Sonntag , 20. September 2020
Stimmung auf dem Stadtfest. Doch es gibt Kritik: Das Brauhaus Nolte kehrt der Party nach fast 20 Jahren den Rücken. Die Standgebühren seien zu hoch. Foto: A/nh

Stadtfest: Standgebühren vergraulen Wirte-Familie

Lüneburg. Für Familie Nolte beginnt die Sperrstunde: Die Wirte der Brauhaus Nolte an der Dahlenburger Landstraße beteiligen sich in diesem Jahr nicht am Stadt fest. Kurz: Die Gebühren seien zu hoch, das Wetter ein Risiko, am Ende bleibe kaum etwas übrig. Nach beinahe 20 Jahren, die man mit einem Wagen auf der Bäckerstraße vertreten gewesen sei, habe man sich gegen die Stadtparty entschieden, sagt Carsten Nolte. Die Marketing Gesellschaft als Veranstalter erklärt: Es sei die Entscheidung der Noltes, andere Bewerber kämen offenbar zu anderen Schlüssen. Der Standplatz der Noltes sei zwei Tage später vergeben gewesen.

Stadtfest im Zombie-Stadium?

Hans-Walter Nolte und sein Sohn Carsten haben in ihrem Newsletter einen Teil der Anforderungen veröffentlicht. Neben der Standgebühr von 2345 Euro schlägt die Mehrwertsteuer mit 455,55 Euro zu Buche. Dazu Strom, Wasser, 230 Euro für das Ausleihen der Pfandbecher, eine Schankgenehmigung der Stadt mit 56 Euro. „Das ist ja nicht alles“, sagt Carsten Nolte. „Wir müssen das Personal bezahlen, den Wareneinsatz rechnen, Steuern, haben Vor- und Nachbereitung.“ Wenn es regne, mache sich das beim Umsatz bemerkbar. Die Gebühren sind abhängig vom Standort, an anderen Plätzen wie auf dem Markt kommen Betreiber auf Kosten von deutlich über 4000 Euro für Stand, Strom und Wasser.

Nolte empfindet das Fest darüber hinaus als überarbeitungswürdig. Das zeigten viele Kommentare. Er sagt: „Grundsätzlich sollte darüber nachgedacht werden, das Stadtfest auf neue Beine zu stellen. Es bringt nichts, an einem Zombie stückwerkartig rumzuschustern und zu hoffen, ihn damit wiederbelebt zu bekommen. In diesem Zusammenhang bieten wir uns der Marketing gerne als Sparringpartner an.“

„Neben den Standgebühren müssen wir Personal bezahlen, den Wareneinsatz rechnen, Steuern, haben Vor- und Nachbereitung. Es bleibt kaum etwas über.“ Carsten Nolte, Wirt

Stadtmarketing widerspricht

Deren Chef Claudio-Patrik Schrock-Opitz entgegnet: „Eine Debatte über Standgebühren führe ich nicht. Die sind mit unseren Gesellschaftern abgestimmt und wurden seit 2015 nicht angehoben.“ In den vergangenen Jahre hätten Noltes die Forderungen akzeptiert, es stehe ihnen frei, einen anderen Weg zu gehen. Grundsätzlich spülten die Standgebühren nur die Hälfte der Kosten von 130 000 bis 140 000 Euro für das Stadtfest herein: „Den Rest müssen wir über Sponsoren erwirtschaften. Das läuft ganz gut.“ Auch der immer wieder erhobene Vorwurf, die Stadt-Sause habe zu wenig mit Lüneburg zu tun, stimme nicht: „Ein Drittel der Stände wird von Lüneburgern betrieben, auch bei den Bands haben viele den Bezug zu Stadt und Kreis.“

Nun legt der Vertrag auch fest, dass alle Getränke bei einem regionalen Großhändler zu beziehen sind, dazu eine bestimmte Biersorte. Obendrein pro Bier oder alkoholfreiem Getränk im 0,3-Liter-Becher sollen einheitlich drei Euro verlangt werden. Freie Marktwirtschaft funktioniere anders, moniert Nolte.
Schrock-Opitz pocht auf Vertragsfreiheit. Zudem lieferte der Grossist neben der Ware auch die Bier- und Kühlwagen, die Brauerei und der Lieferant engagierten sich als Sponsoren. Im Rathaus, die Stadt ist einer der Gesellschafter der Marketing Gesellschaft, hat man keine Probleme mit diesen Vereinbarungen. Die Pressestelle verweist darauf, dass es genug Interessenten gebe.

Stadt sieht keine Probleme mit Vereinbarungen

Auch Benno Fabricius kann die Bedingungen nachvollziehen. Der Chef des Lüneburger Schaustellerverbandes, der seit Jahrzehnten mit Wurstständen auf Festen vertreten ist, sagt: „Die Standgebühren stehen im Verhältnis. Wenn ich zum Stadtfest nach Buxtehude fahren, zahle ich zwar ein Drittel weniger als in Lüneburg, aber ich habe auch ein Drittel weniger Umsatz.“ Auch sei die Rechnung der Noltes nicht korrekt: „Mehrwertsteuer ist abzugsfähig.“
Die Schausteller zählen ebenfalls zu den Gesellschaftern der Marketing. Fabricius sagt, man habe die Gebühren und Regelungen 2015 so festgelegt, weil die Finanzierung des Stadtfestes in eine Schieflage geraten war. Das habe sich geändert.

Die Noltes bleiben bei ihrer Sicht. Es könne nicht sein, dass nach vieler Arbeit wenig hängen bleibe. Sie überlegen zudem, ob sie sich auch von den Sülfmeistertagen verabschieden. Carsten Nolte. „Das kalkulieren wir noch.“

Von Carlo Eggeling