Freitag , 2. Oktober 2020
Die Kinder von Madia Hafia können endlich in einem wetterfesten Schulbau unterrichtet werden. Foto: nh

Lüneburger ermöglicht Schulbau in afrikanischem Dorf

Lüneburg. „Ohne Grundbildung ist Entwicklung nicht möglich, und ohne Entwicklung gibt es keinen dauerhaften Frieden.“ Davon ist Dietmar Klah n überzeugt – und diese Überzeugung trieb ihn an, ein Schulbau-Projekt in dem afrikanischen Dorf Madina Hafia im Osten Guinea-Bissaus zu unterstützen. Der Lüneburger ist Vorsitzender von Forut, der Entwicklungshilfeorganisation der deutschen Guttempler. Die Organisation hatte 7500 Euro in den Bau der Schule inklusive der Einrichtung mit hölzernen Sitzelementen gesteckt. Nun war Klahn eine Woche in dem 140 Kilometer von der Hauptstadt Bissau entfernt gelegenen Dorf zu Gast.

Dietmar Klahn. Foto: A/be

 

„Das Gebäude steht, die Schule ist in Betrieb und jetzt auch offiziell registriert. Nur mit dieser Registrierung darf eine Schule auch Zeugnisse ausgeben“, freut sich Klahn: „Es gibt zwei Klassenräume für 72 Schüler. Die 1. und 2. Klassen werden vormittags, die 3. und 4. Klassen nachmittags von zwei sich abwechselnden Lehrern professionell unterrichtet.“ Das sah einmal anders aus: Es gab nur einen Lehrer, der in einer offenen Buschschule unterrichtete. Er bekam dafür von den Eltern eine geringe Geldsumme, der Rest wurde in Naturalien bezahlt – das allerdings läuft bei den mittlerweile zwei Lehrern so weiter.

Kein flächendeckendes Schulsystem in Guinea-Bissau

„Auf dem Land gibt es eine Analphabetenrate von 70 Prozent“, weiß Dietmar Klahn: „Durch die ständig wechselnden Regierungen ist es in Guinea-Bissau noch nicht gelungen, ein flächendeckendes, funktionsfähiges Schulsystem aufzubauen.“ Dafür engagiert sich aber die Guttempler-Organisation IOGT Guinea-Bissau mit Unterstützung von Schweizer Guttemplern und eben Forut für den Aufbau von Schulen. IOGT Guinea-Bissau hat keine Finanzmittel für den Schulbau, dafür aber das Know-how. Und beim Bau des Gebäudes in Madina Hafia packten die Eltern kräftig mit an.

Es gibt in Guinea-Bissau eine Schulpflicht von sechs Jahren. „Das kann nur in der Hauptstadt realisiert werden“, weiß der Lüneburger: „Aber vielleicht schaffen wir es ja, ein zweites Gebäude zu errichten und auch in dem Dorf das volle Programm anbieten zu können.“ Doch zunächst stehen zwei andere Projekte an: „Ein Brunnen wird gebaut. Das Wasser wird zum Beispiel gebraucht, um Zement anzurühren für die Baublöcke.“ In der Regenzeit gebe es dort zwar gutes Wasser: „Aber wenn die Trockenheit kommt, ist es schnell weg.“ Der Brunnenbau sei harte Arbeit: „Ein Mann muss 18 Meter in die Tiefe graben – und das quasi nur mit einer Schaufel.“

Das zweite Projekt ist der Bau eines Toilettenhauses: „Geplant sind jeweils drei ­Toiletteneinheiten für die Jungs und die Mädchen.“ Das Dorf hat weder Strom noch eine Kanalisation. Fehlende Abflussmöglichkeiten seien bei den Toiletten aber kein Problem: „Es wird eine Sickergrube gegraben, die Fäkalien zersetzen sich durch die Hitze von selbst.“ Ob es tatsächlich funktioniert, davon wird sich Dietmar Klahn bei seinem nächsten Besuch in Madina Hafia überzeugen können.

Von Rainer Schubert

Die Hilfsgemeinschaft Forut

Bei Forut engagieren sich Menschen in der Entwicklungshilfe, die als Guttempler die persönliche und gesellschaftliche Belastung durch Suchtprobleme kennengelernt haben.

Sie fördern darum vorrangig solche Projekte in der Entwicklungshilfe, die ihr Augenmerk auch auf Suchtvorbeugung und Suchtbehandlung richten.

Der Name Forut ist norwegisch und bedeutet „Vo­raus“ im Sinne von Zukunft. Seit seiner Gründung im Jahre 1987 beschäftigt sich Forut mit den Problemen rund um den Ge- und Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen in den sogenannten Entwicklungsländern.

Die Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen in Entwicklungsländern im Allgemeinen ist aber ebenso das Ziel wie die Forderung nach Erreichen von mehr Gerechtigkeit, so zum Beispiel im Welthandel.