Sie waren bei der Gründungsveranstaltung des Vereins "Checkpoint Queer" im vergangenen Dezember dabei: (hinten, v.l.) Tommy Grimm, Anne Wolf, Pascal Mennen, Sven Zehe, Thorsten Warneke, Kai Warneke sowie (vorn, v.l.) Hannah-Debroah Gramentz, Daniel Lück, Daniel Masch und Helene Gogolin. Foto: A/tt

Checkpoint Queer sucht Räumlichkeiten

Lüneburg. Als sie sich neulich einen Raum im Roten Feld angeschaut haben, wollte der Vermieter wissen: „Aids-Kranke kommen hier aber nicht he r?“ Es war nicht der einzige Grund, warum die Aktiven des neuen Vereins Checkpoint Queer und der Mann nicht zusammenkamen. Aber die Frage zeigt: Vorurteile sind noch immer da, und es mangelt an Wissen. Denn selbst wer an der Immunschwächekrankheit leidet, ist nicht durch Händeschütteln oder gar einen Kuss ansteckend. Der Verein sucht weiterhin nach einer Bleibe, um sein Angebot zu präsentieren. Queer meint verschiedene sexuelle Präferenzen.

Thorsten Warneke, der nebenberuflich für die Landes-Aidshilfe arbeitet, gehört zu denen, die an dem Projekt mitarbeiten. Die Initiatoren wollen gern einen Platz für Veranstaltungen haben, aber auch Beratung und Hilfsangebote sollen Platz finden. So könnte es in einer Sprechstunde um Fragen der sexuellen Gesundheit gehen. Auch Schnelltests in Sachen Aids soll es geben: „Wir arbeiten schon jetzt mit dem Gesundheitsamt zusammen.“ All das zu finanzieren, ist nicht einfach: „Mitgliedsbeiträge und Spenden reichen dafür nicht.“

Verein will Aids-Büro übernehmen

Warneke schreibt an einem Konzept, welche Angebote der Checkpoint künftig machen könnte. Dabei spielen die Aidshilfe und das Queere-Netzwerk Niedersachsen eine Rolle. Die Landes-Aidshilfe hat vor Jahren quasi das lokale Aidshilfe-Büro übernommen, das durch Missmanagement in die Pleite gerutscht war. Seitdem besteht das Angebot Infoline.

Imke Schmieta, Geschäftsführerin der Landes-Aidshilfe, sagt: „Es war immer klar, dass wir nur für einen Übergang da sind.“ Insofern solle die Infoline in den Checkpoint umziehen, wenn man konzeptionell zusammenpasse. Davon gehe sie aus. Damit würde auch die finanzielle Unterstützung von rund 36 000 Euro pro Jahr an den Trägerverein fließen. Dabei handelt es sich um Mittel einer Landesförderung.

Netzwerk hilft beim Aufbau

Weitere 30 000 Euro könnten vom Queeren Netzwerk Niedersachsen fließen. Die Organisation ist Partner des Sozialministeriums, das sich mit einem Programm die „Förderung der Vielfalt der sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten“ auf die Fahnen geschrieben hat. Das Land stattet das Vorhaben in diesem und im kommenden Jahr mit rund 1,1 Millionen Euro aus. Das Netzwerk hilft nun dabei, lokale Zentren aufzubauen. Netzwerk-Geschäftsführer Thomas Wilde sagt, dass aus seinem Etat pro Jahr 30 000 Euro an die Ilmenau überwiesen werden sollen. Überdies hofft er, dass die lokalen Akteure weitere Zuschüsse aus den Kommunen einwerben können.

Wilde ist sich sicher, dass die Lüneburger auch von Erfahrungen etwa eines geplanten Zentrums in Hannover profitieren können: „Da arbeitet man seit drei Jahren an einem Konzept.“ Inzwischen seien aber viele Widrigkeiten überwunden. In Lüneburg könnte alles viel schneller laufen – wenn man denn Räume hat. Von der Idee her seien zwei halbe Stellen denkbar, um beispielsweise in Fragen der sexuellen Gesundheit zu beraten. Mit Thorsten Warneke sei ja bereits ein kompetenter Ansprechpartner vorhanden. Zudem könnte auf 450-Euro-Basis ein weiterer Kollege zum Team gehören.

Die Infoline, die ihr Büro im Haus des Diakonieverbandes an der Heiligengeiststraße unterhält, platzt angesichts der vielen Gruppen und Ratsuchenden aus allen Nähten. Daher suchen Warneke und die anderen Aktiven eine großzügigere Bleibe. Warneke glaubt, das Zentrum könne neben Beratung auch Hilfe bieten gegen Vereinsamung. Dabei hat er den gerade verstorbenen Leo Baum im Sinn, den ersten Schwulen Heidekönig. Der habe am Ende sehr zurückgezogen gelebt. Das Angebot einer Gemeinschaft könne helfen, in Würde und Gemeinschaft alt zu werden.

Von Carlo Eggeling