Rebecca Büttner (v.l.), Helge Inselmann, Dominique Haas, Natalie May und Keike Niemann (nicht im Bild) wollen mit einer Speakers' Corner einen lebendigen Dialog in Lüneburg anregen.

Eine „Speakers‘ Corner“ in Lüneburg

Lüneburg. Sie stehen auf Trittleitern, Obstkartons oder Bierkisten am Rande des Hyde Parks und sprechen über ein Thema ihrer Wahl. In London hat die „Speakers‘ Corner“ seit mehr als 140 Jahren Tradition. Auch in Lüneburg soll eine solche Redner-Ecke eingeführt werden. Seinen Auftakt hat das Projekt am Sonnabend, 6. Mai, um 13 Uhr in der Grapengießerstraße.

Helge Inselmann organisiert die Speakers‘ Corner gemeinsam mit vier anderen Studenten der Leuphana, sie alle haben in ihrem Nebenfach Nachhaltigkeitswissenschaften ein Projektseminar belegt. Die Idee stammt von Helge, der 21-Jährige war in London, hat dort das Spektakel im Hyde Park miterlebt. „Ich war begeistert, jeden Sonntag ist da die Hölle los, jeder erzählt etwas.“ Die einzige Regel: Die Königin darf nicht beleidigt werden.

Studenten wollen sich vom Londoner Vorbild lösen

Die Lüneburger Studenten wollen sich bei der Umsetzung etwas vom Londoner Vorbild lösen. Helge erklärt, dass die Debattenkultur hier eine andere sei, deswegen habe man einige Redner eingeladen, „um das Ganze erstmal anzuleiern“. So kommt beispielsweise ein Polizist aus Kamerun, der sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, zudem Musikprojekte gegen Gewalt organisiert. Auch ein Geflüchteter aus Afghanistan ist eingeladen, ebenso ein Mitglied der Jungen Union. Und auch einige Kommilitonen der Organisatoren wollen auf das Podest treten.

Dabei steht die Interaktion im Vordergrund, neben einer selbstgebauten erhöhten Fläche aus Holzpaletten für die geladenen Redner gibt es auch ein Spontan-Podest. Als Thema haben die angehenden Politikwissenschaftler „Zusammenleben“ vorgegeben, was Redner und Publikum daraus machen, bleibt ihnen überlassen. „Die Zuhörer können sich jederzeit einklinken, uns geht es um einen spontanen Dialog“, sagt Helge. Er ist der Meinung, dass Menschen häufig in ihren „Meinungsblasen“ bleiben, eher übereinander als miteinander reden würden. „Dabei sollte man doch die unterschiedlichen Positionen kennenlernen.“

Bis September möchten die Studenten das Projekt erstmal selbst vorantreiben

Verstärkt werde diese Entwicklung durch die digitalen Medien. „Dort werden schnell mal Hass-Kommentare geschrieben, weil die Schwelle niedrig ist. Wir hoffen, dass das Publikum bei der Speakers‘ Corner respektvoll miteinander umgeht“, sagt der Student, schließlich sei das „das echte Leben“.

Um eine breite Masse zu erreichen, haben sie die Innenstadt als Veranstaltungsort ausgewählt. Ihr Ziel ist es, dass sich die Speakers‘ Corner eines Tages in Lüneburg etabliert und quasi von allein stattfindet – wie in London. Bis September möchten die Studenten das Projekt erstmal selbst vorantreiben, einmal im Monat zu einer Redner-Ecke einladen.

Von Anna Paarmann