche Abriegeln des 450 Meter langen Abschnitts zwischen Herderschule und Kreisel werde es geben: „Das geht aus rechtlichen Gründen nicht.“ Überdies rechnet er mit Klagen von Anwohnern der Straßen, über die Autofahrer ausweichen würden.

Vor einem Jahr war die Verwaltungsspitze schon einmal an die von Senkungen gebeutelte Straße gekommen. Damals hatte man Anregungen von Nachbarn aufgenommen, um den Verkehr zu bremsen: vier weitere Verkehrsinseln, ein markierter Radlerstreifen und ein anderer Asphalt gehörten dazu. Die Bilanz fiel durchwachsen aus.

Einige Kritikpunkte: Die Straße bilde wieder Wellen, die Inseln seien zu kurz und zu instabil, zudem wichen manche über Bürgersteig und Parkstreifen aus, der Asphalt löse sich und sei in Verbindung mit millimeterhohen Markierungen zu laut. Mancher fahre auch zu schnell.

Senkungsprozess „dynamischer als an der Frommestraße“

Die Stadt will Abhilfe schaffen. Bei den Inseln zügig, beim Asphalt werde es zwei, drei Jahre dauern, bis er erneuert werden muss. Dann sollen auch die Radstreifen einfach nur mit Farbe aufgebracht werden.

Der Geologe Thorsten Trapp, der die Senkungen seit Jahren beobachtet, sagt, dass die Erde sich im Zentrum der Abwärtsbewegung langsamer senkt, weniger als 30 Zentimeter pro Jahr statt wie zuvor 50. Gleichwohl ist der Prozess gewaltig: „Dynamischer als an der Frommestraße.“ Eine Ende sei nicht in Sicht. Zur Relation: An einem Messpunkt auf dem Michaelisfriedhof hat der Boden seit 2004 um 1,90 Meter nachgegeben.

Der Ex-Grünen-Politiker und Anwohner Andreas Meihsies hält das Vorgehen der Stadt für nicht ausreichend, zumal weitere Baugebiete in Wienebüttel, Vögelsen und Mechtersen entstehen und wohl mehr Verkehr mit sich bringen: „Die Verwaltung hilft uns nicht, jetzt sind die Parteien im Rat gefordert.“

Von Carlo Eggeling