Freitag , 25. September 2020
Mehrheitlich hat sich der Lüneburger Kreistag für den Bau der Arena Lüneburger Land ausgesprochen. Foto: phs

Kreistag legt Fundament für die Arena Lüneburger Land

Lüneburg. Die Veranstaltungshalle „Arena Lüneburger Land“ wird in der Stadt Lüneburg vom Landkreis gebaut: Dafür hat sich mehrheitlich der Lün eburger Kreistag gestern bei seiner öffentlichen Sitzung in der Ritterakademie ausgesprochen. Die Stadt Lüneburg soll sich mit einem Investitionskostenzuschuss von 40 Prozent an dem 12,3 Millionen Euro schweren Projekt beteiligen. Kommerzieller Hallenbetreiber soll nach LZ-Informationen der Hamburger Konzertveranstalter FKP Scorpio werden. Mit der Arena wird zugleich der Volleyball-Erstligist SVG Lüneburg endlich seine ersehnte ligataugliche Spielstätte bekommen und Lüneburg seine nach dem Niedergang der Nordlandhalle von vielen vermisste Veranstaltungshalle.

Kritik trotz Mehrheit

Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) stellte die Arena in eine Reihe mutiger Investitionen des Landkreises in den vergangenen Jahren, angefangen beim Gymmnasium Bleckede, das während der Wirtschafts- und Finanzkrise angepackt worden war, über die zehn Millionen Euro hohe Beteiligung am Reiterstandort Luhmühlen bis hin zum Lüneburg Museum. Doch trotz der großen Mehrheit für das Arena-Projekt mochten nicht alle Kreistagsabgeordneten in den anschließenden Jubel einstimmen. Denn Kritikpunkte gibt es genug.

Nur mit wenigen dürren Sätzen informierte Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer die Abgeordneten über das Ergebnis der wichtigen Betreiber-Ausschreibung für die Arena. Namen nannte er nicht, versicherte aber: „Wir streben an, dass der Hallenbetrieb ohne Zuschuss öffentlicher Mittel möglich ist.“ Später erklärte er, dass der künftige Arena-Betreiber „europaweite Kontakte“ habe und „in der Champions League spielt“. Die endgültige Entscheidung über den Betreiber soll der nichtöffentliche Kreisausschuss treffen. Nach LZ-Informationen hatte es nur zwei Interessenten gegeben. Neben Vamos-Betreiber Klaus Hoppe hatte der Konzertveranstalter FKP Scorpio seinen Hut in den Ring geworfen, der etwa das „A Summer‘s Tale-Festival“ in Luhmühlen bespielt oder im Herbst die Rolling Stones in Hamburg auftreten lässt. Doch ein Haken bleibt dabei.

„Wir streben an, dass der Hallenbetrieb ohne Zuschuss öffentlicher Mittel möglich ist.“
Jürgen Krumböhmer,
Erster Kreisrat

Finanzierung auf 20 Jahre angesetzt

Was Krumböhmer nicht so deutlich sagen mochte: Während die Finanzierung der Halle 20 Jahre läuft, wird der Betreibervertrag zunächst nur für maximal fünf Jahre geschlossen. Sollte sich der Arena-Betrieb mit bis zu 3500 Sitzplätzen wider Erwarten doch nicht als wirtschaftlich erweisen, müssten Stadt und Kreis in die Bresche springen. Doch SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp zeigte sich zuversichtlich: „Das ist eine Veranstaltungshalle, die finanzierbar und tragbar ist.“ Und: „Eine Vision wird Wirklichkeit.“ Denn: „Wir haben ein Grundstück, eine Baugenehmigung, und wir haben einen genehmigten Haushalt, sodass wir nach der heutigen Abstimmung zügig mit dem Bau beginnen können.“

Alexander Blume (CDU) pflichtete Kamp bei, konnte aber nicht für die ganze CDU-Fraktion sprechen: „Nach einer intensiven Bewertung überwiegen für uns die Chancen für die Region die Risiken.“ Pe­tra Kruse-Runge (Grüne) griff ein früheres Wort von CDU-Mann Günter Dubber auf, dass man sich irgendwann trauen müsse, vom Drei-Meter-Brett zu springen. Kruse-Runge: „Für uns ist jetzt genug Wasser drin.“ War früher nur von einer wettkampfgerechten Sporthalle die Rede, ginge es heute um eine Eventhalle, die auch dem Sport Platz biete. Diese Wende kritisierte Gisela Plaschka (FDP). In den letzten Wochen sei aus der multifunktionalen Veranstaltungshalle „eine private Eventhalle mit einem eingeschränkten Sportangebot geworden“.

Verkehrsplanung wirft Fragen auf

Zwar wollen Stadt- und Landkreis weiterhin 75 000 Euro jährlich an Betriebskostenzuschuss zahlen, um in der Arena Schul-, Hochschul- und Breitensport zu ermöglichen. Aber das hat „nicht mehr die erste Priorität“, heißt es in einer Sitzungsvorlage der Kreisverwaltung. Kommerzielle Veranstaltungen hätten Vorrang. Als kommerzielle Veranstaltung gelten neben Konzerten auch Heimspiele der Lüneburger Volleyballer, aber nicht deren Trainingsbetrieb. In der Arena wird nur trainiert, wenn sie nicht anderweitig belegt ist. Auch bleibt die Halle weitgehend auf Ballsportarten beschränkt. So heißt es in der Vorlage: „Das darüber hinaus für den Schulsport übliche Equipment (Turnen) ist nicht vorgesehen. Dies hängt mit den begrenzten Lagerkapazitäten zusammen.“

Die größten Kopfschmerzen hatten die Linke- und die AfD-Fraktion, auch mit Blick auf das Parkplatzangebot. Zwar sollen auf einem Nachbargrundstück von Immobilienmakler Jürgen Sallier zusätzlich zu den rund 400 nachgewiesenen 100 weitere Stellplätze genutzt werden können, aber Frank Stoll (Linke) hofft trotzdem, „dass die Stadt noch eine vernünftige Verkehrsplanung hinkriegt“.

Von Dennis Thomas

Finanzierung — Stadt und Land:

Hand in Hand Ursprünglich hatten Stadt und Kreis die Arena in öffentlich-privater Partnerschaft mit dem Geschäftsmann Jürgen Sallier bauen wollen. Doch bei dem Modell hätte die öffentliche Hand zwar Millionen bezahlt, aber kein Eigentum an der Veranstaltungshalle erworben.

Nun wird der Kreis Bauherr und die Stadt soll sich wie zuvor an den Investitionskosten beteiligen – den Grundstückserwerb ausgenommen. Der Kreis geht insgesamt von einem Investitionbedarf (inklusive Grundstück) von rund 13 Millionen Euro aus. 8,4 Millionen Euro bestreitet der Kreis mit einem Darlehen über 20 Jahre, den Rest soll die Stadt tragen.

Allein für den Kreis summiert sich nach eigenen Angaben die jährliche finanzielle Belastung auf 555 000 Euro.