Eine Gesellschaft soll den Libeskind-Bau vermarkten, doch erst eine Handvoll Veranstaltungen sind für 2017 geplant. Foto: t&w

Leuphana: Kaum was los im Zentralgebäude

Lüneburg. Vor knapp zwei Monaten wurde der Libeskind-Bau eingeweiht. Jahrelang war das Gebäude wegen der Baukostensprünge im Millionenbereich in den Schlagzeilen, jetzt ist es ruhig geworden auf dem Campus. Dabei steht die Universität unter großem Druck: Sie muss jährlich mindestens 300 000 Euro an Mieteinnahmen generieren, indem sie Flächen im Libeskind-Bau an Externe vermietet.

Aus einer gutachterlichen Bewertung, die der LZ vorliegt, geht hervor, dass die Uni eigentlich schon 2016 mit Einnahmen gerechnet hatte. Das Defizit muss im Wesentlichen Nathalie Heinrich ausgleichen, sie ist die neue Geschäftsführerin der Leuphana Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft.

Bis 2025 sollen drei Millionen Euro generiert werden

Die 51-jährige Hamburgerin gibt sich im Gespräch mit der LZ gelassen. „Herantesten und den Markt sondieren“, laute die aktuelle Devise. Konkret bereite sie zurzeit sechs Veranstaltungen vor. Dass die Flächen bis 2025 insgesamt 3 Millionen Euro einspielen sollen, möchte die Geschäftsführerin nicht kommentieren. Sie sagt lediglich, dass es richtig sei, dass die Vermarktung Einnahmen generieren soll, „aber dabei lassen wir uns lieber Zeit, als in Hektik zu verfallen“.

Um den Betrieb müsse sich die Uni nicht sorgen, betont Pressesprecher Henning Zühlsdorff, dieser sei durch Landesmittel gesichert. Das Land gibt aber keinen Extra-Zuschuss für den Betrieb. Dr. Margit Kautenburger, Sprecherin des Wissenschaftsministeriums, sagt, dass die Lüneburger Uni ebenso wie andere Stiftungshochschulen einen Zuschuss für laufende Zwecke erhalte: 55,8 Millionen Euro 2016, 57 in diesem und 58 im nächsten Jahr. „Diese Mittel umfassen die Betriebskosten aller Liegenschaften der Universität.“

„Wir lassen uns lieber Zeit, als in Hektik zu verfallen“.
Nathalie Heinrich, Geschäftsführerin der Leuphana Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft

 

Von Kostendeckung weit entfernt

Von den Vorgaben des Landesrechnungshofs, mit externen Veranstaltungen kostendeckend arbeiten zu können, scheint die Leuphana noch weit entfernt. Bislang konnten nur eine Handvoll Veranstaltungen im Zentralgebäude stattfinden, überwiegend kleinere Vermietungen, sagt Heinrich. Eine Fakultät durfte dort einen Kongress ausrichten. Und drei konkrete Buchungen hätten sich aus dem Besuch von 20 Eventagenturen ergeben, die den Bau vor der Eröffnung besichtigt hatten.

Eine Zahnarztpraxis plant mit 30 Personen eine Umschulung im Zentralgebäude, und im Dezember hat ein Kunde das gesamte Erdgeschoss für eine Weihnachtsfeier mit 200 Personen gemietet. Eine große Feier steht im Juli an: Da feiert die Serienwerft mit 600 geladenen Gästen die 2500. Folge der Fernsehserie Rote Rosen.

Heinrich, seit vielen Jahren im Veranstaltungsmanagement tätig, betont, dass die Lehre Priorität habe. Eine gewisse Flexibilität habe man wegen der drei ineinandergreifenden Räume: Neben dem Audimax können auch das 650 Quadratmeter große Foyer und das Forum mit 450 Quadratmetern gemietet werden.

Tochtergesellschaft der Leuphana GmbH

Was es kostet, das Audimax zu mieten, verrät Nathalie Heinrich nicht, sie sagt nur, dass es „nicht billig“ sei, Agenturen mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis aber zufrieden wären. Nach LZ-Informationen soll eine Veranstaltung im Audimax rund 5600 Euro kosten, zusätzliche 800 Euro die Bestuhlung.

Um eine professionelle Struktur für das Veranstaltungsmanagement zu schaffen, musste die Uni mit der Leuphana GmbH im Januar 2016 zunächst ein eigenes Unternehmen gründen (LZ berichtete). Wofür diese Gesellschaft im Detail zuständig ist, blieb bislang unklar. Jetzt wurde der Geschäftsführer-Posten mit Thorsten Kurtz besetzt, er ist seit 2008 an der Leuphana, hat gemeinsam mit einer Kollegin den operativen Bereich des 100 Millionen Euro schweren Innovationsinkubators geleitet.

Der Fokus der Leuphana GmbH sei die Entwicklung weiterer Aktionen im Bereich der Qualifikation und Weiterbildung. Dabei wolle man aber nicht in Konkurrenz zur Professional School stehen, sondern Programme entwickeln, die die Universität nicht anbieten kann. „Beispielsweise Qualifizierungsangebote für Unternehmen“, sagt Kurtz, „dabei bietet das Zentralgebäude eine attraktive Infrastruktur“. Anfragen in diesem Bereich habe man bislang nicht bedienen können, zurzeit würden Angebote ausgearbeitet, Preise kalkuliert und Formate entwickelt.

Von Anna Paarmann

Was Stadt und Kreis planen

Stadt und Landkreis beteiligen sich bekanntlich mit insgesamt 7 Millionen Euro an den Baukosten des Zentralgebäudes, dürfen dafür insgesamt 30 Veranstaltungen im Jahr dort ausrichten – mietfrei. Sie müssen aber die Betriebskosten zahlen. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck: „Als Hausnummer gehen wir von 1000 Euro pro Nutzung aus, inklusive Basistechnik und Hausmeister vor Ort.

Wer besonders hochwertige Tontechnik braucht, Catering möchte oder andere Extras, wird mehr kalkulieren müssen.“ Am 8. Juni steht die erste Veranstaltung an: Die Wirtschaftsförderung nutzt zusammen mit der Metropolregion Hamburg das Audimax, zudem gibt es zwei Reservierungen für Meisterkonzerte des Theaters im November 2017 und April 2018. Auch könnten im Libeskind-Bau das Schleswig-Holstein-Musikfestival, die Bachwoche, Chorkonzerte, Verbandstagungen und Städtetage ausgerichtet werden.

Der Kreis plant kulturelle und repräsentative Veranstaltungen, Gremiensitzungen, Infoveranstaltungen sowie Gedenkveranstaltungen und Anlässe, bei denen es ein großes Bürgerinteresse gibt.