Montag , 26. Oktober 2020
Noch bis Ende Juni hat der Eigentümer Zeit, den Schutt des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber zu sortieren und zu beseitigen. Foto: dth

St. Dionys: „Die Planungsziele der Gemeinde haben sich erledigt“

St. Dionys. Neue Wendung im Ringen um die Bebauung im Ortskern von St. Dionys: Die verhängte Veränderungssperre im Bereich des im Januar abgerissenen ehemaligen Gasthauses Fehlhaber wird aufgehoben und der in Vorbereitung befindliche Bebauungsplan Nr. 4 „Frankenweg Süd“ zudem wieder einkassiert. Das hat der Gemeinderat Barum bei seiner öffentlichen Sitzung am Mittwochabend im Vereinshaus des Schießclubs Barum einstimmig beschlossen. Pikant: Mit der Veränderungssperre wollte der Rat eigentlich das alte Gasthausgebäude bewahren. Stattdessen bewirkte es das Gegenteil: Der Eigentümer riss das Gebäude zügig ab, bevor die Sperre rechtskräftig wurde (LZ berichtete). Mit dem Verzicht auf den Bebauungsplan wird zudem die Weide im hinteren Bereich nun doch kein Bauland mehr. Dabei hatte Projektentwickler Udo Barth ursprünglich fest damit gerechnet.

Zur B-Plan-Beerdigung sagte Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck: „Die Planungsziele der Gemeinde haben sich erledigt, nachdem das ehemalige Gasthaus Fehlhaber abgerissen worden ist. Zusätzlich hat uns eine Bauvoranfrage der Grundstückseigentümer in dieser Auffassung bestärkt.“

Eigentümer Eberhard Manzke war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. Ebenso wenig Projektentwickler Udo Barth. Doch nach LZ-Informationen haben die beiden Geschäftspartner schon wenige Tage vor der Ratssitzung eine Bauvoranfrage an den Kreis Lüneburg gestellt. Dabei hatten sie offenbar schon Wind davon bekommen, dass der vorgesehene B-Plan im Papierkorb landen würde. Denn in der Bauvoranfrage spielt das Weidegrundstück schon keine Rolle mehr. Dabei hatte Projektentwickler Barth das zusätzliche Bauland als Refinanzierungsmöglichkeit gesehen, um das denkmalgeschützte Fachwerkhaus im Gotenweg 1 zu sanieren, das zuletzt im Besitz seiner „Gut St. Dionys Unternehmergesellschaft“ (UG) war. Doch die UG wurde kürzlich umgewandelt und neu ausgerichtet.

Wie jüngst den Handelsregisterveröffentlichungen zu entnehmen war, wurde die Gut St. Dionys Unternehmergesellschaft umgewandelt in eine gleichnamige GmbH, das Stammkapital wurde von 500 Euro auf 50 000 Euro erhöht und der Lüneburger Geschäftsmann Eberhard Manzke als Geschäftsführer bestellt. Gesellschaftssitz bleibt Barths Wohnadresse in St. Dionys.
Für die Bauvoranfrage treten nun offziell zwei Bauherren auf: Zum einen die Gut St. Dionys GmbH, die weiterhin das Fachwerkhaus im Gotenweg 1 sanieren will, aber auch das benachbarte, kleine ehemalige Stallgebäude abreißen lassen möchte, um Platz für ein zusätzliches Einfamilienhaus in „ortstypischer Bauweise“ zu schaffen.

Als zweiter Bauherr tritt die Manzke Besitz GmbH und Co. KG mit Sitz in Volkstorf auf. Sie schlägt auf dem Areal des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber Ecke Karl-der-Große-Straße/Gotenweg zwei Varianten vor: Entweder den Bau von vier Einfamilienhäusern – eineinhalbgeschossig, bevorzugt mit Fachwerkfassade – oder von drei Häusern, plus die Wiedererrichtung der Fachwerkscheune, die auf dem Nachbargrundstück 2015 abgebrannt war.

Da kein gültiger Bebauungsplan mehr zu erwarten ist, müssen sich neue Gebäude vor allem in die vorhandene Eigenart der Umgebung einfügen, heißt es. Laut Kreissprecher Hannes Wönig müsse die Gemeinde zunächst ihr Einvernehmen zu der Bauvoranfrage erteilen, bevor es zur Prüfung an den Landkreis als Genehmigungsbehörde geht. Vor der Barumer Ratssitzung hatte sich der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss mit dem Thema befasst. Auf LZ-Nachfrage sagte Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck: „Wir werden weitestgehend unser Einvernehmen erteilen für eine Baureihe entlang der Straße Gotenweg und Karl-der-Große-Straße. Wir sind aber gegen die Eröffnung einer zweiten Baureihe.“ Damit fiele ein Einfamilienhaus weg.

Von Dennis Thomas