Donnerstag , 6. August 2020
Pastor Eckhard Oldenburg mit der neuen Osterkerze, die zum Fest entzündet wird. Die Osterkerze symbolisiert den über Tod und Sterben siegenden Jesus Christus. Foto: t&w

Warum wir Ostern feiern

Lüneburg. „Für die christliche Kirche ist Ostern mit zwei grundlegenden Feiertagen das wichtigste Fest“, sagt Pastor Eckhard Oldenburg von der Lüneburger St.-Nicolai-Gemeinde: „Mit der Kreuzigung Jesu am Karfreitag und seiner Auferstehung am dritten Tag, dem Ostermontag.“ Die Auferstehung sei Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Nach der Verkündigung des Neuen Testaments erschien Gottes Sohn nach seiner Auferstehung seinen Jüngern, die eigentliche Auferstehung allerdings wird in der Bibel nicht beschrieben. Jesu Auferstehung gilt nicht als Rückkehr eines Toten in das irdische Leben, wie etwa bei einer Wiederbelebung. Vielmehr geht es um eine Verwandlung zu einem neuen, unvergänglichen Leben.

Der Osterglaube ist übrigens nicht entstanden, weil bewiesen werden konnte, dass das Grab leer war. An keiner Stelle berufen sich die Jünger Jesu auf das leere Grab, sondern stets auf die Begegnung mit dem Auferstandenen. Der Vorgang der Auferweckung fand jenseits menschlicher Beobachtung statt. Die Auferweckung Jesu ist Inhalt der Verkündigung. Sie ist als Wunder verstanden worden, als Eingreifen Gottes in unsere Welt, menschlichem Begreifen entzogen und dennoch zugänglich.

„Ostern wurde schon sehr früh gefeiert“, sagt Pastor Eckhard Oldenburg: „Die Christen trafen sich bereits in Kleinstgruppen und später bei ihrer Verfolgung am ersten Tag der Woche, daraus entstand das Fest.“ Gefeiert wird es etwa seit dem zweiten Jahrhundert. Mit der Zeit entstanden auch Bräuche, einige haben starke biblische Bezüge: „Andere sind ganz weit weg von der Bibel.“

Osterlamm

„Dazu gibt es den stärksten biblischen Bezug“, so Oldenburg. Entstanden ist der Brauch aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen. Passah bedeutet „das Vorübergehen Gottes“ und hat seine Grundlage im Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, das unter der harten Sklaverei des Pharaos litt. Gott hatte jede israelische Familie beauftragt, ein Lamm zu töten und das Blut des Tieres an die beiden Pfosten und die Oberschwelle ihres Hauses zu streichen – als Schutz. Gott hatte ihnen durch Moses gesagt: „Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage.“ Das Lamm steht für Unschuld und Wehrlosigkeit. Auf vielen Darstellungen ist eine Siegesflagge zu sehen: „Als Symbol für die Auferstehung.“ Wie damals das Volk Israel vor dem Gericht Gottes durch das Blut des geschlachteten Lammes in Sicherheit war, so ist heute ein Sünder vor dem Gericht Gottes durch das Blut des Lammes Gottes, Christus selbst, geschützt.

Osterkerze

Sie hat laut Pastor Oldenburg mit den stärksten Bezug: „Das Licht war Gottes erste Schöpfung. Es gilt als Zeichen des Lebens.“ Die Osterkerze symbolisiert den über Tod und Sterben siegenden Jesus Christus. Der Brauch, die Osterkerze an alle Kirchenbesucher weiterzugeben, ist in Jerusalem als uralt bezeugt. Osterkerzen soll es seit dem 4. Jahrhundert nach Christus geben. „In vielen Gemeinden wird die Osterkerze in der Osternacht in die Kirche getragen“, weiß Oldenburg.

Osterei

„Das Durchbrechen der Schale ist ein Symbol für neues Leben“, sagt Pastor Oldenburg: „Es kann auch für das Grab stehen, das aufgebrochen wurde und neues Leben freigab.“ Ostereier waren bereits in der Urchristenzeit Sinnbild des Lebens und der Auferstehung, bei Begräbnissen wurde Toten ein Ei mit ins Grab gelegt. Das Verschenken von Ostereiern gab es bereits im Mittelalter, Abgaben an Lehnsherren, Lehrer und Kirchenträger wurden häufig mit Eiern abgeglichen. Das Eiersuchen wurde in Deutschland erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt. Warum es zu diesem Brauch kam, ist allerdings nicht geklärt.

Osterhase

„Er steht für Fruchtbarkeit, Dynamik und einen Neuanfang“, sagt Eckhard Oldenburg: „Mit christlichen Inhalten des Festes aber hat er nichts zu tun.“ Er taucht bei den Osterbräuchen auch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf, zuvor brachten Fuchs, Kuckuck oder Hahn die Eier. Seinen Siegeszug trat der Hase dann dank der Spielzeug- und Süßigkeitenindustrie an.

Osterfeuer

„Das Osterfeuer hat mit dem biblischen Ostergeschehen nun wirklich nichts zu tun“, sagt Pastor Oldenburg. Feuer spielt zwar eine Rolle in der Bibel, etwa als Gott Mose in einem brennenden Dornbusch erscheint. Es entstammt einem heidnischen Brauch: Nach dem Winter sollte das Feuer im Frühjahr die Sonne herabziehen, um die Erde zu wärmen und so eine gute Ernte zu bekommen.

Von Rainer Schubert