Dienstag , 20. Oktober 2020
Lecker Currywurst. Doch wer darf sie künftig auf dem Lüneburger Markt servieren? Darüber ist ein Streit entbrannt, der die Gerichte beschäftigt. Foto: phs

Streit um die Currywurst am Lüneburger Marktplatz

Lüneburg. Das Urteil schmeckt den Verantwortlichen so gut wie versalzene Pommes: Denn die Stadt unterlag vor dem Verwaltungsgericht in einem Streit um die Wurst . Dabei geht es quasi um Weidegründe von Einheimischen und Touristen. Auf dem Marktplatz wechseln sich zwei Wurst-Bräter im Wochenrhythmus ab, um in Höhe Bäckerstraße möglichst viele Gäste sattzumachen. Offenbar ein lukratives Geschäft, denn schon im vergangenen Jahr versuchte ein dritter Anbieter, ebenfalls bedacht zu werden. Die Stadt lehnte ab, der Schnellkoch zog vors Gericht und bekam Recht: Die Stadt müsse ihn berücksichtigen. Das mag die Verwaltung nicht hinnehmen, sie hofft, dass sich das Oberverwaltungsgericht mit der Causa befasst und in ihrem Sinne entscheidet.

Stadt wünscht erweitertes Rotationsprinzip

Die LZ hatte im April vergangenen Jahres über den Streit berichtet. Die Stadt hatte damals erklärt, sie empfehle, dass der Neue sich mit den beiden anderen einigt und dann in das Wechselsystem einsteigt. Es war nicht überraschend, dass die beiden anderen nicht teilen wollten. In Kurzform: Es rechne sich dann nicht mehr.

So entschied die Verwaltung, alles möge so bleiben wie gewohnt. Doch mit dieser Regelung wollte sich der dritte Imbissbetreiber nicht abspeisen lassen – und die Richter gaben ihm Recht. Da die Flächen auf dem Marktplatz regelmäßig neu vergeben werden, hatte sich der Neue einfach beworben – als Erster. Das Gericht erklärte dem Rechtsamt kurz und bündig, sich nicht an die eigenen Kriterien gehalten zu haben, nämlich an das Prioritätsprinzip: Wer seine Wustpappe als Erster im Rathaus abgibt, der hat das Rennen gemacht. Damit hätte der Neue rückwirkend vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020 auftischen dürfen.

Anspruch auf entgangenen Gewinn?

Das mag die Verwaltung nicht einsehen. Sie beharrt auf dem Wurst-Duett, es habe sich bewährt. Offenbar in erster Linie für die beiden Grill-Maxen. Im Rathaus sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Wir haben Zulassung der Berufung vor dem OVG beantragt.“ Dieser Weg schützt die Bestands-Bräter nun erst einmal, denn so ist eine „aufschiebende Wirkung“ eingetreten. Ergo: So lange die Richter von der Uelzener Straße den Pommes-Zwist nicht bescheiden, bleibt alles wie gehabt.

Es stellt sich eine Frage, die so knackig ist, wie eine gute Bockwurst: Geht am Ende alles für den neuen Bewerber aus, hat er dann einen Anspruch auf den entgangenen Gewinn? Dazu hält sich die Pressesprecherin der Stadt bedeckt: „Das sehen wir, wenn es so weit ist.“

Von Carlo Eggeling