Mittwoch , 23. September 2020
In der Nacht zu Gründonnerstag ist die Grundschule Echem komplett niedergebrannt. Niemand wurde verletzt, der Schaden beträgt 3 Mio. Euro. Foto: feuerwehr

Millionenschaden: Großbrand zerstört Grundschule Echem

Eine Schule brennt komplett aus, Millionenschaden entsteht. Menschen werden bei dem Feuer nicht verletzt, aber die Folgen für den kleinen Ort dürften erheblich sein.

Echem. Ein Großfeuer hat in der Nacht zu Donnerstag die Grundschule in Echem zerstört, auch die angrenzende Turnhalle brannte nieder. Den entstandenen Sachschaden beziffert die Polizei aktuell auf rund drei Millionen Euro. Mehrere Feuerwehren aus Echem und den umliegenden Gemeinden mit rund 130 Feuerwehrkräften waren im Einsatz, um den Brand zu löschen. Verletzt wurde niemand. „Wir können derzeit weder eine technische Ursache noch Brandstiftung ausschließen — die Ermittlungen dauern an“, so Kai Richter von der Polizeipressestelle in Lüneburg am Morgen.

„Wir stehen hier jetzt mit einem Riesenproblem, der ganze Ort ist wie paralysiert“,
Steffen Schmitter, Bürgermeister der Gemeinde Echem

Das gegen Mitternacht gemeldete Feuer hatte sich nach ersten Erkenntnissen der Polizei aus zunächst ungeklärter Ursache in einem Heizungsraum entzündet. Die Flammen griffen dann auch auf die angrenzende Turnhalle über. Das Schulgebäude und die Sporthalle brannten komplett aus, am Morgen standen nur noch die Außenmauern und Teile des Dachstuhls. Kleine Rauchschwaden stiegen aus den Resten der Turnhalle auf. „Das ist eine Katastrophe“, sagten Anwohner.

Auch die Schulsekretärin steht am nächsten Morgen fassungslos vor dem abgebrannten Gebäude. Zum Glück hatte sie kaum persönliche Gegenstände in ihrem Büro, sagt sie. Nur ein Bild, das ihre Tochter als Kind gemalt hatte. „Das hängt wahrscheinlich nicht mehr über dem Kopierer“.

Rund 130 Feuerwehrkräfte waren bei dem Brand an der Grundschule Echem im Einsatz.

Auswirkungen bedeuten Einschnitt in Freizeitgestaltung

Fassungslosigkeit herrscht unterdessen auch in der Gemeindeverwaltung. „Wir stehen hier jetzt mit einem Riesenproblem, der ganze Ort ist wie paralysiert“, sagte Steffen Schmitter (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Echem mit rund 1000 Einwohnern. „Wir haben mit der Schule und der Turnhalle ein wichtiges Zentrum des Dorflebens verloren“, erklärt er.

Denn in den niedergebrannten Gebäuden wurden nicht nur die Grundschüler aus Echem und den umliegenden Orten unterrichtet, sondern nutzten auch viele Vereine und Verbände die Einrichtung für vielfältige Aktivitäten. Ob Blutspendetermin des DRK, Seniorensport oder andere Angebote des FC Echem: Laut Schmitter bedeutet der Verlust der Sporthalle einen tiefen Einschnitt in die Freizeitgestaltung vieler Echemer.

Samtgemeindebürgermeister bricht Urlaub ab

Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn erreicht die Nachricht von dem Feuer am Morgen in Grömitz. Der Verwaltungschef bricht seinen Familienurlaub ab, macht sich sofort auf den Rückweg. Im Rathaus sind währenddessen die ersten Maßnahmen angelaufen, um den Schulbetrieb nach den Osterferien sicherzustellen. Denn Schulträger ist die Samtgemeinde. Laut Gerstenkorn werden die Echemer Grundschüler vom 24. April an vorerst an der Grundschule Hohnstorf unterrichtet, zu der auch die Außenstelle Echem gehört. „Räume sind dort ausreichend vorhanden, Container brauchen wir nicht“, erklärt Rathauschef Gerstenkorn. Auch die Schülerbeförderung werde von Fachbereichsleiterin Lena Richter bereits organisiert.

Sind die Weichen für die weitere Beschulung der Kinder aus Echem und Umgebung gestellt, will die Samtgemeinde die Eltern laut Gerstenkorn kurzfristig zu einem Info-Abend einladen, „alle Fragen, im persönlichen Gespräch klären“. Zusätzlich will die Verwaltung die Eltern auch schriftlich informieren.

Diskussion um Schulstandort

Obwohl er die Katastrophe in seinem Ort noch nicht verarbeitet hat, richtet Echems Bürgermeister Schmitter den Blick auch schon wieder in Richtung Zukunft. Mittelfristig führt für ihn kein Weg am Wiederaufbau der Schule vorbei. „Erstens ist die Schule wichtig für Echem, außerdem reichen die Kapazitäten in Hohnstorf aus meiner Sicht nicht aus.“ Auch Gerstenkorn ist klar, „dass wir uns überlegen müssen, wie es künftig weitergeht“. Als Echemer habe er Verständnis für Schmitters Forderung, halte sich allerdings mit einer eigenen Beurteilung zurück. „Erstmal muss ich mir selbst ein Bild vor Ort machen, dann wird es in den kommenden Wochen und Monaten vor allem Sache der Politik sein, zu entscheiden, wie es weitergeht“, sagt der Rathauschef.

Schon jetzt scheint klar, dass der verheerende Brand die Diskussion über den Schulstandort Echem aufleben lassen wird. Jahrelang waren die Schülerzahlen rückläufig, konnte der Betrieb zum Ärger vieler Eltern und Kommunalpolitiker nur durch einen Schulbezirk sichergestellt werden. Eine Schließung des Schulstandortes hatte der Samtgemeinderat zuvor mehrheitlich abgelehnt. Zuletzt hatten sich die Schülerzahlen jedoch stabilisiert, die Standortdiskussion beruhigt.

Polizei prüft Zusammenhang mit brennendem Pferdeunterstand

Bereits am Nachmittag war am Hägenhorstweg in Echem ein Pferdeunterstand in Brand geraten und komplett zerstört worden. Die Polizei geht hier nach ersten Ermittlungen von Fremdeinwirkung aus. Der entstandene Sachschaden wird auf ca. 5.000 Euro geschätzt.

Hinweise darauf, dass es eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Bränden gibt, liegen bislang nicht vor. Dennoch bittet die Polizei um Hinweise: Zeugen, die am Mittwochnachmittag oder in der Nacht zu Donnerstag Beobachtungen gemacht und diese noch nicht bei der Polizei gemeldet haben, werden gebeten, sich mit der Polizei Lüneburg unter Tel.: 04131/8306-2215, in Verbindung zu setzen.  lni/jdr/ml

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