Sonntag , 20. September 2020
Lehrerin Joanna Stolte schaut sich mit einigen ihrer Echemer Schüler den neuen Klassenraum in Hohnstorf an. Maja, Hette, Samira, Jona , Charlotte und Jannik finden den neuen Raum schon jetzt gut. Foto: t&w

Hohnstorf: Grundschüler aus Echem inspizieren „neuen“ Klassenraum

Hohnstorf/Echem. „Mensch, ein Klassenzimmer mit Blick aufs Wasser – besser geht‘s doch nicht“, sagt Jörg Schrader. Die aufmunternden Worte des Echemer Familienvaters gehen fast unter im allgemeinen Trubel. Aufgeregt inspizierten die Jungen und Mädchen aus Echem am Freitagvormittag die Hohnstorfer Schule. Hier werden sie ab heute, Montag, unterrichtet, nachdem ein Feuer ihre Grundschule in Echem in Schutt und Asche gelegt hatte. Die Brandursache ist noch ungeklärt (LZ berichtete). Um den Kindern den Wechsel nach Hohnstorf zu erleichtern, durften sie schon gemeinsam mit ihren Eltern die Schule vorab in Augenschein nehmen.

Frage nach einem Neubau in Echem ist weiter offen

Begrüßt wurden die Echemer von Schulleiter Ragnar Struss und dem gesamten Kollegium. Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn begleitete den Rundgang durch die Schule. Wie viele Echemer Eltern besuchte auch der Scharnebecker Rathauschef einst die Grundschule in Hohnstorf.

Die wohl wichtigste Nachricht für Schüler und Eltern wiederholte Schulleiter Struss auf LZ-Nachfrage: „Die Klassenverbände bleiben auch über die Sommerferien hinaus bestehen. Es wird keine Zusammenlegungen und keine Abordnungen geben.“ Denn erstens sei die Grundschule in Hohnstorf groß genug, um die 60 Schüler zusätzlich aufzunehmen und zweitens gehörten die beiden Schulen auch schon vor dem Brand verwaltungs- und leitungstechnisch zusammen. „Wir hatten auch schon vorher gemeinsame Veranstaltungen und Feste organisiert“, sagte der Rektor und nannte als Beispiele die Bundesjugendspiele oder Vorlesewettbewerbe.

Die Idee, Schüler und Eltern vorab nach Hohnstorf einzuladen, um Ängste abzubauen, wurde allseits begrüßt. „Nun ist alles nicht mehr so schlimm“, sagt Sandro Dworschak, dessen Tochter Samira jetzt nach Hohnstorf zur Schule muss: „Der Schulweg ist jetzt halt länger“.

Bereits am Donnerstagabend hatte es im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem eine Info-Veranstaltung für die betroffenen Eltern gegeben. Dort ging es auch um die Frage, ob und wann die Echemer Schule wieder aufgebaut wird. Gerstenkorn wies darauf hin, dass in der Sache der Samtgemeinderat zu entscheiden habe, die Verwaltung sich zunächst um die Unterbringung der Kinder kümmern musste. Insgesamt zeigten sich die Eltern zufrieden mit dem Notfall-Management der Behörden: „Was die Samtgemeinde, der Landkreis und die Schule in den wenigen Tagen auf die Beine gestellt haben, um die Situation für alle so erträglich wie nur möglich zu machen, ist aller Ehren wert“, sagte Jörg Schrader.

Andere offene Fragen, etwa nach Ersatz für die verbrannten Schulbücher, werden noch geklärt: „Da müssen wir erst mal schauen, wie viele Bücher überhaupt neu beschafft werden müssen“, sagte Gerstenkorn. „Die Lehrer wollen auch mit den Verlagen klären, ob sie sich aufgrund der besonderen Situation mit Kopien behelfen dürfen.“

Spende für Ersatz der verbrannten Schulsachen

Schulleiter Struss sagte auf eine Frage nach den Noten: „Wir können noch nicht sagen, ob die Notenbücher der Lehrer mit verbrannt sind, aber da werden wir eine Lösung finden.“
Geklärt werden muss auch der entstandene Sachschaden: „Wir überlegen derzeit, wie wir die Eltern für die Dinge entschädigen können, die mit verbrannt sind“, sagte Gerstenkorn. Er bat darum, dass in den Klassen Listen ausgestellt werden, welche Bücher oder „Turnbeutel“ verbrannt sind.

Die Frage nach der Zukunft der Sportvereine in Echem könne er noch nicht beantworten. „Wir versuchen, bei anderen Vereinen Hallenzeiten zu buchen“, erklärte der Verwaltungschef. Unterstützung komme von der Gemeinde Echem: Die stellt 3000 Euro als Soforthilfe für die zerstörte Ausstattung zur Verfügung.

Die Nachmittagsbetreuung, kurz KiNaMi genannt, bleibe erhalten. Die Lehrerin holt ihre Sprösslinge künftig am Bus ab und betreut sie weiter im LBZ, erfuhren die Eltern.

Von Klaus Reschke und Claudia Wesch

Mit dem Bus nach Hohnstorf

Ab Montag findet der Unterricht für die rund 60 Schüler aus Echem in der Grundschule Hohnstorf statt – mit dem Schulbus kommen sie zum Unterricht. Die Buslinie 5901 hat deshalb neue Fahrzeiten. Außerdem hält der Bus in Echem an der Haltestelle „Dorfstraße“ gegenüber der Feuerwehr und an der Haltestelle „Schulstraße“. „Damit werden der westliche und der östliche Teil des Ortes bedient“, sagt Freia Srugis vom Landkreis Lüneburg, der für die Schülerbeförderung zuständig ist.

Die neue Route führt nicht mehr an der verbrannten Schule in Echem vorbei, die Haltestelle „Birkenweg“ fällt weg. Die Kinder, die bislang keine sogenannte Schülerzeitkarte haben, können am Montagmorgen kostenlos zur Grundschule Hohnstorf fahren. Hier bekommen sie eine Starterkarte, mit der sie den Bus benutzen können.

„Gleichzeitig bekommen alle einen Antrag auf eine Schülerzeitkarte“, sagt Freia Srugis, „den Antrag sollten die Eltern schnellstmöglich an die Schule zurückgeben.“ lz