Samstag , 26. September 2020
Dieses im November 2001 von der NASA veröffentlichte Foto vom November 2000 zeigt einen Meteoriten über dem US-Bundesstaat Washington. Wenn Gesteinsbrocken aus dem All in die Lufthülle der Erde kommen, beginnen sie und die Luft um sie herum zu glühen. Das kann man sehen - als Sternschnuppen. Jetzt soll ein Meteorit im Wendland niedergegangen sein. Symbolbild: NASA

Lüchow-Dannenberg: Meteorit über dem Wendland?

Lüchow. Ist über Lüchow-Dannenberg am Dienstagabend ein größerer Meteorit niedergegangen? Dafür zumindest sprechen aktuelle Hinweise. Viele Menschen berichteten auch aus dem Landkreis Lüneburg, sie hätten um kurz nach 21 Uhr einen gelblich-grün leuchtenden Schweif gesehen, den der Himmelskörper beim Eintritt in die Atmosphäre hinterließ. Bei wolkenlosem Himmel sei das Phänomen in ganz Lüchow-Dannenberg sekundenlang zu sehen gewesen. Sichtungen wurden auch aus den Nachbarlandkreisen gemeldet.

Auffälligkeiten im Überwachungsnetz

Ob und wo der Gesteinsbrocken einschlug, oder ob er doch komplett verglühte oder zerplatzte, ist unklar. Nach Angaben des Geophysikers Edgar Wetzig aus Clenze habe es zum fraglichen Zeitpunkt im sogenannten Gorlebennetz, einem seismologischen Überwachungsnetz, Auffälligkeiten gegeben, die auf ein solches Ereignis schließen lassen würden. Offizielle Mitteilungen zu der Sichtung oder einem Einschlag liegen allerdings noch nicht vor.

Zuständig für die Beobachtung solcher Ereignisse und die Auswertung von Flugbahnen ist in Deutschland das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), das auch ein ausgedehntes Netz von Beobachtungsstationen betreibt. Täglich treffen mehrere Tausend Tonnen Material aus dem Weltraum auf die Erde. „Insgesamt sind es bis zu 90 Tonnen jährlich auf der gesamten Erdoberfläche“, erklärt Andreas Schütz, Pressesprecher des DLR. Der allergrößte Teil davon ist so klein, dass er in rund 100 Kilometern Höhe als Sternschnuppen beim Eintreten in die Erdatmosphäre verglüht.

Alina Boeder ist dieses Foto gelungen. Eigentlich wollte sie den Sonnenuntergang fotografieren, erzählt sie. „Allerdings habe ich gesehen das da etwas ganz komisch „fliegt“, das war eher ein leichtes flimmern und ich dachte erst es wäre eine Rakete.“

Einige größere Brocken schaffen es jedoch durch die oberen Schichten und werden dann in Höhen zwischen zehn und 30 Kilometern von dickeren Luftschichten so stark abgebremst, dass sie als hell aufleuchtende Feuerbälle, Boliden genannt, am Himmel zu sehen sind. Das, was nach dem Feuerritt noch übrig ist, fällt mit immer noch sehr hoher Geschwindigkeit auf die Erde und hinterlässt beim Einschlag häufig einen Krater. In dieser letzten Flugphase ist nicht selten ein Rauschen zu hören – und hin und wieder sogar ein Überschall-Knall. „Dass dabei mal irgendjemand verletzt wurde oder ein Schaden entstanden ist, ist mir nicht bekannt“, sagt Andreas Schütz.

Um nachweisen zu können, ob es sich bei dem gelblich-grün leuchtenden Schweif über Lüchow-Dannenberg tatsächlich um einen Meteoriten gehandelt hat, müsste man den vermeintlichen Himmelskörper erst einmal finden. Doch das kann Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern. „Erst dann kann das Gesteinsstück wissenschaftlich auf seine chemischen und biologischen Bestandteile untersucht werden.“ Und ohne eine solche Untersuchung ist eine sichere Identifikation nicht möglich, erklärt Schütz.

Der letzte Meteorit, der gefunden und sicher als solcher identifiziert werden konnte, war der „Meteorit Neuschwanstein“, erinnert sich Andreas Schütz. Dieser erreichte am späten Abend des 6. April 2002 bei Füssen in Bayern in der Nähe von Schloss Neuschwanstein die Erde.

Von Rouven Groß und Patricia Luft