Margret Franke mit den Überresten ihres Gewächshauses, das offenbar dem Druck der Rotorblätter von Bundeswehr-Hubschraubern nicht gewachsen war. Foto: kre

Neestahl: Gewächshaus im Tiefflug abgeräumt?

Nahrendorf. Auf den Anbau von Tomaten und Gurken muss Margret Franke in diesem Frühjahr verzichten. Schuld daran ist aus ihrer Sicht die Bundeswehr – genauer gesagt die Heeresflieger aus Faßberg. Die übten Anfang April mit ihren neuen NH-90-Hubschraubern den Nachttiefflug – und flogen dabei auch über Haus und Garten der Neestahlerin. Mit Folgen: Denn dem Druck der Rotorblätter hielt ihr 3 Meter mal 8 Meter großes Gewächshaus nicht stand.

Schaden soll beglichen werden

In hohem Bogen wurde es aufgewirbelt und zur Seite geworfen. „Obwohl es an den Seiten eingegraben, an Metallstäben verankert und in der Mitte sogar noch verstärkt worden war“, sagt Margret Franke. Jetzt erinnert an den nächtlichen „Hubschrauber-Angriff“ auf das Tomaten- und Gurkenhaus nur noch ein verbogenes Gestänge. Die Neestahlerin will den entstandenen Schaden – 135 Euro – bei der Truppe geltend machen – und muss verärgert feststellen, dass das gar nicht so einfach ist.

„Dass die Bundeswehr üben muss, dafür habe ich ja Verständnis“, sagt Margret Franke. „Aber wenn sie dabei etwas kaputt macht, dann sollte sie den Schaden auch ersetzen“, findet die gelernte Floristin und zeigt traurig auf die verbogenen Metallstangen, die noch immer auf ihrer Scholle liegen. Franke hat einen Brief an das Bundesamt für In­frastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn geschrieben, den Vorfall mit ihren Worten geschildert und höflich um Begleichung des Schadens gebeten. „Ich will mich ja nicht an der Bundeswehr bereichern, ich will mir nur ein neues Gewächshaus kaufen“, sagt die Rentnerin. Wo sonst sollten Salat und Tomaten in ihrem Garten wachsen?

Geschädigte muss Nachweis erbringen

Das Bundesamt hat der Rentnerin auch geantwortet. Bürokratisch korrekt wurde die Angelegenheit mit einem Aktenzeichen versehen, das Margret Franke bei weiterem Schriftverkehr künftig mit angeben muss. „Um Ihren Antrag weiter prüfen zu können, benötige ich Nachweise zur Verursachung des Schadens durch ein Luftfahrzeug der Bundeswehr“, schreibt ein Regierungsdirektor Reinhardt, der den Fall bearbeitet – „beispielsweise durch Fotos oder Zeugenaussagen“. Und der Regierungsdirektor vergisst in dem amtlichen Schreiben mit dem Bundesadler im Briefkopf auch nicht, Margret Franke darauf hinzuweisen, dass sie im „Hinblick auf die Verursachung des Schadens durch ein Luftfahrzeug der Bundeswehr darlegungs- und beweispflichtig“ sei.

Das Behördendeutsch verunsichert die Neestahlerin. Nicht nur, dass die Hubschrauber-Piloten ihr Gewächshaus im Tiefflug zerlegten, „das Amt scheint auch an meiner Ehrlichkeit zu zweifeln“. So zumindest deutet die Rentnerin das Schreiben. Fotos vom tieffliegenden Hubschraubern habe sie natürlich nicht, denn erstens war es dunkel und zweitens: „Wer denkt schon an so etwas?“ Aber auch die Nachbarn haben den „Angriff“ der Hubschrauber an diesem windstillen Abend mitbekommen: „Das war mächtig laut. Man hatte den Eindruck, dass die im Tiefstflug kreisen“, bestätigt ein Nachbar über den Zaun.

Die LZ hat recherchiert: In der Tat waren am besagten Abend Hubschrauber der Heeresflieger aus Faßberg im Raum Lüneburg/Dahlem unterwegs. Das bestätigt Hauptmann Maik Bugenhagen vom Luftfahrtamt der Bundeswehr. „Sag ich doch, ich lüge doch nicht“, empört sich Margret Franke, die nur eines möchte – ihre 135 Euro für ein neues Gewächshaus. Damit auch die Tomaten und Gurken künftig wieder ein Dach über ihren Blättern haben.

Von Klaus Reschke

Bundeswehr registriert

2500 Fälle Rund 2500 Mal wurden alleine im vergangenen Jahr Schadensersatzansprüche beim „Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr“ geltend gemacht, erklärt ein Sprecher auf Nachfrage.

Die Schadenssummen reichen seinen Worten zufolge von Kleinbeträgen, zum Beispiel Kratzer im Autolack, bis zu fortlaufend aufwachsenden Millionenbeträgen, die zum Beispiel als Rentenleistungen bei Personenschäden entstehen. Fälle die als unbegründet abgelehnt weden, würden vom Amt nicht erfasst.