Freitag , 25. September 2020
Dieses Bild von Heiko Senking und dem AfD-Wahlplakat wurde zu einem viralen Hit auf Facebook. (Foto: nh)

Nach dem Facebook-Hype: Senking hängt AfD-Wahlplakat wieder auf

Ebstorf. Das umstrittene Wahlplakat hängt wieder — etwa 15 Meter von seinem Ursprungsort entfernt hat Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking die Werbung für die AfD an einen Laternenmast befestigt. „Ich hatte von vornherein gesagt, dass ich es wieder aufhänge“, erklärt der Ebstorfer gegenüber der LZ. Das hätte auch nichts mit dem Druck durch die Öffentlichkeit zu tun gehabt.

Hintergrund: In der vergangenen Woche nahm Senking, der außerdem noch 1. Vorsitzender des TuS Ebstorf ist, ein Wahlplakat der AfD vor dem Geschäftshaus des Vereins ab. Von der Aktion machte er ein Foto, stellte es mit einer Stellungnahme zu seinem Verhalten bei Facebook ein (LZ berichtete). Was darauf folgte, hatte er „so nicht erwartet“: Hunderttausendfach wurde das Plakat im Internet geteilt, „geliked“ und kommentiert. Sowohl im Netz als auch in Fernsehen, Radio und Zeitungen wurde über seine Aktion berichtet. Diese fand viele Fürsprecher, stieß aber auch auf Kritik — einige warfen ihm antidemokratisches Verhalten vor, andere beleidigten ihn gar aufs Übelste.

Wahlplakate widersprechen Vereinssatzung

Ob er wieder so handeln würde? Als 1. Vorsitzender des TuS Ebstorf müsste er das Plakat gemäß Vereinssatzung wieder abnehmen, erklärt er. „Ich habe in dem Moment auch als Sportvereins-Vorsitzender gehandelt, nicht als Bürgermeister.“ Allerdings würde er die Sache jetzt anders darstellen. Denn die Satzung verbiete Wahlwerbung vor der eigenen Tür in jedem Fall — „jedes Wahlplakat wäre weggekommen“ — auch die anderer Parteien. In seinem auf Facebook verfassten Statement klang das noch anders: Darin sprach er von einer „gezielten Provokation“ der AfD, die er jetzt abgestellt habe.

Dass er illegal gehandelt habe, war dem Mitarbeiter der Lüneburger Staatsanwaltschaft klar — er hatte sich direkt nach der Aktion selbst angezeigt. Daher sei angeregt worden, eine andere Staatsanwaltschaft mit dem Fall zu beauftragen, erklärt Sprecherin Angelika Klee. Ermittelt werde wegen Sachbeschädigung.

Einige Kritiker werfen dem parteilosen Senking vor, durch sein Handeln der AfD mediale Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Das würde er  jedoch nicht so unterschreiben. Vielmehr hoffe er, dass die Aktion Leute aus verschiedenen politischen Lagern „aufgescheucht“ habe, und die Diskussion um sein Handeln für die Wahlbeteiligung förderlich sei.

Auch habe er vielen Kritikern per Mail oder auf Facebook geantwortet, berichtet Senking. Und dabei gute Erfahrungen gesammelt: „Auch wenn wir am Ende nicht der gleichen Meinung waren, so verblieben wir doch mit freundlichen Grüßen.“ row

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/37165-wahlplakat-afd