Sonntag , 20. September 2020
Armin Paul Hampel war Hauptredner bei der AfD-Veranstaltung im Glockenhaus. Die Polizei sicherte ihm den Zugang. Foto: t6w

Düstere Stimmung im Glockenhaus

Lüneburg. In Deutschland und Europa läuft einiges falsch, wenn man den Worten von Armin Paul Hampel Glauben schenken mag. Hampel ist Spitzenkandidat der Niedersachsen-AfD für die kommende Bundestagswahl und war Hauptredner der Informationsveranstaltung, zu der die Lüneburger AfD am Mittwochabend ins Glockenhaus eingeladen hatte. Und der servierte, kurz gesagt, so eine Art deutsche Variante von Donald Tumps „America first“-Kurs.

Draußen wurde protestiert, drinnen vor rund 40 Zuhörern – AfD-Mitglieder und -Sympathisanten ebenso wie junge Kritiker – beschwor Hampel den Zusammenhalt in Europa und warnte vor den Gefahren eines erstarkenden Großkapitals. Und er beleidigte die Generation der jetzt 20- bis 30-Jährigen, die aus seiner Sicht für die Gesellschaft nicht mehr zu gebrauchen sei. „Mit Ihnen kann man nichts mehr anfangen!“, schleuderte Hampel den knapp zehn Zuhörern entgegen, die während der Rede des Spitzenkandidaten ihrem Unmut über dessen Äußerungen freien Lauf ließen.

„Mit Heiopei und Fähnchenschwenken kommen Sie nicht weiter. Das Leben ist Kampf. Nehmen Sie es an oder gehen Sie unter“, war die kalte Botschaft, die Hampel an alle Zuhörer sendete. Deutschland ruhe sich seit Jahren auf seinen Erfolgen aus, ein Verhalten, das nicht ohne Konsequenzen bleibe.

Überhaupt war das Bild düster, das der AfD-Politiker vom Zustand Europas und Deutschlands zeichnete. So verschiebe das internationale Großkapital ganze Völker als billige Arbeitskräfte auf den globalisierten Märkten, die Einführung des Mindestlohns bezeichnete er als „Kapitulation der Gewerkschaften“. Statt mit Billiglohnländern wie China zu konkurrieren, müsse Deutschland sich wieder auf seine Stärken konzentrieren, die er vor allem im Mittelstand sehe. Deutsche Standards dürften nicht auf den internationalen Märkten geopfert werden. Deshalb müssten der Freihandel eingeschränkt und die Strukturen der EU verändert werden, „an Haupt und Gliedern“. Migration schade Deutschland nicht, sie dürfe nur nicht zur Entstehung von Pa­rallelgesellschaften führen. Für Hampel und den Bundestagskandidaten Wilhelm von Gottberg, der ebenfalls sprach, gab es neben Protesten und Buhrufen auch zustimmenden Applaus.

Von Ulf Stüwe