Samstag , 26. September 2020
Zu sehen ist von der aufgebrachten Gülle auf dem Feld bei Reppenstedt nichts. Dafür riecht es umso mehr. Foto: dth

Anwohner in Reppenstedt beklagen Gülle-Geruch

Reppenstedt. Wenn die Gülle auf dem Felde stinkt, der Nachbar mit der Galle ringt. So könnte eine moderne Bauernregel lauten, die dieser Tage auch für Reppenstedt zutreffen würde. Im dortigen Rathaus häuften sich jetzt die Beschwerdeanrufe von Anwohnern, die sich über den üblen Geruch beklagten, der von Äckern rund um Gut Brockwinkel seit Dienstag ins Wohngebiet herüber wehe.

„Bei kühlem Wetter und Regen dürfte sich der Gestank bald verziehen.“ Jürgen von Haaren, Landwirtschaftskammer

Ein Landwirt hatte die siedlungsnahen Felder, auf denen junges Getreide sprießt, offenbar mit Schweinegülle gedüngt. Was bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als „gute landwirtschaftliche Praxis“ bezeichnet wird, nennt Anwohner Manfred Pahl aus Reppenstedt „eine Zumutung“.

„Man kann im Haus kein Fenster mehr öffnen, der Gestank zieht sofort rein“, sagt Pahl. „Und die Wäsche draußen auf der Leine konnte ich gleich wieder in die Maschine geben.“ Denn das wenig blumige Bouqe hafte auch den Textilien an. Nachbarin Marlies Nabel pflichtet ihm bei: „Man kann kaum noch vor die Tür gehen. Das hat nichts mehr mit Landleben zu tun. “Zudem wundert sich Pahl, dass die Gülle auf ein bereits bestelltes Feld gegeben wurde.

Düngung muss „bedarfsgerecht“ sein

Der betreffende Landwirt war für die LZ nicht erreichbar. Dafür ergreift auf Nachfrage Agrar-Ingenieur Jürgen von Haaren von der Landwirtschaftskammer Partei. Der Leiter der Fachgruppe Nachhaltige Landnutzung und Ländliche Entwicklung bei der Bezirksstelle Uelzen sagt: „Nur wenn das Feld unbestellt wäre, müsste die Gülle innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden.“ Wächst bereits eine Feldfrucht darauf, dürfe nur soviel gedüngt werden, wie die Pflanze verbraucht. „Es muss bedarfsgerecht sein“, sagt von Haaren. Ob dann aber 25 oder 30 Kubikmeter Gülle pro Hektar auf dem Acker landen, mache beim Geruch freilich keinen großen Unterschied. Zudem müssen Ackerbauern über die Nährstoff­einträge durch Düngung Buch führen, die Aufzeichnungen bei einer Kontrolle vorweisen können. Von Haaren: „Mit der neuen Düngeverordnung werden die zulässigen Grenzwerte weiter verschärft.“

Zur Lage in Reppenstedt sagt von Haaren: „Bei kühlem Wetter und Regen dürfte sich der Gestank bald verziehen.“ Und: „Ich habe Verständnis für beide Seiten. Wir raten oft unseren Landwirten: Wenn ihr andere Flächen habt, nehmt die, nicht die in direkter Nachbarschaft zur Wohnsiedlung. So kann man sich den Ärger mit Anwohnern sparen.“

Von Dennis Thomas