Eine Grabstätte ist – je nach Ausführung – nicht ganz billig. Wenn den Angehörigen eines Verstorbenen die finanziellen Mittel dafür fehlen, springt die Kommune ein. In Lüneburg ist das etwa 40 Mal pro Jahr der Fall. foto: A/t&w

Der Tod als Kostenfrage

Lüneburg. Am 2. Januar starb die Lüneburgerin, bis heute ist sie nicht bestattet. Sie wurde eingeäschert, die Asche steht seitdem beim Bestatter. Der Sohn ist traurig: „Ich habe keinen Ort, um zu trauern.“ Das Sozialamt der Stadt sei zuständig, doch seinem Empfinden nach dauert alles sehr lange. Im Rathaus hingegen heißt es, die Unterlagen seien erst nach mehr als zwei Monaten eingegangen – und auch dann unvollständig.

Acht Tage vom Tod bis zur Bestattung

Die Verhältnisse sind nicht ganz einfach: Der Sohn der Toten hat nicht genug Geld, um die Bestattung seiner Mutter zu bezahlen. Laut Sozialdezernentin Pia Steinrücke springt deshalb die Kommune ein. „Wir prüfen aber, ob es Angehörige gibt, die wir in die Pflicht nehmen können.“ Gibt es mehrere Kinder oder Geschwister, die für die Kosten aufkommen müssen? Sei dies nicht der Fall, springe die Stadt ein. Dabei gebe es finanzielle Grenzen, alles muss kostengünstig sein.

Das Bestattungsgesetz sagt, dass ein Mensch acht Tage nach seinem Tod unter die Erde kommen soll. Soll – darauf weist die Sozialdezernentin besonders hin, denn es gelte, vorab Formalien zu klären. In der Regel werde der Leichnam eingeäschert, berichtet Pia Steinrücke. „Wenn der Wille des Verstorbenen bekannt ist und er etwas anderes wünschte, ist auch das möglich.“ Also eine Erdbestattung.

Nun ist nicht immer klar, wer alles zu den Hinterbliebenen gehöre, also werde über Meldebehörden nach Verwandten gesucht. „Es geht um eine ethische und eine hygienische Frage“, sagt die Dezernentin. Die Stadt wolle nicht, dass die Leichen lange liegen, bis sie beerdigt werden. Doch offensichtlich kann es dauern, wie der Fall der Lüneburgerin und ihres Sohnes zeigt.

Angemessener Abschied als Ziel

Der räumt ein, dass er sein Leben nicht allein in den Griff bekommt: „Ich habe jetzt eine Betreuerin, das ist auch notwendig.“ Vielleicht liegt hier auch ein Grund, dass alles nicht so schnell geht.
Beim Bestatter erklärt ein Mitarbeiter: „Solche Fälle haben wir häufiger. Wir gehen in Vorleistung und holen uns die Kosten dann vom Sozialamt wieder.“ Immer wieder komme es vor, dass Unterlagen nicht komplett seien: „Wenn die Hinterbliebenen nicht handeln, geht es nicht voran.“

Besonders misslich sei es, wenn das Sozialamt eine Kostenübernahme ablehne, weil es der Meinung ist, dass zum Beispiel die Kinder für die Kosten aufkommen. Wenn die sich aber nicht kümmern, „hängen wir in der Luft“. Das kann teuer werden, denn die Bestatter lassen die Leiche einäschern, weil natürlich ein Verwesungsprozess einsetzt.

Die Stadt ist in Gesprächen mit Bestattern und Kirchen, um für einen angemessenen Abschied zu sorgen, etwa durch eine Trauerfeier. Zudem will Pia Steinrücke auch bei ungeklärten Fragen schneller reagieren: „Es soll nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern, bis jemand beigesetzt wird.“ Im Zweifel müsse die Kommune sehen, dass sie sich ihr Geld im Nachhinein von Hinterbliebenen hole.

Von Carlo Eggeling

Sozialbestattungen

Laut Sozialdezernentin Pia Steinrücke kommt es im Jahr zu rund 40 Sozialbestattungen. Dann zahlt die Stadt die Beisetzung, weil die jeweilige Familie zu arm ist. Daneben gibt es auch eine ordnungsrechtliche Beisetzung. Die tritt dann ein, wenn tatsächlich keine Angehörigen bekannt sind. Hier geht es um den hygienischen Aspekt: Denn von einer Leiche geht durch die Zersetzung eine gesundheitliche Gefahr aus.

Um der zu begegnen, sorgt das Ordnungsamt dafür, dass der Leichnam beigesetzt wird. Hier geht es um das günstigste Angebot. Eine Trauerfeier ist nicht vorgesehen – obwohl es ja durchaus Freunde und Bekannte geben kann, in der Nachbarschaft oder wenn jemand in einer Obdachlosenunterkunft gelebt hat. 70 solcher ordnungsrechtlichen Beisetzungen gab es in Lüneburg im vergangenen Jahr.