Ziad K., heute 33 Jahre alt, nimmt erneut auf dem Anklagestuhl im Landgericht Platz. Er war bereits zu lebenslänglich verurteilt worden, erreichte beim Bundesgerichtshof aber die Neuauflage. Foto: A/phs

Kaltenmoorer Doppelmord erneut ein Fall fürs Gericht

Lüneburg. Der Kaltenmoorer Doppelmord, bei dem der damals 31-jährige Ziad K. seine 32-jährige Ehefrau und deren 33 Jahre alte Freundin niederstach, gilt als eine der grausamsten Taten in der Lüneburger Kriminalgeschichte. Jezt wird der Prozess neu aufgerollt, die 1. große Strafkammer am Landgericht verhandelt von Freitag, 5. Mai, an.

Wegen der Tat am 4. Januar 2015 in seiner Wohnung an der Adolf-Reichwein-Straße wurde der Mann bereits im September 2016 von der 10. großen Strafkammer am Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Kammer bejahte auch die besondere Schwere der Schuld, danach kann K. nicht schon nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden. Dieses Urteil allerdings hatte der Bundesgerichtshof (BGH) im Dezember 2016 gekippt, die Karlsruher Richter sahen bei den Lüneburger Kollegen einen Rechtsverstoß. Der Vorsitzende Richter hatte die zwölfjährige Tochter des Angeklagten in einem seperaten Raum vernommen, das Gespräch wurde live in den Gerichtssaal übertragen – aus Sicht des BGH hätte der Richter aber während des gesamten Prozesses im Gerichtssaal anwesend sein müssen.

Die 10. große Strafkammer ging in ihrem Urteil von folgendem Geschehen aus: Der gebürtige Iraker Ziad K. und seine Frau, beide Kurden jesidischen Glaubens, starteten eine holprige Ehe, Liebe wuchs erst später, auch durch die Geburt von drei Kindern. Doch die Frau wollte Freiheiten für sich gewinnen, eigenständig werden. So machte sie etwa ihren Realschulabschluss, eine Berufsausbildung aber durfte sie nicht absolvieren, der Mann verhinderte das. Sie freundete sich mit einer Christin an, Ziad K. sah diese weltoffene Lüneburgerin als Bedrohung, ein Übertritt zum Christentum kam für den Jesiden nicht infrage.

Im anvisierten Ablegen des Jesidentums und dem Selbstbewusstsein der Ehefrau sahen die Richter den Grund für die Gewaltexplosion am 4. Januar 2015: K. besuchte mit seiner Frau und deren Freundin den Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde und lud die Christin noch für diesen Tag in seine Wohnung ein. Als sie kam, sperrte der 32-Jährige seine Frau im Bad ein, griff sich ein Küchenmesser und stach die arglose Christin im Wohnbereich nieder. Sie starb an den Folgen der Stiche. Dann nahm er sich ein zweites Messer und rammte es seiner Frau im Bad in den Körper. Rund 40 Mal stach er auf beide Opfer ein. Zwischendurch wimmelte er Nachbarn ab, die Hilfeschreie gehört hatten und an der Wohnungstür fragten, ob etwas nicht in Ordnung sei.
Direkt nach der Tat setzte sich Ziad K. aus Lüneburg ab, wurde aber Tage später von Lüneburger Zielfahndern ausfinding gemacht und verhaftet.

Die 1. große Strakammer hat für die Neuauflage des Prozesses zunächst acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 28. Juni gesprochen werden.

Von Rainer Schubert