Donnerstag , 24. September 2020
Die Ecke Dahlenburger Landstraße/Pulverweg ist sowohl für Fahrrad- als auch für Autofahrer brenzlig. Fotos: t&w

Radfahren in Lüneburg: Ohne Knautschzone unterwegs

Lüneburg. Die Zahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, nimmt seit Jahren zu. Waren es im Jahr 2014 noch 191 im Stadtgebiet, kam es im vergangenen Jahr zu 241 Unfällen mit Fahrradfahrern in Lüneburg. 27 Beteiligte verletzten sich dabei schwer. Oft passieren solche Unfälle an uneinsichtigen Ecken oder Kreuzungen.

Die LZ hat gemeinsam mit der Stadt, der Polizei und dem Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Gefahrenstellen in den Blick genommen. Unfallschwerpunkte stellen vor allem die Bleckeder und die Dahlenburger Landstraße dar. ADFC-Vorstand Burkhard von Roeder sieht aber an deutlich mehr Orten Handlungsbedarf.

Bleckeder Landstraße

Im vergangenen Jahr hat es dort 21 Unfälle mit Radbeteiligung gegeben, sagt Polizeisprecherin Antje Freudenberg. „Zwei Personen haben sich schwer verletzt, 16 leicht.“ Die Unfälle hätten sich hauptsächlich in Fahrtrichtung Innenstadt ergeben, acht Mal hat es nach einer Vorfahrtsverletzung gescheppert, sechs Mal sind Radfahrer auf der falschen Seite gefahren. Handlungsbedarf sieht hier auch die Stadt. Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Die Schwierigkeit liegt dort auch in den Geländeeigenschaften: Weil es dort bergab geht, können Radfahrer stadteinwärts schnell ein hohes Tempo erreichen.“

Der Radweg führe abgesetzt, also abseits der Straße neben dem Gehweg entlang, Autofahrer müssten beim Abbiegen besonders aufpassen. Burkhard von Roeder (ADFC) kritisiert den schmalen Radweg, der nicht den Mindestmaßen der Straßenverkehrsordnung entspreche. Das will die Verwaltung ändern: Mittelfristig soll der Radweg von der Ostumgehung bis zur Bahnhofstraße deutlich verbreitert werden. Ein Ingenieurbüro soll im Auftrag der Stadt Ideen entwickeln, um den Radverkehr dort insgesamt zu optimieren. „Dabei muss man auch im Blick haben, dass es Nebenstrecken gibt, die attraktiver gestaltet werden können.“

In der Bleckeder Landstraße teilen sich Radfahrer und Fußgänger einen schmalen Bürgersteig. Auch die Autos sausen dicht vorbei.

Dahlenburger Landstraße

24 Unfälle, an denen Radler beteiligt waren, hat es hier 2016 gegeben – mit vier Schwer- und 16 Leichtverletzen. Auch hier waren die meisten in Richtung Innenstadt unterwegs. Sieben Mal kam es zu fehlerhaftem Abbiegen, sechs Mal fuhren die Radler entgegen der Fahrtrichtung. „Drei sind bei Rot über die Ampel gefahren“, sagt Freudenberg. Burkhard von Roeder sieht dort immer wieder Autos, die abbiegen und dabei Radfahrer übersehen. Besonders an der Einmündung Pulverweg würden viele Autos oft erst mitten auf der Radspur zum Stehen kommen.

An dieser Stelle ist die Stadt in Abstimmung mit der Polizei bereits tätig geworden, sie hat ein Warnsignal eingerichtet und bauliche Veränderungen vorgenommen. Stadtauswärts wurde erst kürzlich ein Radfahrstreifen ausgewiesen. Das sei aufgrund der vielen Grundstückszufahrten ein Vorteil, sagt Moenck.“Die Radfahrer sind besser im Blick der Autofahrer.“ Auch in Fahrtrichtung Innenstadt soll bald etwas unternommen werden: Aufgrund der Platzverhältnisse könnte es eine Lösung auf dem Hochbord geben. Geld sei dafür bereits eingeplant, auch könnten vermutlich Landesfördermittel eingesetzt werden.

Bögelstraße

Auch am Krankenhaus-Kreisel wird oft gebremst. Radfahrer, die den Zebrastreifen überqueren und in Richtung Soltauer Straße fahren, werden häufig übersehen, sagt von Roeder, „eine unbefriedigende Situation.“ Auch die Stadt bewertet die Verkehrsführung dort als nicht optimal. Würde dort heute gebaut, sähe sie anders aus, betont Moenck. Gleichwohl seien Verbesserungen der vergangenen Jahren spürbar, beispielsweise eine blinkende Ampel, einen doppelten Zebrastreifen und eine geänderte Radwegeführung im Bereich der abknickenden Vorfahrt beim Klinikum.

Auch am Krankenhaus-Kreisel kommt es oft zu Vollbremsungen.

Schießgrabenstraße/Scharff-Kreuzung

Dass viele Radfahrer das Verbotsschild an der Schießgrabenstraße missachten, führt von Roeder darauf zurück, dass es keine Alternativen gebe. „Eigentlich müsste derjenige, der Richtung Scholze-Kreuzung fahren möchte, hinunter zum Lösegraben. Da muss man aber auch erstmal hinkommen.“ Die Rampen seien sehr steil, böten sich daher „eher nicht an“. Parkplätze an der Schießgrabenstraße zu entfernen, um den Radweg breiter zu gestalten, hielte er für eine gute Option.

„Dann hätte man auch nicht das Problem mit den Autotüren, die auf den Radweg ragen, wenn sie geöffnet werden.“ Die Stadt sieht dort zurzeit keinerlei Handhabe, im vorigen Jahr habe man bereits Verbesserungen für Radfahrer erreicht. Auch würden Teile des Weges am Lösegraben zurzeit gepflastert. Moenck sagt, dass man alternativ aber auch die Ilmenaustraße befahren könne.

Vor dem Neuen Tore

Wer von der Ritterakademie über die Neuetorstraße Richtung Reppenstedt fährt, muss einen schmalen Weg nutzen. Von Roeder: „Man wird Am Graalwall auf die andere Seite hinüber geleitet, dort gibt es einen gemeinsamen Fuß- und Radweg.“ Der sei keine zwei Meter breit, gefährdet würden dadurch vor allem Fußgänger. Das sieht auch die Stadt so. Moenck sagt, dass dort nach wie vor eine Engstelle sei, auch der Verkehrsausschuss hätte ausgiebig darüber diskutiert.

Nach der Haushaltsgenehmigung möchte die Stadt die Situation verbessern, in dem sie die Straßenlaternen aus dem Bereich des Geh- und Radweges versetzt. Die Stadt verweist auch auf alternative Routen: So finden gerade die letzten Arbeiten im Bereich des Schnellenberger Weges statt – „Teil einer sehr attraktiven Route von Reppenstedt nach Lüneburg ohne Ampeln und abseits der Landesstraße“.

Munstermannskamp/Uelzener Straße

„Für Radfahrer ist die Verkehrsführung verwirrend“, moniert von Roeder. Die Ampel habe kein Symbol für Radfahrer, dabei kämen dort viele radelnde Studenten entlang. „Das ist eigentlich eine schöne Strecke für Radfahrer abseits normalen Autoverkehrs.“ So sei die Situation aber unbefriedigend. Auch Moenck bewertet diesen Bereich als „nicht ganz unproblematisch“ – aber aus einem anderen Grund: „Das Befahren des nördlichen Radweges am Munstermannskamp ist nur stadtauswärts gestattet.“

Radler, die in dier falschen Richtung fahren und zudem den Fußgängerüberweg mit hoher Geschwindigkeit queren, hätten in der Vergangenheit häufig Probleme verursacht. Demnächst soll ein Austausch mit den Verkehrsverbänden und der Polizei zum Thema stattfinden. Die Stadt sei für alle Vorschläge offen, „sofern sie rechtlich konform sind“.

Von Anna Paarmann

Verhalten im Straßenverkehr – Tipps für Radfahrer

Antje Freudenberg rät den Radfahrern, stets bremsbereit zu sein, die Augen offen zu halten. Auch wenn man in bestimmten Situationen Vorrang habe, sollte man vorsichtig fahren. „Radfahrer haben schließlich keine Knautschzone.“ Gegenseitige Rücksichtnahme sei vor allem für das eigene Leben wichtig.

Auch rät die Pressesprecherin zu einer gelben Warnweste. „Viele sind im Dunkeln mit gedeckten Farben unterwegs, sind dadurch deutlich schlechter zu sehen.“ Eine leuchtende Weste könnte da helfen, „es macht Sinn das Geld zu investieren“.