Sonntag , 25. Oktober 2020
Diese neuen roten Schilder weisen die begehbaren Bereiche im Schutzgebiet C aus. Anhand der Karte, die man im Internet findet, kann man sich auch vorab informieren. Foto: cw

Hittbergen: Oasen im Schutzgebiet

Hittbergen. Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue ist ein Traum für Naturliebhaber. Endlose Kilometer fast unberührter Natur entlang des träge dahin strömenden Flusses. Kein Wunder, dass Anwohner und Touristen diese Schönheit nutzen wollen. Seit Einrichtung des Biosphärenreservates vor mehr als 15 Jahren schwelt der Interessenskonflikt zwischen Nutzern und Naturschützern. Immer wieder finden sich am Strand Lagerfeuerstellen oder Müll. Polizeireiter patrouillieren regelmäßig am Elbstrand, um schwarze Schafe ausfindig zu machen.

Vergangenes Jahr erreichte der Konflikt bei einer Info-Veranstaltung in Bullendorf einen Höhepunkt. „Es herrschte eine sehr gereizte Stimmung, vor allem bei den Sportbootfahrern“, erinnert sich Hittbergens Bürgermeister Alfred Ritters. „Die Bereiche, die sie gern nutzen, sind verboten, Stellen, die erlaubt sind, völlig überwuchert.“

Die Biosphärenreservatsverwaltung hat deshalb für die neue Saison Bereiche extra ausgeschildert, die auch im streng geschützten Gebietsteil C betreten werden dürfen. „Diese Flächen hat es schon immer gegeben, aber sie hießen früher anders und wurden auch nicht gesondert beschildert“, sagt Dr. Franz Höchtel von der Verwaltung. Auf der Internetseite des Biosphärenreservates sind Karten hinterlegt, die die Bereiche kennzeichnen, der Flyer „Fair zur Natur“ zeigt Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung auf.

Wer zu Fuß unterwegs ist, kann Glück haben und die Schilder finden – vom Wasser aus sind sie aber nicht erkennbar. „Da muss man sich vorher eine Karte besorgen“, sagt auch Höchtel. Die verlangt ihren Lesern viel Vorstellungsvermögen ab, wenn sie sich in einem ihnen fremden Gelände daran orientieren wollen. „Wir hoffen, dass die Leute sich daran halten“, so Höchtel. Ansonsten sind seit Anfang Mai auch wieder die Polizeireiter unterwegs, die Ordnungsgelder verhängen können (LZ berichtete).

Das findet auch Ritters gut so. „Das ist nun mal eine schöne Ecke, in der wir wohnen“, so Ritters. „Ich bin froh, dass die Reiter schwarze Schafe kontrollieren.“ Allerdings sieht er die Lösung für den andauernd schwelenden Konflikt an anderer Stelle: „Es wäre wunderbar, wenn wir einige Stellen einfach tauschen könnten“, erklärt er. Die überwucherten, nicht nutzbaren Bereiche schützen und wenigstens einige schöne Sandstrände freigeben – das ist die Hoffnung Ritters’. Derzeit sei man mit der Verwaltung darüber im Gespräch. Der Bürgermeister ist sicher: „Mit so einem Tausch wäre der Widerstand der Anwohner schnell gebrochen.“

Von Claudia Wesch