Freitag , 2. Oktober 2020
So soll die geplante Arena Lüneburger Land aussehen. Grafik: bocklage + buddelmeyer gmbh

Arena Lüneburger Land: Kreistag steht zum Bau

Lüneburg. Die Mehrheit der Politiker will die neue Halle, sie ist auch dafür, dass der Landkreis als Bauherr auftritt. Dass ein privater Investor wieder übernimmt, sei für sie keine Option. Trotzdem sind noch viele Fragen offen. Kritische Stimmen kommen noch immer von FDP und AfD. Das zeigt eine Meinungsumfrage der LZ unter den jeweiligen Vorsitzenden der Fraktionen und Gruppen im Kreistag. Die entscheidende Sitzung ist für den 19. Juni angesetzt, da könnten die Kreistags-Politiker das Projekt „Arena Lüneburger Land“ endgültig auf den Weg bringen.

Von Anna Paarmann

Alexander Blume (CDU): Wir stehen zu unserem politischen Ziel einer Sport- und Veranstaltungshalle. Wir sehen in einer solchen Halle eine für die weitere Entwicklung der Region Lüneburg wichtige Infrastruktureinrichtung. Vor einer abschließenden Entscheidung benötigen wir (nach wie vor) Informationen, z.B. über die voraussichtlichen Kosten, Betriebskostenrisiken, Finanzierungsmöglichkeiten, die Auswirkungen auf die kommenden Kreishaushalte und auch eine Einschätzung der Verwaltungsleitung zur Tragfähigkeit der Kosten und Risiken. Wichtige Informationen dürften die bevorstehenden Gespräche des Ersten Kreisrates mit den Bietern/potenziellen Betreibern bringen. Wenn alle Informationen auf dem Tisch liegen, werden wir sie – wie alle anderen Fraktion auch, wie ich annehme – beraten.
Franz-Josef Kamp (SPD): Es ist wichtig, dass der Landkreis als Bauherr auftritt. Ein privater Investor möchte nur sein Geld verdienen. Finanziell leistbar ist es nur dann, wenn es der Landkreis in die Hand nimmt. Wir gehen davon aus, dass das Grundstück noch im Mai gekauft wird, der Kreistag die weiteren Pläne im Juni verabschiedet. Denn wir wollen die Halle und wir wollen sie möglichst schnell. Für das Veranstaltungsmanagement braucht es einen Profi, aber da gibt es gute Bewerbungen. Es wird vermutlich am Ende schwer, sich zu entscheiden. Die Pläne haben sich jetzt von einer Sport- hin zu einer Veranstaltungshalle entwickelt, in der natürlich auch Sport möglich ist. Trotzdem ist das ein großer Unterschied, deshalb musste man beispielsweise beim Brandschutz nochmal nachrüsten. Wir haben aber mittlerweile den Eindruck, dass Fragen bezüglich der Park- oder Verkehrssituation geklärt sind, deshalb ist unsere Stimmung gut.
Petra Kruse-Runge (Grüne): Wir Grünen stehen zu der Arena und dem angestrebten Ziel, für den Landkreis Lüneburg eine angemessene Eventhalle zu errichten. Der Landkreis und die Stadt Lüneburg sind seit langem und ungebrochen attraktive Zuzugsregion. Hier hält das kulturelle und sportliche Angebot aus unserer Sicht derzeit nicht mit, das heißt bestimmte Veranstaltungsformate sind nicht realisierbar. Eine Entlastung im Schulsportbereich wäre ebenso weiter sehr wünschenswert. Viele Planungsschritte sind bereits erfolgt. Angesichts des Investitionsvolumen erwarten wir zur Risikominimierung Gründlichkeit vor Schnelligkeit bei der weiteren Planung. Wir hoffen, das die schlussendlichen Verträge in ihrer Ausformulierung insbesondere bezüglich der Kostenverteilung und der Nutzungsrechte bis zum Frühsommer zustimmungsfähig vorgelegt werden.
Frank Stoll (Linke): Wir warten die weitere Entwicklung ab, geben eine endgültige Entscheidung erst ab, wenn wir zum Beispiel wissen, wie die Gespräche mit den Betreiber-Bewerbern ablaufen und wie der Vertrag mit Sallier aussieht. In der Fraktion wird das Thema kontrovers diskutiert. Unsere Position ist aber nach wie vor, dass Lüneburg die Halle braucht – aber nicht als PPP-Projekt, nicht zu jedem Preis und allen Bedingungen. Wir sehen durchaus auch noch kritische Ansatzpunkte, sind aber dennoch zu 100 Prozent dafür, dass der Landkreis das Projekt stemmt.
Gisela Plaschka (FDP/Unabhängige): Die Abstimmung zur Arena war innerhalb unserer Gruppe zur letzten Kreistagssitzung frei gegeben. Es musste also jeder in sich gehen und Gefühl und Gewissen sprechen lassen. Ich habe auf der letzten Kreistagssitzung gegen die Arena gestimmt und bin dafür auch ziemlich kritisiert worden. Für mich war das Ganze aber noch nicht in trockenen Tüchern und konzeptionell unausgegoren. Es hieß bis dahin immer Sport- und Eventhalle und kurz vor der letzten Kreistagssitzung dann nur noch Eventhalle. Und so schleppend wie die Angelegenheit vorangetrieben wird, sehe ich auch jetzt noch nicht, dass wir diese Halle realisieren können. Ich bin grundsätzlich für eine solche Halle, möchte aber erstmal wissen, wie sie finanziert werden soll, welche Folgekosten entstehen werden, wie die Verkehrsströme laufen sollen, wie die Auslastung aller Wahrscheinlichkeit aussehen wird und insbesondere möchte ich wissen wie hoch der Anteil von möglichen Events sein wird. Ursprünglich sollten ja die Volleyballer sowie Schul- und Vereinssport gefördert werden und mögliche Events eher nebenbei laufen. Anscheinend geht es jetzt aber eher um eine Art Barclaycard-Arena in klein. Ich frage mich auch, ob man in Lüneburg mit der Arena überhaupt Geld verdienen kann.
Stephan Bothe (AfD): Wir haben uns bereits in der letzten Kreistagssitzung klar gegen das Projekt gestellt, weil alles so eingetreten ist, wie wir es geahnt haben. Die spätere Nutzung ist unklar, die Kosten explodieren schon vor dem ersten Spatenstich. Wir liegen jetzt schon bei 15 Millionen Euro, wo soll das enden? Das aktuelle Chaos haben Landrat, CDU und SPD zu verantworten. Ich bin mir nicht mal sicher, ob der Beschluss am 19. Juni gefällt werden kann. Der Baufortschritt ist minimal. Grundsätzlich waren wir immer bereit, an dem Projekt mitzuarbeiten, wir sehen auch, dass Lüneburg eine Stadthalle braucht. Aber das hat sich in die völlig falsche Richtung entwickelt.