Sonntag , 20. September 2020
Direkt an der Bundesstraße 209, in der Nähe des neuen Feuerwehrgerätehauses, soll nach dem Willen der Artlenburger ein Supermarkt entstehen. Doch der Kreis hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Foto: be

Kreis lehnt Discounter in Artlenburg ab

Artlenburg. Der Schock sitzt tief beim Bürgermeister der Gemeinde Artlenburg, Rolf Twesten: Der Landkreis Lüneburg lehnt den Neubau eines Norma-Supermarktes in der beantragten Größe ab und erklärt den eigens dafür aufgestellten Bebauungsplan der Gemeinde als „unwirksam“. Laut Kreisrätin Sigrid Vossers hat der Landkreis der Gemeinde ein Gespräch angeboten, bei dem alle Akteure zusammenkommen. „So könnten wir gemeinsam beraten, ob und wie sich eine gute Nahversorgung für Artlenburg verwirklichen ließe“. Viel Hoffnung setzt Twesten allerdings nicht in das Treffen: „Norma hat bereits deutlich gemacht, dass man auf keinen Fall noch kleiner bauen wird. Und auch andere Supermarkt-Ketten lassen sich auf so kleine Märkte nicht ein.“

Die Konsequenzen für die Gemeinde wären fatal: Denn Ende November schließt nach 23 Jahren der Dorfladen – und damit die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Ein Zurück gibt es für Betreiberin Carola Vertheim nicht, „alle Verträge sind gekündigt, einfach so weitermachen, das geht nicht“. Die 54-Jährige selbst bedauert die Situation. „Aber man hat mir kaum eine andere Wahl gelassen“, sagt sie.

Dorfladen wird schließen

Zwar hat es auch Unterstützer, sogar eine Unterschriftenaktion für den Erhalt ihres Ladens gegeben. „Doch seit die Pläne für den Bau eines Discounters am Ortsrand konkret wurden, hat man mir aus der Politik immer wieder und zum Teil in sehr bösen Worten gesagt, dass man mich nicht mehr braucht“, sagt Vertheim. Die Gemeinde hatte zudem angekündigt, ihr in Zukunft keine Mietvergünstigungen mehr für ihren Laden in der alten Sparkasse zuzugestehen. „Und ohne diese Kürzungen im Winter kann ich nicht überleben.“

Vertheim zog die Konsequenzen, kündigte die Verträge mit Lieferanten, Vertragspartnern und der Gemeinde als Vermieterin. „Gerne hätte ich mit der Gemeinde einen Plan B gemacht für den Fall, dass es nicht klappt mit dem Supermarkt-Neubau“, sagt sie, „doch dafür sah man offenbar keinen Bedarf.“

Bürgermeister Twesten indes sieht vor allem einen Schuldigen an dem Dilemma: den Landkreis. 50 000 Euro habe die Gemeinde bereits in Vorplanungen gesteckt, alle Hausaufgaben gemacht, die der Landkreis gefordert hatte. „Das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein“, klagt der Bürgermeister. Sobald er etwas Schriftliches vom Landkreis Lüneburg bekommen habe, werde er prüfen, wie es weitergeht. „Aber eins kann ich schon jetzt sagen: Wir werden alles tun, um das Projekt zu retten.“

B-Plan verstößt gegen Raumordnung

Warum der Landkreis den Supermarkt in letzer Konsequenz abgelehnt hat, erklärt Kreisrätin Sigrid Vossers: „Den beantragten Discounter in Artlenburg können wir so nicht genehmigen.“ Die Gemeinde Artlenburg habe dazu einen B-Plan aufgestellt. „Unsere Prüfung hat allerdings ergeben: Dieser B-Plan ist unwirksam, weil er gegen Ziele der Raumordnung verstößt, die als höherrangiges Recht zwingend zu beachten sind.“

Als Regionalplaner müsse der Kreis die Auswirkungen des Vorhabens für den Ort und die Region betrachten. „Und Artlenburg hat keinen Versorgungsauftrag für umliegende Gemeinden.“ Ein Supermarkt in Artlenburg dürfe daher nur eine Nahversorgungsfunktion übernehmen. „Das heißt, unter anderem muss mehr als die Hälfte der Kaufkraft von Kunden kommen, die den Supermarkt binnen zehn Minuten zu Fuß erreichen können“, erklärt Vossers, „außerdem müssen 90 Prozent der Verkaufsflächen nahversorgungsbezogene Sortimente anbieten, das sind Lebensmittel, Toilettenpapier usw.“ Anforderungen, die mit dem geplanten Supermarkt nicht zusammenpassen.

Von Anna Sprockhoff