Freitag , 18. September 2020
Der Kiebitz fühlt sich in der Region immer weniger wohl. Seine Nester werden von der Landwirtschaft zerstört, erklärt Vogelexperte Frank Allmer. Foto: nabu/nh

Auch im Landkreis haben Feldvögel es schwer

Lüneburg/Berlin. Es wird stiller im Landkreis Lüneburg. Der Gesang der alteingesessenen Feldvögel wie Kiebitz oder Uferschnepfen ist mittlerweile fast ausgestorben – genau wie die Vögel selbst. Und auch Feldlerche und Rebhuhn haben sich rar gemacht in der Region. „Früher habe ich um Südergellersen herum etwa 30, 40 Feldlerchen singen gehört“, berichtet der Lüneburger Vogelexperte Frank Allmer. Früher, das war vor etwa 20 Jahren.

Bei einem Spaziergang vor wenigen Tagen bot sich ein trauriges Bild: Nur acht Vertreter dieser Lerchenart sangen um Südergellersen ihr Lied. Und das Rebhuhn? Von 200 Rebhuhn-Revieren vor einigen Jahren gebe es nur noch acht, vielleicht ein paar wenige mehr, sagt Allmer.

Ornithologe Frank Allmer zum Vogelsterben

Dass es immer weniger Vögel gibt, ist ein bundesweiter Trend. „Die Vogelpopulation in Deutschland ist stark rückläufig,“ heißt es in einem aktuellen Bericht der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen. Besonders betroffen: Die Vögel, die in der Nähe von landwirtschaftlichen Kulturen leben. Europaweit 300 Millionen weniger als noch vor 20 Jahren. Und die Zahl der Rebhühner sei seit 1990 um 84 Prozent gesunken. Die Ursache liege vor allem in der industrialisierten Landwirtschaft, schreibt die Bundesregierung weiter. Flurbereinigung, Einsatz von Pestiziden und der Verlust von intaktem Grünland zählt sie als Hauptgründe auf.

Mehr ökologische Landwirtschaft nötig

Dem kann sich Frank Allmer nur anschließen. Die Landwirte würden die Felder mit zu vielen Chemikalien behandeln – auch der üppige Maisanbau im Landkreis ist beispielsweise für den Kiebitz ein Problem. „Der brütet jetzt noch auf den Feldern.“ Doch die Felder werden bespritzt, die Eier und sein Nest damit zerstört. Rapsfelder auf der anderen Seite seien zu dicht bewachsen, dort haben Vögel ebenfalls keine Chance sich einzunisten.

Gründe für das Vogelsterben

Damit sich das ändert und es mit der Vogelpopulation wieder aufwärts geht, müsse es zum Umdenken in der Landwirtschaft und Politik kommen, findet Allmer. „Es muss eine ökologischere Landwirtschaft entstehen.“ Dafür solle die EU mehr Anreize schaffen, beispielsweise die enormen Fördergelder an ökologische Richtlinien koppeln. „Das ist eine Frage der Politik. Ich sehe das aber nicht sehr optimistisch, solange wir CSU-Bundeslandwirtschaftsminister haben. Die sind in Sachen Ökologie sehr starrköpfig.“

Was man selbst gegen das Vogelsterben machen kann:

Nicht mehr heimisch, nur zu Gast

Vor allem in der Elbtalaue lassen sich manche seltenen Vogelarten doch nochmal blicken – wenn sie auf Durchreise sind.

Unter anderem rasten die Bekassine und der Rotschenkel, zwei Schnepfenarten, auf ihrem Flug zum Brutgebiet und wieder zurück in dieser Region. „Das verführt zu der Aussage, dass es so schlimm noch nicht um diese Arten hier bestellt sei“, sagt Frank Allmer.

Aber diese Arten nisten schon lange nicht mehr hier. Ihr Brutgebiet haben sie in Asien, zur kalten Jahreszeit fliegen sie in südlichere Gefilde. Nur unterwegs verweilen sie für einen Moment in dieser Region.

Von Robin Williamson