Ausgesprochen komfortabel ist das Wohnmobil, mit dem Margret und Rolf Fischer unterwegs sind. Lüneburg gehört nicht nur an den Wohnmobiltagen zu ihren Lieblingszielen. Foto: t&w

Wohnmobilreisen: Im eigenen Bett durch die Lande

Lüneburg. Was Margret Fischer und ihr Ehemann Rolf schätzen, „ist die flexible Form des Reisens und dass man immer sein eigenes Bett dabei hat“ . Das Ehepaar aus Jork im Alten Land gehört zu der ständig wachsenden Anzahl der Wohnmobilisten. Gestern steuerten sie mit ihrem 9,25 Meter langen Niesmann + Bischof die Sülzwiesen in Lüneburg an, wo bis zum kommenden Sonntag, 9. April, die „Lüneburger Wohnmobiltage“ laufen. Und die erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

350 Anmeldungen sind bisheriger Rekord

Federführend organisiert mit „Unterstützung des ganzen Teams“ hat die Veranstaltung Doreen Wolter, Auszubildende im 3. Lehrjahr bei der Lüneburg Marketing GmbH. 350 Anmeldungen aus ganz Deutschland und der Schweiz gab es in diesem Jahr, fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr und dreimal so viele wie 2013, den ersten Wohnmobiltagen. „Spontan-Anreisende mussten wir leider wegschicken, die können aber auf dem Stellplatz gleich nebenan stehen“, sagt Doreen Wolter. 50 Prozent seien „Wiederkehrer“. Dass immer mehr kommen, hat nicht nur mit guter Werbung zu tun, „sondern es gibt auch viel Mundpropaganda“, weiß Svenja Heuer, Pressesprecherin der Marketing GmbH. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen mit Reisemobilen die Welt entdecken: Gab es 2008 rund 326 000 gemeldete Wohnmobile bundesweit, waren es im vergangenen Jahr rund 417 000.

Der Sohn habe sie auf die Idee gebracht, vor ein paar Jahren das erste Gefährt anzuschaffen, berichten die Fischers. Seit einem Jahr reisen sie nun mit dem Niesmann + Bischof durch die Lande. In Deutschland gebe es viel zu entdecken, nach Lüneburg kommen sie regelmäßig. Ledersitze-Ecke, Einbauküche mit Gefrierschrank, komfortables Bad und Schlafstätte machen da Reisen zum Luxus pur. Das schöne sei, dass man wetterunabhängig sei und einen großen Radius habe, sagt der 67-Jährige. Gleich nebenan auf den Sülzwiesen haben zehn Gefährte des Dethleffs-Clubs geparkt. „Die Fischers sind sozusagen Gäste unseres Clubs“, sagt Michi Meyer. Gleich soll es Ofensuppe geben, die Helga Kähler für alle zubereitet hat. Denn ein fröhliches Miteinander verbindet viele Wohnmobilisten. So richtig Sinn mit dem fahrbaren Hotel mache es aber erst, wenn man beruflich unabhängig sei und „einfach Zeit hat“, macht Meyer deutlich.

Singles gehen gemeinsam auf Reisen - im Wohnmobil

Drei Reihen weiter hat sich eine große Runde gefunden, die sich mit Kaffee, Bier und Sekt auf die kommenden Tage einstimmt. Es sind Wohnmobil-Singles aus ganz Deutschland, die in der Gemeinschaft auf Touren gehen wollen und sich über die Internetforen www.solo-im-reisemobil.de und www.wohnmobil-solisten-sterne.de verabredet haben. Mit 43 Fahrzeugen sind sie angereist. „Es geht uns ums Wiedersehen, Beisammensein, neue Fahrten planen und Austausch über neue Techniken“, schildert Roman Feodorian (70) aus Flensburg. Der Wind bläst noch frisch, aber das sei man gewohnt, meint Martina Bartsch. Die Heiligenhafenerin ist zum zweiten Mal bei der Veranstaltung, schwärmt vom bunten Programm mit Musik, Tanz, Stadtführungen und Shoppen in der schönen Stadt. Margret Fischer findet: „Die Lüneburger haben es verstanden, den Wohnmobil-Tourismus hierherzuholen. Und das zahlt sich aus, denn die Wohnmobilisten lassen gerne Geld hier.“

Für alle Interessierten hat die Marketing GmbH wieder eine Wohnmobilmesse organisiert, sie findet heute von 14 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag von 11 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 15 Uhr statt. Am Sonnabend lockt ein Flohmarkt von 9 bis 13 Uhr rund ums Thema Wohnmobil.

Von Antje Schäfer

Gutverdiener über 60 Jahre

Das Durchschnittsalter für den Neukauf eines Autos lag 2015 bei 53, beim Wohnmobilneukauf dagegen bei über 60 Jahren. Wohnmobile gibt es neu ab etwa 40 000 Euro, im Schnitt liegt der Preis über 60 000 Euro. „Je nach Ausstattung und Größe können auch über 100 000 Euro fällig werden“, sagt Hans Duschl, Pressereferent vom ADAC Hansa.

Mit der EU-Führerscheinklasse ‚B‘ dürfen nur Wohnmobile mit einer zulässigen Gesamtmasse bis maximal 3,5 Tonnen gefahren werden. Für schwerere Wohnmobile wird entweder die Führerscheinklasse C1 (Kraftfahrzeuge mit einer zul. Gesamtmasse von bis zu 7,5 t) oder C (Kraftfahrzeuge mit einer zul. Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t) benötigt.

Die Klassen C1 und C werden nur für fünf Jahre erteilt und müssen nach einer ärztlichen Untersuchung verlängert werden. (Ausnahmen gibt es bei alten Führerscheinen).