Sonntag , 27. September 2020
In der Samtgemeinde Ostheide hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon wieder ein Wolf zugeschlagen und in Sülbeck eine Schnucke und zwei Lämmer gerissen. Symbolbild: A/t&w

Wolf tötet drei Tiere in Sülbeck

Sülbeck. Wieder hat der Wolf zugeschlagen – und wieder in der Samtgemeinde Ostheide. Vor wenigen Tagen hat ein Tier eine Schnucke und zwei Lämmer auf einer Weid e in Sülbeck gerissen. „Das war wahrlich kein schöner Anblick“, sagt Schnuckenhalterin Angelika Schön, als sie morgens die Kadaver im Gatter entdeckte. „Eines der Lämmer war noch nicht ganz tot“, berichtet die Sülbeckerin. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt sie. Die Jagd auf den Wolf dürfe kein Tabu mehr sein.

Die Wolfsdiskussion spaltet die Region wie kaum ein anderes Thema: Während sich die einen über die Rückkehr der Grauhunde freuen, würden die anderen, allen voran die Nutztierhalter auf dem Land, am liebsten sofort eine Obergrenze für die Tiere einführen. „Die normale Sterblichkeitsrate oder der Tod durch Verkehrsunfall reichen längst nicht aus, um die Zahl der Wölfe zu regulieren“, sagt Angelika Schön. Vergleicht man den Anstieg über die vergangenen Jahre, kann von einem jährlichen Wolfszuwachs in Deutschland von 30 Prozent ausgegangen werden. Allerdings weist die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ darauf hin , dass dies nur so lange der Fall sei, bis die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Mit anderen Worten: Irgendwann reguliere sich die Wolfspopulation von selbst.

Die Stimmung auf dem Land schlägt um

Doch so lange wollen viele betroffene Weide- und Nutztierhalter nicht warten. Den Stimmungswandel auf dem Lande spüren auch die Politiker: So forderte bereits der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte jüngst bei einer Veranstaltung in Uelzen, dass der Schutzstatus des Wolfes gesenkt und seine Population reduziert werden müsse. In die gleiche Kerbe schlug seine SPD-Kollegin Kirsten Lühmann. Allerdings fußt der strenge Schutz des Wolfes auf Internationalem Recht, Europäischem Recht, Bundesrecht und Landesrecht. Wer also auf ihn anlegt, verstößt gegen eine Vielzahl von Gesetzen.

Ende April waren neun Wolfsrudel, ein Wolfspaar und ein Einzelwolf in Niedersachsen nachgewiesen. Bundesweit gehen offizielle Zahlen von 46 Wolfsrudeln und 15 Paaren (Stand September 2016) aus. Ist Deutschland auf dem Weg zum Wolfsland? Angelika Schön kritisiert: „Der Wolf wird idealisiert.“ Dass von ihm für den Menschen keine Gefahr ausgehen soll, kann sich die studierte Biologin nicht vorstellen. Seitdem der Wolf in Sülbeck auf der Weide ihres Lebenspartners, dem stellvertretenden Reinstorfer Bürgermeister Rolf-Bernd Zantop (Grüne), das Muttertier und zwei Lämmer gerissen hat, muss die restliche Herde nun jeden Abend in den Stall gebracht und morgens wieder rausgelassen werden. Denn das ganze Areal mit einem stromführenden Zaun wolfssicher zu machen, „ist für uns unmöglich“, sagt Angelika Schön.

Landkreis zählt bislang elf Wolfsrisse in 2017

Elf Wolfsrisse wurden in diesem Jahr bereits dem Landkreis Lüneburg gemeldet. „Von denen sind sieben bereits bestätigt“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann, einige seien noch in Bearbeitung. Denn bis das Niedersächsische Landesamt für Wasserwirtschaft,- Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den eindeutigen genetischen Beweis erbracht hat, ob Isegrim tatsächlich den Riss verursacht hat, können schon einige Wochen vergehen.

Mathias Holsten von der Unteren Natuschutzbehörde des Landkreises Lüneburg, zugleich Wolfsberater, hatte die Risse in Sülbeck aufgenommen und von den Kadavern DNA-Proben für das NLWKN entnommen. Der endgültige Täterbeweis steht zwar noch aus, aber der Experte geht laut Holzmann mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon aus, „dass die Risse tatsächlich auf das Konto des Wolfes gehen“. Für Rolf-Bernd Zantop und Angelika Schön ist das eine wenig beruhigende Nachricht. Sie sorgen sich jetzt noch mehr um die restlichen fünf Muttertiere und zwölf Lämmer.

Von Klaus Reschke