Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die hiesigen Postboten hatten große Hoffnungen auf die Neubemessung ihrer Zustellbezirke gesetzt. Doch in Lüneburg soll sich nichts ändern, die Bezirke hätten sich nur marginal verändert, heißt es von der Post-Pressestelle. Foto: A/be

Keine Entlastung für Postboten

Lüneburg. Die Deutsche Post hat in der Vergangenheit jede Menge Kritik einstecken müssen: Viele Kunden hatten sich über die mangelhafte Zustel lung beschwert, zum Teil täglich bei der LZ angerufen. Und auch die eigenen Angestellten klagten über den zunehmenden Arbeitsdruck. So hatte eine Lüneburger Postbotin der LZ gegenüber von zu großen Bezirken und steigenden Sendungsmengen gesprochen. Wie berichtet, soll die Chef-Etage nach der zunehmenden Kritik in Lüneburg eine Verkleinerung der Zustellbezirke angekündigt haben. Die Neubemessungen wurden nun durchgeführt, doch Veränderungen in der Region bleiben aus.

Post: „Keine erheblichen Diskrepanzen“ in den Zustellbezirken

Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt sagt auf Nachfrage, dass die rund 60 Lüneburger Zustellbezirke überprüft worden seien, man aber „keine erheblichen Diskrepanzen“ habe feststellen können. Ein bis zwei Bezirke seien dazugekommen, das sei aber nichts Ungewöhnliches. „Schließlich schwankt die Sendungsmenge je nach Jahreszeit.“

Ob die Überprüfung tatsächlich als Reaktion auf die beklagten Probleme hier in der Region durchgeführt wurde, kommentiert er nicht. Die Bemessung der Bezirke sei reine Routine, so würden Brief-Zustellbezirke einmal jährlich überprüft, Bereiche, die mit Paketen beliefert werden, zweimal. „Das soll verhindern, dass die Arbeitsbelastung ins Uferlose steigt. So überprüfen wir, ob die anfallende Arbeit auch in der tarifvertraglichen Zeit zu schaffen ist.“

Dabei gibt es längst Anzeichen dafür, dass die Postboten den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden können. So sollen früher einmal 500 Haushalte die Maßgabe gewesen sein, heute müssten rund 900 beliefert werden. Der Online-Handel boomt, erst kürzlich hat die Deutsche Post bekannt gegeben, dass der Umsatz im Paket-Geschäft um 13,6 Prozent auf zwei Milliarden Euro gestiegen sei. Bedeutet: Immer mehr Kunden bestellen im Internet und lassen sich ihre Einkäufe bequem vor die Haustür liefern. Postboten fragen sich deshalb, warum eine Verkleinerung der Zustellbezirke nicht schon aus diesem Grund als notwendig angesehen wird.

Sendungsaufkommen laut Post stabil hoch

Hogardt bezeichnet das Sendungsaufkommen zurzeit als „stabil hoch“, in diesem Jahr sei zudem die Sommerpause, die normalerweise zur Ferienzeit eintritt, ausgeblieben. „Im vergangenen Jahr hatten wir eine Steigerung von etwa fünf Prozent zu verzeichnen.“ Der Sprecher versichert, dass dieser Anstieg auch in den Bemessungen berücksichtigt wurde. „Es handelt sich dabei um ein statistisch abgesichertes System. Der Computer wird von einem Menschen bedient, da schaut also jemand hin.“ Eingegeben würden beispielsweise Werte zum Arbeitszeitbedarf, zur Sendungsmenge und Angaben zur Topographie und Haushaltsdichte.

Angeregt wurde zuletzt auch eine Angleichung der festgelegten Zeitansätze. So hat ein Postbote für jede Tätigkeit, also für die Zustellung eines Briefs oder Pakets, eine bestimmte Zeitvorgabe. Diese unterscheidet sich beispielsweise auch bei einem Einfamilienhaus oder Hochhaus. Auf die Frage, ob die Ansätze möglicherweise veraltet sein könnten, sagt der Pressesprecher, dass sich Bemessungskriterien über die Jahre gesehen natürlich ändern könnten. „Das ist völlig normal.“ Man müsse aber auch sehen, dass sich die Arbeitsinhalte eines Postboten verändert hätten. So hätten früher vorbereitende Tätigkeiten dazu gehört, heute würden beispielsweise Sortierarbeiten von Maschinen übernommen.

Dass nun auch die umliegenden Dörfer und Gemeinden unter die Lupe genommen werden könnten, hält Hogardt für möglich. Gleichwohl ist auch dort nicht mit arbeitserleichternden Maßnahmen zu rechnen.

Von Anna Paarmann