Thomas Pohle (r.) schlüpft in mehrere Rollen: Er spielt den kleinen Jungen, der zum Großvater heranwächst und eines Tages stirbt. Die Erstklässler der Heiligengeistschule lauschen gespannt. Fotos: t&w

Kindertheater lehrt: Der Tod gehört dazu

Lüneburg. Ein Seemannsjunge, der die Crew auf dem Schiff stets mit seiner Akkordeon-Musik begeistert, wird zum Steuermann und alsbald auch zum Kapitän ernannt. Monatelang ist er weit weg von zu Hause, vernachlässigt seine Familie. Als sein Schiff eines Tages kentert, die gesamte Mannschaft ertrinkt, möchte er nur zu Frau und Kind zurück. Seine Abenteuer leben weiter, Jahre später erzählt er sie noch seinen Enkelkindern. Und dann geht der Großvater auf seine letzte große Reise. Es ist ein Stück über den Tod – für Kinder.

Thomas Pohle vom Wunderland-Kindertheater hat es jetzt in der Trauerfeierhalle des Bestattungshauses Pehmöller aufgeführt vor 55 Erstklässlern der Heiligengeistschule. „Ich möchte den Kindern mit diesem Stück vermitteln, dass der Großvater stirbt, der Tod aber zum Leben dazugehört“, erklärt er. Seine Erfahrung zeige, dass Kinder häufig wesentlich unbefangener mit dem Thema umgingen als Erwachsene. Er sollte recht behalten: In der Halle herrschte keineswegs betrübte Stimmung. Es wurde gelacht, gekreischt und geflüstert. Einige Schülerinnen in der letzten Reihe sprachen aber auch über ihre Großväter.

Dass man in dem Alter durchaus schon mit dem Tod konfrontiert wird, weiß Trauerberater Detlef Querbach. Er hält es deshalb für wichtig, dass sich auch schon Grundschüler mit dem Thema auseinandersetzen. „Manchmal stirbt da die Oma oder der Opa, so kann man die Kinder besser darauf vorbereiten.“

Lehrerin Jana Eigenfeld hat das Theater schon mit mehreren ersten Klassen besucht. Sie sieht das Stück als Unterstützung, schließlich seien die Themen Leben und Tod im Lehrplan in der Grundschule vorgesehen. „Das ist ein schönes Stück, es greift das Thema in einer spielerisch lustigen Weise auf“, sagt die Klassenlehrerin. „Es gibt darin keinen Moment, in dem man traurig ist.“ Auch auf dem Rückweg habe sie die Sechs- bis Siebenjährigen stets als fröhlich erlebt. Im Unterricht wird das 50-minütige Theaterstück nochmal thematisiert. ap