Freitag , 18. September 2020
Dieses Bild von Heiko Senking und dem AfD-Wahlplakat wurde zu einem viralen Hit auf Facebook. (Foto: nh)

Mit einem abgehängten Wahlplakat zum Facebook-Hit

Ebstorf. Heiko Senking aus Ebstorf hängt ein Wahlplakat der AfD ab — und mehr als Hunderttausend Facebook-Nutzern gefällt das. Denn der Bürgermeister und Vorsitzende des TuS Ebstorf hat von  seiner Aktion ein Foto gemacht, dazu einen offenen Brief an die „hiesige AfD“ angehängt und in dem sozialen Netzwerk hochgeladen. Er wolle das Plakat mit der Aufschrift „Neue Deutsche? Machen wir selber!“ nicht vor der Vereinstür haben.

„Der TuS Ebstorf besteht wie alle Sportvereine Deutschlands zu einem großen Teil aus Menschen mit Migrationshintergrund, verschiedener Religionen, sind schwul oder lesbisch und was auch sonst immer“, schreibt er in seinen Facebook-Beitrag. Für ihn als Vorsitzender sei es unerträglich, dass seine Mitglieder — „in jeglicher Hinsicht kunterbunt gemischt“ — an diesem Schild vorbei in die Geschäftsstelle laufen müssten. „Meiner Meinung ist das eine gezielte Provokation, die ich nun abgestellt habe.“

„An die hiesige AfD.

Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich persönlich das anliegende Schild vor den Toren der Geschä…

Posted by Heiko Senking on Donnerstag, 7. September 2017

Neben Facebook-Reaktionen auch Presseanfragen

Mit dieser Aktion zog Senking die Aufmerksamkeit der Facebook-User auf sich, fand größtenteils  Zuspruch. „Vielen Dank und Hut ab!“, heißt es dort, „Tolle Aktion!“. Andere üben Kritik: „Als demokratisch gewählter Bürgermeister hat der aber ein komisches Verständnis von Demokratie!“, sagt einer, wieder andere User beleidigen ihn gar.

Doch auch zahlreiche Presseanfragen laufen seit Freitagmorgen bei Senking telefonisch auf, auch Radio- und Fernsehsender bitten ihn um Interviews. „Das hätte ich so nicht erwartet“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister des Klosterfleckens auf LZ-Nachfrage. „Es scheint bei dem Thema einen hohen Gesprächsbedarf zu geben.“ Dabei betont er: „Es ging ja nicht darum, eine bestimmte Partei zu diskriminieren. Sondern ich fand das Schild an der Stelle nicht richtig.“ Nach dem Abhängen des Wahlplakats hat er sich selber bei seinem Arbeitgeber angezeigt: Senking ist beruflich als Geschäftsstellenbeamter bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg tätig. Dort wird nun geprüft, ob eine Sachbeschädigung vorliegt, heißt es.

Trotzdem — in ganz Deutschland fand das abgehängte Plakat Beachtung. Und weggeschmissen habe er es nicht: „Das Schild ist unversehrt“ schreibt Senking, die Partei könne ihm mitteilen, wo es stattdessen aufgehängt werden soll. lz

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