Eigentlich wollte Coca-Cola bei der Mess-Stelle südlich von Vögelsen noch einen Brunnen für die Produktion des Mineralwassers Vio bohren.

Vio sagt Brunnenbohrung vorerst ab

Vögelsen. Der Getränkehersteller Coca-Cola nimmt Abstand von seinen bisherigen Brunnenplänen am südlichen Ortsrand von Vögelsen. „Wir wollen ein Signal setzen, dass wir die Sorgen und Nöte der Vögelser ernst nehmen“, sagt Marlen Knapp, Referentin Kommunikation bei „Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH“ in Berlin. Einer der Hauptkritikpunkte aus der Bevölkerung war die Nähe des Brunnenstandortes zur Wohnbebauung: „Wir ziehen den entsprechenden Antrag zur Gestattung eines Brunnenbaus für diesen Standort zurück,“ so Knapp. Bürgermeisterin Silke Rogge begrüßt diesen Schritt. Gleichwohl hat sich das Thema damit aber nicht erledigt. Denn der Getränkehersteller wird seine Suche in der Nähe fortsetzen.

Eigentlich waren die Coca-Cola-Vertreter hellauf begeistert von dem Grundwasserleiter, den sie bei Vögelsen in einer Tiefe von rund 200 Metern aufgetan hatten. Bis zu 350.000 Kubikmeter Grundwasser wollte der Konzern dort entnehmen, um die Produktion des Mineralwassers Vio im Werk in Lüneburg-Goseburg zu verdoppeln. Doch die negativen Reaktionen aus der Bevölkerung, die die Konzernvertreter bei einer Ratssitzung im Februar miterlebt hatten, haben offensichtlich lange nachgewirkt.

Knackpunkt blieb die Furcht der Anwohner

Der Konzern hatte zuletzt auch eine Hotline sowie eine E-Mail-Adresse eingerichtet, um weitere Fragen und Anregungen entgegenzunehmen. „Doch das wurde kaum angenommen“, sagt Knapp. Der Bedarf nach einem Dialog sei kaum vorhanden gewesen, deshalb wurde auch auf eine angekündigte Infoveranstaltung verzichtet.

Knackpunkt blieb die Furcht der Anwohner, dass durch schweres Gerät beim Bau des Brunnens sowie durch die Wasserförderung Risse und Senkungsschäden an ihren Häusern entstehen könnten. Knapp: „Das wurde zwar von einem unabhängigen Hydrogeologen faktisch ausgeschlossen, trotzdem wollen wir ein Signal setzen und ziehen uns vom Standort zurück.“ Die direkten Anwohner im Dachsring und Igelweg seien bereits per Flyer informiert worden.

Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge sagt: „Wir als Rat haben erstmal keine Verpflichtung mehr, über einen Pachtvertrag für den Brunnenbau zu beschließen. Ich begrüße es sehr, dass die Firma die Sorgen der Bewohner erkannt hat.“

Suche nach einem neuen Standort

Knapp: „Aktuell prüfen wir – unter Berücksichtigung bestehender Wohn- und geplanter Neubaugebiete – mögliche alternative Standorte, unter anderem auch im Raum Vögelsen.“ Es werde zwei Wochen dauern, einen neuen Suchraum festzulegen. Knapp: „Es ist eine Option, dass wir in der näheren Umgebung bleiben werden.“ Bei der Suche nach einem neuen Standort soll zudem auf Erkenntnisse der bereits bestehenden acht Dreifachmessstellen zurückgegriffen sowie weitere Erkundungen durchgeführt werden.“

Bürgermeisterin Rogge: „Wir können als Gemeinde die weiteren Schritte jetzt nur abwarten.“ Aber: “Wir jedenfalls können Coca-Cola keine öffentliche Fläche anbieten, die nicht in der Nähe von Wohnbebauung liegt.“ Als Option bliebe eine andere Gemeinde oder Privatgrund.

Von Dennis Thomas

Kontakt

Hotline bleibt aktiv
Coca-Cola sucht weiterhin den Austausch mit allen Beteiligten und am Brunnenprojekt Interessierten. Dafür bleiben Hotline und E-Mailadresse für Fragen und Anregungen aktiv: brunnenbau@cceag.de oder telefonisch unter (0800) 3304530.

 

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