Sonntag , 1. November 2020
Die Fünfjährigen freuen sich über den Küken-Besuch in ihrer Kita: (v.l.) Rio, Tristan, Amilia und Josy. Foto: t&w

Lüneburg: Kita-Kinder haben Küken-Besuch

Lüneburg. Behutsam hält Josy das Küken in ihren Händen, mit einem Finger berührt sie vorsichtig dessen Kopf. „Das ist ganz flauschig“, sagt das fünf Jahre alte Mädchen und lächelt. Sie ist zum ersten Mal einem Küken so nah. Vier Wochen lang konnte Josy ihre neuen, flauschigen Freunde jeden Tag besuchen, denn die zehn Küken waren zeitweise in der Kita St. Michaelis zu Hause. Als Eier kamen sie in die Einrichtung, in einem Brutkasten sind die Küken dann nach 21 Tagen geschlüpft.

Unter den Küken ist auch eines mit schwarzem Flaum, es ist als Erstes geschlüpft. „Das ist Michael“, erzählt Josy. „Den Namen haben wir uns ausgedacht.“ Da waren sich die 76 Krippen- und Kindergartenkinder einig: Das Küken, das anders aussieht als die anderen, soll nach der Kita benannt werden. Eigentlich gehören die kleinen Hühner aber auf den Hof von Heinrich Burmester. Der Bleckeder Landwirt hat einen mobilen Hühnerstall, engagiert sich zudem im Lüneburger Geflügelzuchtverein. Dort hat er Silke Lopez kennengelernt, mit der er jetzt das Küken-Projekt in der Kita betreut hat.

Wie hält man ein Küken richtig?

Einmal in der Woche waren die Tier-Experten zu Besuch, um den Kindern unter anderem den Unterschied zwischen einem gekochten und einem rohen, einem alten und einem frischen Ei zu erklären. Auch haben sie gelernt, wie man ein Küken richtig hält: mit den Fingern einen „Rettungsring“ ums Küken bilden.

Silke Lopez sagt: „Nur wenige Kinder haben schon ein lebendes Huhn gesehen oder es angefasst.“ Beim Projekt habe man den „Stadtkindern“ hautnahes Erleben ermöglichen wollen, sagt die Erzieherin, die tiergestützte Pädagogik studiert hat. Den Kindern wurde auch erklärt, dass die Hennen nicht etwa zehn Eier am Tag legen, weil die Verpackung im Supermarkt die entsprechende Größe hat. Sogenannte Hy­brid-Hühner, die also ausschließlich auf die Eierproduktion ausgelegt sind, würden etwa 300 Eier im Jahr legen, verdeutlicht Heinrich Burmester. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren hätten Hühner rund 150 Eier produziert.

Abschied fiel den Kindern schwer

Als eine „sehr bereichernde Zeit“ hat Inken Gödecke, stellvertretende Leiterin der Kita St. Michaelis, die vier Wochen erlebt. „Gesunde Ernährung ist in diesem Jahr unser Thema, wir wollten den Kindern deshalb den Bezug zu Hühnern näher bringen.“ Schließlich stünden Eier ja regelmäßig auch mal auf dem Frühstückstisch. Vier Wochen lang konnten die Kinder täglich die Eier und dann die geschlüpften Küken im Brutkasten beobachten, der in einem abgedunkelten Raum in der Einrichtung Platz gefunden hatte. „Sie waren immer ganz leise, haben gut aufgepasst.“ Und als die Küken geschlüpft sind, durften die Kinder sie auch zum ersten Mal anfassen. Täglich musste die Temperatur des provisorischen Nests überprüft werden, zudem konnten die Kleinen bei der Fütterung dabei sein, die Küken stolz ihren Eltern präsentieren. „Einmal hat eine Kollegin auch Mehlwürmer mitgebracht“, erzählt Inken Gödecke.

Der Abschied sei allen Kindern schwer gefallen. „Sie wissen aber, dass die Küken jetzt auf dem Bauernhof weiterleben“, sagt die Erzieherin. Mit Fotos und vielleicht auch mal mit Besuchen würden die Kinder gern den Kontakt halten.

Von Anna Paarmann