Spektakuläre Architektur, aber auch spektakulär teuer wird der Libeskind-Bau am Ende. Foto: A/t&w

Libeskind-Bau: In der Finanzierung klafft ein Loch

Lüneburg. Noch immer sind Arbeiter in orangefarbenen Westen auf dem Campus unterwegs, noch immer sieht das Außengelände des Libeskind-Baus nach Baustelle aus. Auch im Gebäude sind die Bauarbeiter noch unterwegs. Wie teuer das Projekt letztendlich wird, ist noch immer unklar. Denn die Endabrechnung steht noch aus. Und solange die Arbeiten im und am Gebäude noch laufen, ist auch nicht mit einer endgültigen Kostenaufstellung zu rechnen. Dass es teurer als 100 Millionen Euro werden dürfte, ist längst klar. Das hatte die Leuphana bereits im Dezember verkündet (LZ berichtete). Jetzt ist jedoch auch das Nutzungskonzept des Gebäudes in die Kritik geraten.

300 000 Euro Mieteinnahmen jährlich

Lutz Bardelle, Senatsmitglied beim Landesrechnungshof, bezeichnete zuletzt die Zahlen und Erwartungen der Universität, durch Veranstaltungen Mieteinnahmen zu generieren, als nicht realistisch. Wie berichtet, muss die Leuphana jährlich mindestens 300 000 Euro an Mieteinnahmen generieren, indem sie Flächen im Zentralgebäude an Externe vermietet. Der LZ liegt eine gutachterliche Bewertung vor, danach soll man schon im vergangenen Jahr mit Einnahmen gerechnet haben. Auch müssten die Flächen bis 2025 insgesamt 3 Millionen Euro einspielen.

Der Druck ist da: Schließlich muss die Leuphana, was die externen Veranstaltungen betrifft, kostendeckend arbeiten. Dabei handelt es sich um eine Vorgabe des Landesrechnungshofs. Davon scheint man zurzeit jedoch noch weit entfernt zu sein, die zuständige Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft konnte bislang lediglich eine Handvoll Veranstaltungen ausrichten. Die Sorge, dass durch diese fehlenden Einnahmen das Finanzkonzept ins Wanken geraten könnte, hatte auch Rechnungsprüfer Bardelle geäußert.

Wer stopft das Loch?

Unklar ist bislang auch, wer das Loch in der Finanzierung stopft. Nach aktuellem Stand ist lediglich eine Summe von 88,5 Millionen gesichert (siehe Info-Box), ausgehend von einer Endabrechnung in Höhe von 100 Millionen oder mehr, dürften mindestens 11,5 Millionen offen sein. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, kurz MWK, kündigt auf LZ-Nachfrage eine „erneute Ausschussbefassung“ an. Pressesprecherin Dr. Margit Kautenburger sagt: „In diesem Zusammenhang ist es Aufgabe der Universität, einen Finanzierungsvorschlag zu unterbreiten.“

Die Leuphana möchte sich derzeit zu den Kosten nicht äußern, verweist auf die Endabrechnung, die im Herbst vorliegen soll. „Da der Abrechnungsprozess andauert und deshalb fast täglich Änderungen eintreten, machen wir zum jetzigen Zeitpunkt dazu keine Angaben.“ Man habe bereits angekündigt, dass man davon ausgehe, dass die Endsumme „oberhalb von 100 Millionen“ Euro liegen könnte: „Um wie viel genau diese Marke überstiegen wird, wird die Endabrechnung zeigen.“

Zum Fortschritt der Bauarbeiten sagt Zühlsdorff, dass die einzelnen Gewerke zurzeit Nachbesserungen durchführen würden, außerdem die Begrünung der Dachflächen bevorstehe. Auch die Gestaltung der Außenflächen sei „in vollem Gange“. Bis Ende September sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. ap

In Zahlen: Finanzierung

  • Land Niedersachsen: 36 Millionen Euro
  • Bisheriger Eigenanteil Leuphana: 27 Millionen
  • Europäische Union: 14 Millionen
  • Stadt Lüneburg: 5 Millionen
  • Bund/Wirtschaft: 3,4 Millionen
  • Landkreis Lüneburg: 2 Millionen
  • Klosterkammer, Kirchen: rund 600 000 Euro
  • Rhein-Zink-Sponsoring: 500 000 Euro