Montag , 28. September 2020
1970: die Ilmenau steigt an. (Foto: Stadtarchiv/Adolf Brebbermann)

Stadt informiert über Hochwassergebiete der Ilmenau

Lüneburg. Ältere Lüneburger werden sich noch gut daran erinnern: Zwei Mal in den vergangenen hundert Jahren stand das Wasser der Ilmenau so hoch, dass Menschen ihre Wohnungen in der Stadt verlassen mussten, Hunderte Keller vollliefen, Gebäude und Einrichtungen beschädigt wurden. So geschehen im Februar 1941 und im Februar 1970. Um die Auswirkungen künftiger Jahrhunderthochwasser begrenzt zu halten, soll die Stadt die Grenzen für das Überschwemmungsgebiet der Ilmenau neu festlegen, so will es das Land. Im jüngsten Umweltausschuss informierte die Stadt über die neuen Regelungen und Konsequenzen für die Betroffenen.

Auch Wohngebiete und Bockelmannstraße betroffen

„Es ist nicht so, dass man unendlich eingeschränkt wird“. Volker Schulz, Leiter des Bereichs Umwelt, bemühte sich, mögliche Bedenken gegen die geplante Verordnung für die neuen Überschwemmungsgebiete in der Stadt gar nicht erst aufkommen zu lassen. Klar sei aber, die neuen Gebiete werden kommen, „und zwar so, wie sie vom Land vorgegeben wurden“. Das hatte die Gebiete nach den Hochwasserereignissen des Jahres 2007 neu festgesetzt und die Kommunen aufgefordert, sie in entsprechende Verordnungen umzusetzen. Betroffen von der Neufestlegung, die als „vorläufige Sicherung“ bereits seit 2012 gilt, sind im Wesentlichen Teile des Gewerbegebiets in der Goseburg sowie flussaufwärts großräumige Flächen der Ilmenau-Auen zwischen Bockelsberg und Wilschenbruch (LZ berichtete). Aber auch Wohngebiete am Lösegraben sowie Teile der Bockelmannstraße stünden im Extremfall unter Wasser.

„Selbst ein kleiner Heuballen kann zu einem großen Problem werden.“
Volker Schulz, Stadt Lüneburg

Schulz zeigte in der Ausschusssitzung die Einschränkungen für die betroffenen Gebiete auf, angefangen bei der Ausweisung von Baugebieten über die Errichtung von baulichen Anlagen, das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern oder die Ablagerung von Gegenständen (siehe Info-Kasten). „Selbst ein kleiner Heuballen kann zu einem sehr großen Problem werden“, sagte Schulz mit Hinweis auf die Auswirkungen, die natürliche wie künstliche Hindernisse für den Abfluss eines Hochwassers haben können.

Stefan Minks (SPD) wollte wissen, mit welchen Einschränkungen Kleingärtner künftig zu rechnen haben und ob deren Gartenlauben betroffen seien. „Grundsätzlich gilt für alles, was bis jetzt besteht: Was da ist, ist da“, sagte Schulz. Für bestehende Lauben und Hütten ebenso wie bestehende Wohnhäuser oder Gewerbegebäude gelte Bestandsschutz. Klar sei aber auch: Jegliche künftige Änderung falle unter die neue Verordnung. „Ein Öltank darf dort natürlich stehen bleiben. Nur wenn er durch einen neuen ersetzt werden soll, greift die neue Regelung“.

Bauvorhaben auch nach Einzelfallprüfung möglich

Einen endgültigen Baustopp in hochwassergefährdeten Gebieten etwa müsse aber selbst das nicht bedeuten. Wer bauen möchte, habe seine Gebäude dem Hochwasser anzupassen. Das sei auch bisher schon so, sagte Umweltdezernent Markus Moßmann mit Verweis auf Mehrfamilienhäuser am Treidelpfad der Ilmenau. Gleichwohl seien neue Bauvorhaben „eher unrealistisch“, sagte Moßmann, der die Neuregelung als „präventive Verbote mit Erlaubnisvorbehalt“ bezeichnete, mit anderen Worten: Die Stadt behält es sich vor, Baumaßnahmen im Einzelfall zu genehmigen.
Entwarnung konnte die Stadt auch für die Arbeit der Kleingärtner geben. Sie dürften auch weiterhin Hecken pflanzen und Arbeiten an ihren Lauben vornehmen – „erneuern ist erlaubt“, sagte Schulz. Ob auch neue Hütten gebaut werden dürften, ließ Schulz offen. Auch auf die Frage von Frank Soldan (FDP), ob in den Überschwemmungsgebieten noch die Ausweisung von Ausgleichsflächen möglich sei, hielt sich die Stadt bedeckt.

Ulrich Blanck (Grüne) fragte nach den Kontrollmöglichkeiten der Stadt für die Einhaltung der Verordnung. Markus Moßmann erklärte, zwar werde der Kontrollaufwand größer, allerdings habe man auch jetzt schon Überschwemmungsgebiete, die Kontrollmöglichkeiten blieben daher dieselben.  Moßmann ging davon aus, dass die Verordnung bis Ende des Jahres vom Rat beschlossen werde. Da aber auch das Gebiet der Hauptwache der Lüneburger Feuerwehr im Überschwemmungsgebiet liege, soll das Thema noch im nächsten Ausschuss für Feuerwehr und Gefahrenabwehr behandelt werden.

Von Ulf Stüwe

Was alles verboten ist

  • Bauleitplanung
  • Errichtung baulicher Anlagen
  • Errichtung von Querbauwerken
  • wassergefährdende Stoffe
  • Ablagerung von Gegenständen
  • Baum- und Strauchpflanzungen
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  • Grünlandumbruch
  • die Umwandlung von Auwäldern