Dienstag , 29. September 2020
Uni-Präsident Sascha Spoun mit Juliane Frost (l.) und Lena Heuer vom Verein Zugvögel, der beim „Dies Academicus“ mit dem Preis für ehrenamtliches Engagement bedacht wurde. (Foto: t&w)

Bereit sein, auch mal Fehler zu begehen

Lüneburg. Dass der Abend den Ehrendoktoren, Preisträgern und Studenten galt, geriet zunächst in den Hintergrund. Uni-Präsident Sascha Spoun un d Oberbürgermeister Ulrich Mädge lobten erstmal den „großartigen, außergewöhnlichen Raum“ und das Gebäude, in dem nun nach „zehn Jahren harter Arbeit“ zum ersten Mal der „Dies Academicus“ als Abschluss und Höhepunkt des akademischen Jahres stattfinden konnte. Mädge, bekennender Fan des Liebeskind-Baus, sagte im Audimax vor rund 700 Gästen: „Auch in zehn oder 20 Jahren werden die Leute sagen, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Er hatte auch eine Bitte aus dem Rathaus mitgebracht, denn neben dem Bogen der Frau Luna sei nun auch das neu aufgestellte Schild mit der Aufschrift „Universitätsallee“ für Diebe interessant. „Ich würde Sie bitten, es etwas länger stehen zu lassen. Sonst wissen Auswärtige nicht, wo sie aus dem Taxi aussteigen müssen.“

„Dann müssten auch die Dozenten rausfliegen“

AStA-Sprecherin Susanna De­dring lobte die gute „Feedbackkultur“ auf dem Campus, kritisierte aber auch die Notengebung und Zwangsexmatrikulation. Denn wer an der Leuphana drei Mal durch die gleiche Prüfung fällt, darf nicht mehr weiter studieren und in ganz Deutschland kein vergleichbares Fach wählen. Provokant sagte sie: „Dann müssten Dozenten auch rausfliegen, wenn sie drei Mal eine schlechte Vorlesung halten. Dazu bekommen sie dann noch ein Berufsverbot.“

Nur Lob erhielten dagegen die vier Professoren, die mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet wurden (siehe unten). Und auch Spoun machte in seiner Festrede Mut. Er sprach über Disziplin, heutzutage vergleichbar mit einem Nadelwald. „Junge Triebe müssen nach oben zum Licht wachsen, um zu überleben. Sie wollen schnell an das Licht der Reputation gelangen.“ Die Menschen seien in der Disziplin sozialisiert, „aber auch das Zweifeln ist menschlich“, sagte er und kam damit auf seine Botschaft. „Eine solche Feier ist ein Ort für eine kritische Diskussion. Seien Sie stets voller Zweifel, ecken Sie an. Das bringt uns alle voran.“

Für eine kleine Atempause sorgte dann ein neues Format: Die Preisträger durften sich und ihre Projekte selbst in einem Videobeitrag vorstellen, der Film wurde im Saal ausgestrahlt. Zwei Projekte erhielten einen Lehrpreis auf Vorschlag von studentischer Seite, drei Konzepte wurde von den Dozenten selbst eingereicht und ausgezeichnet. Bei der Übergabe sagte Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident der Graduate School: „Lernen ist eigentlich ein schmerzhafter Prozess. Es zwingt uns, uns zu verändern, andere Standpunkte einzunehmen, in Seminaren zu streiten.“ Deshalb müsse man stets bereit sein, zu experimentieren, Fehler zu begehen und auch scheitern zu können.

Auch im Bereich Forschung wurden viele Leistungen ausgezeichnet: So erhielten zwei Professoren der Leuphana den Forschungspreis, zwei junge Postdoktoranden den Promotionspreis, der Fundraising-Preis ging an ein Duo. Verliehen wurden auch ein Preis für Geschlechter- und Diversitätsforschung sowie der Wissenstransferpreis.

Studenten müssen lange ausharren

Nach rund zwei Stunden durften dann Studenten vors Publikum treten. So zeichnet der Social Change Hub der Leuphana jedes Jahr gesellschaftlich relevante Projekte mit dem „Award für Andersdenkende“ aus. Leiterin Prof. Dr. Jantje Halberstadt betonte, wie wichtig es sei, an einem solchen Abend auch die Studenten zu würdigen. „Sie nehmen sich Zeit, orientieren sich nicht nur an ihrem Lebenslauf.“ Von der Hochschulöffentlichkeit gewählt wurden: der Kulturgarten, der Verein Lunatic, Policy Lab und Hochschule ohne Grenzen/No Border Academy.

Den Preis für ehrenamtliches studentisches Engagement konnten die Zugvögel ergattern. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, institutionellen Rassismus und globales Ungleichgewicht zu bekämpfen. So organisieren die Mitglieder Freiwilligendienste in Deutschland, zurzeit arbeiten zwei junge Männer aus Ecuador und Mexiko in einem Kindergarten. Die Preisträgerinnen des Vorjahres, Antonia Mohr und Eva Kern, durften die Studenten auszeichnen. „Ich möchte betonen, dass sie sich in ihrer Freizeit mit und für andere engagieren. Niemand zwingt sie dazu, es geschieht aus der Motivation heraus, die Gesellschaft zum Positiven zu verändern“, sagte Mohr.

▶ Alle Preisträger und Details zu den Projekten gibt es unter www.leuphana.de/dies-academicus im Internet.

Von Anna Paarmann