Die Gedenksteine vor dem Olympischen Dorf in der Theodor-Körner-Kaserne, darunter der Obelisk für die Toten des Kampfgeschwaders 26 (2.v.r.). Das Bild entstand im November 2006, aktuelle Aufnahmen sind derzeit nicht gestattet. Foto: boldt

Wehrmachtsdevotionalien: Schatten der Vergangenheit

Lüneburg. Der Befehl von Generalinspekteur Volker Wiecker ist eindeutig: „Sämtliche Bundeswehr-Kasernen und Gebäude sind zu überprüfen.“ Auch in der Lüneburger Theodor-Körner-Kaserne wird als Reaktion auf die Festnahme des Oberleutnants Franco A. und eines weiteren mutmaßlich rechtsextremen Offiziers nach Wehrmachtsdevotionalien gefahndet.
Die Überprüfung rückt aber auch ein älteres Problemfeld der Theodor-Körner-Kaserne (TKK) in das Blickfeld des öffentlichen Interesses: Gedenksteine, die an die Toten und Gefallenen von Wehrmachtsverbänden erinnern.

Nachdem die Bundeswehr in den vergangenen Jahren die Scharnhorst-Kaserne (heute Uni-Standort) und die Schlieffenkaserne aufgegeben hat , wurden Gedenksteine aus diesen Liegenschaften in der Theodor-Körner-Kaserne aufgestellt – allerdings abseits des offiziellen Bundeswehr-Ehrenhains. Auch der Obelisk für die Toten des Lüneburger Kampfgeschwaders 26 findet sich in der TKK.

Obelisk für die Toten des Lüneburger Kampfgeschwaders 26

Zwar wurde der Verband erst 1939 aufgestellt, doch sollen einige Mitglieder zuvor als Freiwillige in der deutschen Legion Condor 1937 an der Zerstörung der Stadt Guernica im spanischen Bürgerkrieg beteiligt gewesen sein. Seit 1956 stand der Obelisk an der Lindenstraße zwischen Theater und der heutigen Agentur für Arbeit. Nicht zuletzt auf Wunsch der Stadt aber wurde das Denkmal, das 2001 stark beschädigt worden war, 2002 ab- und in der Kaserne im Bereich des „Olympischen Dorfes“ wieder aufgebaut – allerdings ohne den schlanken Adler mit den ausgebreiteten Schwingen. Der war schon 2001 von Unbekannten entwendet worden.

Wie mit den Gedenksteinen auf dem Kasernengelände nun verfahren wird, ob sie womöglich abgebaut werden müssen, weil sie nicht dem Traditionserlass der Bundeswehr (siehe Info-Box) entsprechen, weiß man zurzeit in der Theodor-Körner-Kaserne noch nicht: In Munster beispielsweise hatte die Bundeswehr ihren Ehrenhain 2013 abgebaut und die Plaketten zur Erinnerung an ehemalige Wehrmachts-Verbände dem örtlichen Panzermuseum zur Verfügung gestellt. Dort werden die Plaketten nun ausgestellt. „Damit erfüllen wir als Museum zwei Kernaufträge“, sagt Museumspädagoge Ralf Raths: „Wir bewahren die Plaketten als historische Objekte der Bundeswehrgeschichte und nutzen sie als Träger historischer Fachinformationen.“

Veränderungen sind in Planung

Veränderungen wird es womöglich auch im TKK-Casino am Fuchsweg geben. Dort steht im Foyer über dem Kamin mit goldener Schrift die Losung „Vestigium Leonis“ zu lesen – die Spur des Löwen: Ein Spruch, mit dem einst die Heinkel 111 des Kampfgeschwaders 26 an den Kanzeln starteten. „Dieser Spruch wird wohl abgedeckt werden“, sagt ein Offizier gegenüber der LZ.
Zwar war in der Vergangenheit selbst Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu Besuch im Casino, ohne Anstoß an der Inschrift zu nehmen. Doch spätestens seit den Vorfällen um Oberleutnant Franco A. ist man bei der Truppe in höchstem Maße sensibilisiert.

Bei der Suche nach Wehrmachtsdevotionalien geht es zunächst nur um eine Bestandsaufnahme. „Die Überprüfungen führen keine externen Kommissionen durch, das machen Vorgesetzte vor Ort“, sagte gestern auf LZ-Anfrage der Sprecher des Heeres, Oberstleutnant i.G. Tillmann von Plüskow. Bis zum 16. Mai soll diese Überprüfung abgeschlossen sein. In Lüneburg will das Aufklärungslehrbataillon 3 möglichen Ergebnissen nicht vorgreifen. Nur so viel: Nazi-Symbole oder dergleichen seien bislang nicht entdeckt worden.

Von Klaus Reschke

Traditionserlass der Bundeswehr

Tradition ist Streitkräften wichtig. 1965, im ersten Traditionserlass der Bundeswehr, wurden einerseits soldatische Leistungen der Vergangenheit betont, anderseits wurde jedoch vor übersteigertem Nationalsozialismus gewarnt. Die Traditionslinie zur Wehrmacht wurde erst 1982 offiziell gekappt.

Die Tradition der Bundeswehr heute stützt sich auf insgesamt drei Säulen: Die historisch älteste Traditionslinie bilden die preußischen Reformer des frühen 19. Jahrhunderts. Grundlage der zweiten Säule ist der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die dritte Traditionssäule ist die bundeswehreigene Geschichte.