Samstag , 26. September 2020
Die Schmierereien an der Bahnbrücke in Hohnstorf/Elbe sind für viele ein Ärgernis. Würde dort ein professioneller Graffiti-Künstler seine Arbeit verrichten, würde es wohl keine wilden Schmiereien mehr geben, ist Bürgermeister André Feit überzeugt.

Graffiti gegen Schmierereien

Hohnstorf/Elbe. Die Parolen sind dümmlich, geschmacklos, ehrverletzend und vor allem hässlich: Wilde Schmierereien „zieren“ die Hohnstorfer Bahnbrücken – nicht nur zum Ärger von Hohnstorfs Bürgermeister André Feit (CDU). Doch einfach die Hassparolen mit grauer Farbe zu übermalen, das macht aus Sicht des Bürgermeisters wenig Sinn. „Das wäre doch geradezu eine Aufforderung an die Schmierer, sich erneut auf den Brückenwänden auszutoben“, befürchtet André Feit. Und auf einen „Wettlauf“ mit den „Graffiti-Künstlern“ will sich Feit nicht einlassen. Trotzdem: Sprüche wie „Nafris, Merkel & Co müssen weg“ will der Bürgermeister nicht länger dulden. Deshalb hat sich der CDU-Politiker mit Stefan Walter von der DB Netz AG in Verbindung gesetzt.

Feit sagt: „Uns ist an einer dauerhaften Abstellung dieser politischen und unpolitischen Schmierereien gelegen.“ Daher könnte sich der Hohnstorfer Bürgermeister gut vorstellen, die betreffenden Flächen an der Bahnbrücke nach der Übermalung durch einen Gemeindemitarbeiter mit hochwertigen, professionellen Sprüh-Kunstwerken zu versehen. „Jeder Graffiti-Sprayer mit etwas Ehre im Leib sieht von einem Übersprühen bestehender Kunstwerke ab!“, weiß Feit.

„Schmierereien mit grauer Farbe zu übermalen, das macht wenig Sinn“

Ideen für Motive biete die Gemeinde Hohnstorf jedenfalls genug“, ist der Bürgermeister überzeugt. In seinem Schreiben an die DB Netz AG erinnert er unter anderem daran, dass Hohnstorf zeitweise immerhin der zweitgrößte Bahnhof im Königreich Hannover war. „An Ideen für Eisenbahn-Motive sollte es daher nicht mangeln“, glaubt Feit.

Eine prima Idee, findet auch der zuständige Fachreferent für Planung und Steuerung bei der DB Netz AG, nur: An den Kosten beteilige sich sein Unternehmen nicht. Allerdings könnte sich das Schienenverkehrsunternehmen vorstellen, die Flächen zur Verfügung zu stellen, allerdings unter „kleinen Auflagen.“

Das freilich ist nicht die Antwort, die sich André Feit erhofft hatte. „Als Gemeinde streben wir eine unbürokratische Lösung an“, sagt der Bürgermeister. Aufgeben will er freilich nicht. Vielleicht vermietet uns die DB Netz AG die Brückenfläche für einen symbolischen Euro“, sinniert der Hohnstorfer Gemeindechef. Vorstellen könnte er sich auch, dass die Bahn die Fläche der Gemeinde für mehrere Jahre überträgt, pauschal 500 Euro bezahlt und die Kommune im Gegenzug dafür sorgt, das keine neuen Schmierereien dazu kommen. Aber das sind alles nur Überlegungen. Immerhin hat die Bahn die Beseitigung der aktuellen Schmierereien veranlasst, ein Maler wird demnächst die Parolen übertünchen. Fragt sich nur, wie lange die Wand dann dieses Mal sauber bleibt.

Bahn nennt Zahlen

Schaden geht in die Millionen
2016 wurden 27.000 Vandalismus- und Graffititaten mit einem Gesamtschaden von 34 Millionen Euro zu Lasten der Deutschen Bahn registriert. Gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg, der allerdings auch durch verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften und konsequentere Anzeige bei der Polizei begründet ist. Die Kosten für die Graffitibeseitigung lagen 2016 laut Bahn bei 8,6 Millionen Euro. Speziell ausgebildete Teams der DB Sicherheit haben 2016 in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und der Region Halle/Leipzig rund 250 Sprayer auf frischer Tat ertappt und der Polizei übergeben. lz

Von Klaus Reschke