Hat sich mit ihrem Comic-Laden an der Bardowicker Straße einen Traum erfüllt: Maria Lambert liest und liebt die bunten Bildergeschichten seit ihrem siebten Lebensjahr. Foto: t&w

Die Welt der Sprechblase

Lüneburg. „Dass es so einen Laden noch gibt!“ Viele Touristen sagen diesen Satz und staunen, wenn sie das erste Mal den „Lesedrachen“ von M aria Lambert betreten. Weil Asterix, Lucky Luke oder Donald Duck im Schaufenster an der Bardowicker Straße nun mal nicht ihre Wirkung verfehlen und viele Menschen an etwas erinnern, das sie vielleicht längst vergessen haben: die Begeisterung für eine Welt aus bunten Bildern und Sprechblasen, die auch Maria Lambert nicht mehr losgelassen hat, seit sie sieben Jahre alt war.

Ihr eigener Comic-Laden, das war immer ihr Traum. „Ich kannte das von meiner Oma aus Hannover“, erinnert sich die 58-Jährige, „da hat mein Opa immer unsere alten Comics gegen neue Hefte eingetauscht. Das hat mich damals fasziniert.“ Auch Maria Lambert lebt heute dieses Geschäftsmodell, nimmt gebrauchte Ware entgegen, hat aber auch viele neu aufgelegte Klassiker in ihren Regalen: Marsupilami, Tim & Struppi oder ihr eigener Lieblingscomic Calvin & Hobbes, vielen noch bekannt als kleine, dünne Heftchen aus ihrer Kindheit, verlocken heute die Erwachsenen mit großen, bunten Sammelbänden zum Kauf.

Sigurd-Hefte damals für 20 Pfennig

Unter ihren Stammkunden sind viele Anwälte, Ärzte oder Lehrer. Menschen, die genau wie Maria Lambert abschalten können, wenn sie aus bunten Bildern und Sprechblasen ihre eigenen Geschichten formen können. „Man braucht ja ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen, um Comics zu lesen, und muss immer seine eigenen Zusammenhänge schaffen“, erklärt Lambert die Faszination an den Geschichten, die bei ihr damals mit kleinen Heften von Sigurd und Falk begannen, die sie für 20 Pfennig kaufen konnte. Heute sind die vielen Comics um sie herum ihr großes Glück – und auch wenn ihr Geschäft damit in den letzten 20 Jahren schwieriger geworden sei, will sie auf jeden Fall weitermachen. „Das ist meine Leidenschaft. Man verzichtet zwar auf einiges, was andere sich leisten können, aber ich bin ein glücklicher Mensch.“

Ihr Laden ist immer wieder Anlaufpunkt für Gleichgesinnte und Sammler. Und ist mal niemand da, kommt bei Maria Lambert mit Sicherheit keine Langeweile auf. Sie kann hier den ganzen Tag das machen, was sie am liebsten mag: Comics lesen.

Von Manuela Gaedicke