Dienstag , 29. September 2020
Drei der in Paris ersteigerten Huldigungsgeschenke: (v.l.) der Osteroder Vierfach-Pokal, der Buckelpokal der Lüneburger Stadtväter und ein Tischbrunnen des Amtes Bodenteich. Foto: Land Niedersachsen

Lüneburger Huldigungssilber: Ein Buckelpokal für den Landesherrn

Lüneburg. Es war eine der spektakulärsten Auktionen überhaupt, mehr als 300 Millionen Euro brachte 2009 die Versteigerung der einzigartigen Pokalsammlung aus dem Nachlass des Modeschöpfers Yves Saint Laurent bei Christie‘s in Paris ein. Unter den Schätzen war auch ein sogenannter „Buckelpokal“, ein vergoldeter, 113 Zentimeter großer Silberpokal, den Lüneburgs Stadtväter im Jahr 1666 dem Welfen-Herzog Georg Wilhelm als Geschenk überreicht hatten.

n die Bedeutung dieser Geschenkkultur zwischen Landesherrschaft und Untertanen erinnert die Historikerin Dr. Ines Elsner in ihrem Vortrag über das „Huldigungssilber der Welfen des Neuen Hauses Lüneburg 1562 bis 1705“, den sie am 20. April im Lüneburger Rathaus halten wird.

Er überzeugt nicht nur durch seine glanzvolle Üppigkeit: Mit 113 Zentimetern zählt der Lüneburger Buckelpokal auch zu den Großen seiner Art. Foto: Land Niedersachsen

Wiederauftauchen der Silberpokale eine Sensation

„Silberne Huldigungsgeschenke von Untertanen an ihre neuen Landesherren zum Regierungsantritt sind in zahlreichen deutschen und europäischen Territorien archivarisch belegt“, berichtet Dr. Ines Elsner, die gegenwärtig an einem Forschungsprojekt über das Huldigungssilber der Welfen am Institut für Historische Landesforschung der Georg-August-Universität Göttingen arbeitet. Allerdings hätten sich diese zeremoniell bedeutenden Silberobjekte nur in Einzelfällen bis in die Gegenwart erhalten. So sei es einer Sensation gleichgekommen, als bei der Christie‘s-Versteigerung gleich 13 silber-vergoldete Trinkgefäße aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg an das Licht der Öffentlichkeit kamen. „Zehn davon stellten sich als Huldigungsgaben an die Celler Herzöge Friedrich, Christian Ludwig und Georg Wilhelm heraus“, berichtet die Historikerin und Kunsthistorikerin.

Huldigungssilber in Lüneburg nur wenig bekannt

In ihrem Vortrag will Dr. Ines Elsner darlegen, wie das Lüneburger Huldigungssilber entstanden ist und an den Landesherrn übergeben wurde. Zudem soll die zeremonielle Nutzung des Silbers und dessen Tradierung als Teil des berühmten „welfischen Silberschatzes“ aufgezeigt werden. „Unterlagen die Silbergeschenke dem Zeitgeschmack? Welche Veränderungen sind in der Huldigungs- und Geschenkpraxis auszumachen? Übergab die Stadt Lüneburg etwa anlässlich jeder neuen Huldigung einen ähnlich kostbaren Riesenpokal?“, lauten einige der Fragen, denen die Historikerin in ihrem Vortrag nachgehen will.

Die Idee zu dem Vortrag kam vom Lüneburger Museumsverein und dem Ortskuratorium Lüneburg der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Wir fanden, dass das Lüneburger Huldigungssilber hier in Lüneburg weitgehend unbekannt ist und hielten daher die Forschungsergebnisse von Frau Dr. Elsner für berichtenswert“, sagt Prof. Dr. Georg Lankisch vom Ortskuratorium Lüneburg. Der Vortrag findet im Huldigungssaal des Rathauses statt, Beginn ist um 19.30 Uhr.

Von Ulf Stüwe