Dienstag , 22. September 2020
Dr. Uwe Barge blickt zufrieden unter die geöffnete Plane: „Sieht doch gut aus“, stellt der Chef des Forstamtes Göhrde fest. Foto: kre

Göhrde: Kiefernholz-Lagerung unter Folie erfolgreich beendet

Röthen. Die Szenerie erinnert ein wenig an das Auspacken eines Geschenks. Entspricht das, was sich unter der Folie befindet, auch dem, was man sich gewünscht hat? Oder droht eine böse Überraschung? Vor exakt vier Jahren wurden 250 Festmeter Kiefernholz in der Försterei Röthen luftdicht in Folie verpackt. Im Rahmen eines groß angelegten Feldversuchs.

Die Frage, die Förster und Forscher beantwortet wissen wollten, lautet: Kann man Nadelholz über Jahre hinweg luftdicht einpacken, ohne dass die Qualität des Holzes leidet? Seit Mitte dieser Woche wissen es Dr. Uwe Barge, Leiter des Forstamtes Göhrde, und seine Kollegen: Ja, man kann!

Testlauf mit ernstem Hintergrund

Entsprechend groß war die Erleichterung bei allen Beteiligten, als die angehende Forstwirtin Franziska Gretchens und ihre Kollegen mit Cuttermessern die Folie aufschnitten und die Stämme zum Vorschein kamen. „Die sehen gut aus!“, stellte Forstamtsleiter Dr. Uwe Barge zufrieden fest.

Der Testlauf hat einen ernsten Hintergrund: Wenn wieder Orkane über das Land fegen und Bäume wie Streichhözer knicken, fällt bei den anschließenden Aufräumarbeiten Windwurfholz im Überfluss an. Bislang werden solche Mengen vor allem auf extra eingerichteten Beregnungsplätzen gelagert – beispielsweise in Einemhof – damit das Holz nicht leidet. Aber auch in der Göhrde gibt es einen solchen Platz, auf dem im Notfall bis zu 40 000 Festmeter beregnet werden können.

Kontrolle jedes einzelnes Stammes

Zusätzliche, vor allem dezentrale Lagerkapazitäten soll die jetzt getestete Planen-Technik bieten. Ein Vorteil: „Es fallen keine großen Transportwege zu den Beregnungsplätzen an“, sagt Henry Haase, beim Forstamt zuständig für den zentralen Holzverkauf: „Das Windwurfholz kann an Ort und Stelle unter Planen gepackt werden. Und das für mehrere Jahre, wie jetzt der zu Ende gegangene Versuch beweist. Das Holz muss dann nicht bei einem Überangebot zu ruinösen Dumpingpreisen verkauft werden, sondern kann jenseits der Marktstörungen veräußert werden.

Dass die Stämme einen leichten Schimmelpilzbefall aufweisen, ist nicht schlimm. „Das ist nur äußerlich“, stellt Dr. Barge fest. Was im Holz in den vergangenen Jahren passiert ist, erklärt er so: „Bakterien und Pilze, die sich im Holz befinden, brauchen unter der luftdicht abgeschlossenen Plane den Sauerstoff in etwa 14 Tagen auf. Dafür steigt der Kohlendioxidgehalt auf bis zu 40 Prozent an“. Ein lebensfeindliches Klima für Organismen.

Dr. Barge und seine Kollegen wollen es jetzt genau wissen, lassen von Peter Kalesse, Forstwirtschaftsmeister im Ruhestand, zwei Stämme auf einem mobilen Sägewerk längs aufsägen. „Alles prima“, so das Urteil der Experten, „das Holz sieht nicht anders aus als wie beim Frischeinschlag.“ Und selbst der Geruch des Sägemehls ist nicht unangenehm – riecht essig-harzig.
Während Dr. Barge und die anderen Förster noch den aufgesägten Balken eingehend begutachten, wird der abgedeckte Holzpolter bereits auf Lkw verladen: „Das geht in ein Sägewerk nach Wismar“, sagt Dr. Barge. Dort wird dann noch einmal jeder einzelne Stamm begutachtet. Doch das macht Dr. Barge keine Sorgen – und den anderen Förstern auch nicht.

Von Klaus Reschke