Montag , 28. September 2020
Die Familie Scharff betrieb von 1949 an eine Esso-Station an der Altenbrückertorstraße. Foto: nh/scharff

Lüneburg: Straße nach Unternehmer Scharff benannt

Lüneburg. Die Scharff-Kreuzung ist für alte Lüneburger ein Begriff: Wo sich Altenbrückertor-, Schießgraben- und Willy-Brandt-Straße treffen, stand ein Vierteljahrhundert lang eine Tankstelle – benannt nach der Betreiberfamilie Scharff. Heute benennt die Stadt im Hanseviertel eine Straße nach Carl-Gottlieb Scharff und ehrt damit eine Unternehmerpersönlichkeit.

Carl-Gottlieb Scharff wurde im August 1902 in Lüneburg geboren und starb im November 1968. Seine Ausbildung absolvierte er in Salzwedel. Seine Vorfahren hatten mit dem Brauen von Bier und Essig begonnen, später kam eine Spedition hinzu. Daneben lief immer der Handel mit dem Lüneburger Salz. Schon in der folgenden Generation verlor jedoch die Brauerei an Bedeutung, und so entschieden sich Georg Gottlieb und Johanna Scharff 1875 dazu, auch Baustoffe ins Handelssortiment mit aufzunehmen.

Baustoffhandel wird Hauptgeschäft

1897 firmierten die Scharffs mit „J. G. Scharff. Eßig-Fabrik, Petroleum, Salz und Cement en gros“ – so der Titel auf Rechnungen. Der Baustoffhandel, einst nur als zusätzliches Standbein geplant, entwickelte sich im folgenden Jahrhundert zum Hauptgeschäftsbereich.

Lüneburg Scharff
Neue Straße im Hanseviertel: Carl-Gottlieb-Scharff-Straße. Foto: t&w

Wenig Grund zum Feiern bot jedoch der 100. Geburtstag 1932: Die Weltwirtschaftskrise hielt an. Seit dem frühen Tod des Vaters Carl (1935) mussten die Brüder Gottlieb und Hans die Geschäfte führen. Die rege Bautätigkeit in den 30er-Jahren, bei der unter anderem auch die Moorweg-Siedlung für die Mitarbeiter der Firma entstand, half dem Unternehmen aus der Krise. Daneben war die Firma Gründungsmitglied der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft.

Tankstelle schloss 1974

In Lüneburg betrieb die Familie – heute unvorstellbar – eine Tankstelle mit Lager an der Heiligengeiststraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Scharffs ihre Tankstelle 1949/50 an der Kreuzung am Museum. Dort lag eine Brachfläche, nachdem Bomben die Häuser zerstört hatten. Die Lage war hervorragend: Die Bundesstraße 4 lief dort vorbei. Ein Vierteljahrhundert später, im Jahr 1974, schloss die Tankstelle. Das lag vor allem daran, dass die Station keine direkte Zufahrt zur damaligen Berliner Straße erhielt.

Die Firma hatte für ihr Baustoffgeschäft einen weiteren Standort an der Wittenberger Bahn, 1960 zog der Betrieb auf ein 40 000 Quadratmeter großes Grundstück am OHE-Bahnhof in Rettmer. An diese Lüneburger Wirtschaftsgeschichte erinnert künftig der Straßenname.

Von Carlo Eggeling