Donnerstag , 29. Oktober 2020
Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert, Präsident Olaf Kahle, Präsident Braunschweig Helmut Streiff, Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Meier. Foto: t&w

IHK Lüneburg Braunschweig: Konföderation statt Fusion

Lüneburg. Die Diskussion über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Industrie- und Handelskammern Lüneburg-Wolfsburg und Braunschweig wird um eine Variante erweitert: Statt von Fusion sprechen der Lüneburger IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert und Lüneburgs IHK-Präsident Olaf Kahle jetzt von einer „Konföderation“ mit den Braunschweiger Kollegen. Ein entsprechendes Schreiben an die Mitglieder der IHK-Vollversammlung liegt der LZ vor.

Darin wird auch der Begriff „Konföderation“ – eher bekannt aus dem amerikanischen Bürgerkrieg – erläutert: Demnach bezieht sich der Begriff „auf einen vertraglichen Zusammenschluss selbstständiger Organisationen, die nach außen hin gemeinsam auftreten, ihre Souveränität und Hauptsitze aber beibehalten“. Für diese Form der Zusammenarbeit habe sich eine Dreiviertelmehrheit in der Arbeitsgruppe „IHK-Kooperation“ ausgesprochen, die Fusion mit Braunschweig dagegen werde abgelehnt.

Das letzte Wort haben die Mitglieder der IHK-Vollversammlung, die am Donnerstag, 7. September, tagen. Die IHK-Vollversammlung gilt als gewähltes Parlament der regionalen Wirtschaft. Sie setzt sich aus Branchen-Vertretern aller Regionen zusammen. Schließen auch sie sich dem Konföderations-Gedanken an, sollen die Verhandlungen mit der IHK Braunschweig im Oktober beginnen.

Das deutlich flexiblere Organisationsmodell

Schon lange tragen sich die Präsidien beider Kammern mit dem Gedanken einer engen Zusammenarbeit. Selbst eine Fusion wurde als Option ins Auge gefasst, aber seinerzeit von den Lüneburger Verwaltungschefs, Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge (beide SPD), auf das Schärfste kritisiert (LZ berichtete).

Nun also die Konföderation: Für Zeinert und Kahle das deutlich flexiblere Organisationsmodell. Denn während bei einer Fusion die Zusammenführung aller Bereiche praktisch auf einen Schlag erfolge, laufe dies bei der avisierten „Konföderation schrittweise ab“, heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder der Vollversammlung. Und weiter: „Bei guten Erfahrungen kann die Integration forciert werden. Im Falle unguter Entwicklungen kann die weitere Integration gestoppt oder auch wieder zurückgedreht werden.“

Möglichkeiten für eine Konföderation mit der Braunschweiger IHK sehen die Lüneburger auf etlichen Ebenen. Entsprechende Ideen (noch nicht abgestimmt mit der IHK Braunschweig) werden bereits formuliert. Beispielsweise der Aufbau übergreifender Kompetenzen für die Infrastruktur- und Innovationsförderung, für Tourismus, erneuerbare Energien, Handel und Stadtentwicklung, für Unternehmensförderung, aber auch für die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelten.

IHK Lahn-Dill als Musterbeispiel

Die gemeinsame Personal- und Investitionsplanung steht bei der Konföderation ebenso auf der Agenda wie die Zusammenführung von Abteilungen, ein gemeinsames IHK-Magazin, ein gemeinsamer Internetauftritt oder auch gemeinsame Veranstaltungen.

Als Vorbild für diese Form der Zusammenarbeit dient den Lüneburgern die IHK Lahn-Dill, die sich aus den Industrie- und Handelskammern Dillenburg und Wetzlar zusammensetzt. Seit 1998 teilen sich beide Kammern einen gemeinsamen Hauptgeschäftsführer – ein Modell auch für Lüneburg? Dazu will sich die Pressestelle der IHK Lüneburg-Wolfsburg zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Nur so viel: „Richtig ist, dass eine Arbeitsgruppe Kooperation den ergebnisoffenen Auftrag hatte, Positionen und Anforderungen der IHK Lüneburg-Wolfsburg für die vertiefte Kooperation mit Nachbar-IHKs zu erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die zukünftige und langfristige Ausrichtung unserer IHK. Die Arbeitsgruppe hat sich auf die Zuammenarbeit mit der IHK Braunschweig konzentriert. Das Ergebnis der Beratungen werden wir der IHK-Vollversammlung am 7. September vorstellen“, sagt IHK-Sprecherin Sandra Bengsch.

Von Klaus Reschke