Mittwoch , 28. Oktober 2020
Olaf Lies (M.) wird auf dem Wasserturm flankiert von IHK-Präsident Olaf Kahle (r.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Foto: be

Minister sieht Politik in der Pflicht

Lüneburg. Gerade mal eine Woche nach seinem jüngsten Besuch machte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies am Mittwoch erneut einen Abstecher nach Lüneburg. Auf Einladung der hiesigen Industrie- und Handelskammer (IHK) stand er rund 30 regionalen Unternehmern Rede und Antwort bei einem Frühstück im Wasserturm. Der Dieselgipfel in Berlin war dabei nur ein Thema unter vielen.

Breitbandausbau im Fokus

IHK-Präsident Olaf Kahle sagte: „Eines der Themen, das uns besonders im ländlichen Bereich beschäftigt, ist der Breitbandausbau.“ Der Minister betonte, die Schwierigkeit seien die Grenzen eines regulierten Marktes. „Meine Bitte an die Kammern und die Wirtschaft ist, dass wir dafür Sorge tragen, dass überall dort, wo es noch kein Glasfaser gibt, wir Glasfaser bekommen.“ Zwar sei mit den vom Bund versprochenen 50 Millionen Euro pro Jahr bis 2025 ein guter Anfang gemacht. „Aber ganz klar: Hier müssen wir den Druck erhöhen.“

Vertrauensverlust, enttäuschte Kunden, Angst um Arbeitsplätze – auch der Dieselskandal beschäftigte die Unternehmer im Austausch mit dem Minister. „Ohne es momentan genau bewerten zu können, müssen wir sagen: Kritik ist berechtigt, aber lasst uns auf die Ursachen schauen und nicht eine gesamte Branche verdammen“, mahnte Lies. Die Politik habe hier Wege anzubieten, auch wenn es um alternative Lösungen wie Elektroautos gehe, sei der Staat gefragt.

Deutscher Mittelstand als Durchschnitt

„Führen wir überhaupt die richtige Diskussion? Müssten wir als Unternehmer nicht mehr unternehmen?“, fragte ein Gast ironisch und verwies auf die immer stärkere ressourcenbindende Digitalisierung und sein Gefühl, dass der deutsche Mittelstand hier lediglich Durchschnitt sei. Energisches Kopfnicken vom Minister: „Es geht darum, neugierig auf die Zukunft zu sein und auch in neue Technologien zu investieren und diese auszuprobieren.“

Hier jedoch forderte er auch von den Unternehmern Mut: „Es geht um eine viel stärkere Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft. Lassen Sie uns das zusammen anpacken.“ lz